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	<title>schreiben | Kaja Evert</title>
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		<title>Buchmarkt, trau dich: Anspruch in Texten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kaja]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 06 Aug 2022 05:51:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Stil]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><em>Diesen Artikel habe ich als Mini-Serie auf Instagram veröffentlicht. Wegen der großen Beliebtheit habe ich beschlossen, alle Teile auch hier zur Verfügung zu stellen. Nun könnt ihr den gesamten Text im Zusammenhang lesen. Viel Spaß!</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Zum Thema</h2>



<p>Wenn meine damalige Agentin eine Leseprobe bekommen hatte und zu mir sagte, sie finde den Text anspruchsvoll, wusste ich: Das war das Todesurteil. Es bedeutete so viel wie: Der Text ist unverkäuflich.<br>Seitdem habe ich dieselbe Erfahrung immer wieder gemacht: Anspruchsvolle Texte sind auf dem Buchmarkt nicht beliebt. Agenturen wollen sie nicht, Verlage kaufen sie nicht, Leser*innen machen einen Bogen darum. Und mehr: Diejenigen, die anspruchsvoll schreiben, werden schnell als arrogante, elitäre Snobs angesehen, die Zeug schreiben, das ohnehin niemand lesen will, sich trotzdem für etwas Besseres halten und dabei doch eigentlich nur andere Menschen mit ihren Texten ausschließen.</p>



<p>Warum aber sind anspruchsvolle Texte so unbeliebt? Ich vermute, dass dabei zwei Dinge eine wichtige Rolle spielen:</p>



<ol class="wp-block-list"><li>Anspruchsvolle Texte wollen etwas von dir. Das kann anstrengend sein. Das Leben ist aber schon anstrengend genug. Warum solltest du dir also noch zusätzliche Arbeit machen, wenn du doch nur seinem Hobby nachgehen und dich entspannen willst?</li><li>Der Schulunterricht kann dir den Spaß an Texten verderben. Viele Texte, die zum sogenannten Schul-Kanon gehören, erfüllen die heutigen Ansprüche an gute Bücher nicht (mehr), weil sie stark veraltet sind. Trotzdem werden Kinder und Jugendliche, die gern etwas anderes machen möchten, dazu gezwungen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Und zu allem Überfluss bekommen sie auch noch Noten dafür. Natürlich muss Deutschunterricht nicht so laufen, aber es kann passieren.</li></ol>



<p>Das sind gute Argumente. Auch dass Texte Menschen ausschließen können, stimmt. Nicht umsonst wurde Einfache Sprache erfunden. Aber Sprache ist nicht alles. Ich persönliche sehe die Sache anders: Wer einen anspruchsvollen Text schreibt, geht davon aus, dass dort draußen Menschen sind, die seinen Gedanken folgen möchten. Er*sie lädt sie ein, den Weg der Geschichte gemeinsam zu gehen. Das ist in meinen Augen ein anderer Ansatz, als davon auszugehen, dass Menschen einer Geschichte nicht folgen können oder wollen. Kein Ausschluss, sondern eine Einladung.</p>



<p>Warum lohnt es sich – in meinen Augen – heute trotz allem noch, anspruchsvolle Texte zu lesen und zu schreiben? Darüber möchte ich hier mit euch sprechen.</p>



<p>Im Folgenden stelle ich vier verschiedene Arten von Anspruch in Texten vor, die ich mir überlegt habe. Obwohl ich früher Literaturwissenschaftlerin war, habe ich keine wissenschaftliche Literatur benutzt, sondern mir alles selbst aus den Fingern gesogen. Daher geben die Beiträge nur meine persönliche Einteilung und Meinung wieder.<br><br>Und zwar geht es um:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Komplexität (die Anzahl der wichtigen Dinge in einem Text. Fordert dazu auf, sie zu verknüpfen)</li><li>Originalität (die Abweichung vom Gewohnten. Fordert dazu auf, den Horizont zu erweitern)</li><li>Tiefgründigkeit (die Behandlung existenzieller und/oder unangenehmer Themen. Fordert dazu auf, sich mit ihnen auseinanderzusetzen)</li><li>Stil (Alles, was mit Sprache zu tun hat. Fordert dazu auf, genau zu lesen und sprachliche Rätsel zu lösen</li></ul>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2022/08/ACS_0195-1-1024x1024.jpg" alt="" class="wp-image-3849" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2022/08/ACS_0195-1-980x980.jpg 980w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2022/08/ACS_0195-1-480x480.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) 1024px, 100vw" /><figcaption><em>Meine Dornenritter – ein anspruchsvolles Buch?</em></figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Komplexität</h2>



<p>Die Welt ist irre vollgestopft, findet ihr nicht? Wenn ich versuche, mich über ein einzelnes Thema zu informieren, blicke ich oft kaum durch. Und wenn ich mich intensiv mit einem Thema beschäftige, bekomme ich oft erst recht den Eindruck, dass ich gar nichts verstehe und überhaupt nichts weiß. Geschweige denn, dass ich begreifen könnte, wie all die Dinge in der Welt miteinander zusammenhängen. Manchmal verstehen wir ja nicht einmal die Menschen, die uns am nächsten stehen. Noch schlimmer: Niemand sagt uns, was richtig und falsch, was gut und böse ist – und falls doch, sollten wir erst recht aufmerksam sein, wem wir in so wichtigen Fragen unser Vertrauen schenken. Wir müssen selbst aufpassen, denken, urteilen.<br>Die Welt ist komplex. Das macht das Leben schwierig.</p>



<p>Die gute Nachricht: Kein Text kann diese Komplexität abbilden. Daher stellen Geschichten immer nur einen sehr kleinen Ausschnitt aus der Wirklichkeit dar (und das sage ich mit Absicht auch über Fantasy). Deshalb mögen wir Geschichten. Sie machen aus totalem Wirrwarr verdauliche Häppchen.</p>



<p>Geschichten, die nicht komplex sind, bieten uns eine überschaubare Welt. Gut und Böse sind darin klar, die Ereignisse gut verständlich, und meist wissen wir vorher, wie es ausgeht. Das ist völlig okay und auch sehr erholsam, denn in der Realität haben wir es ja schon schwer genug.</p>



<p>Komplexität in Geschichten ist für mich: Die Anzahl der Dinge/Informationen darin, die wichtig sind, um die Geschichte zu verstehen. Wie im realen Leben müssen wir in komplexen Geschichten diese Informationen sammeln und verknüpfen. Wir müssen selbst denken, selbst urteilen, unseren Grips einsetzen. Das macht das Lesen komplexer Geschichten anstregend. Wieso sollten wir es dann überhaupt tun?</p>



<p>Nehmen wir das Spiel Bloodborne: Darin wird eine Stadt nachts von Monstern überrannt. Aber wieso eigentlich? Wer sich diese Frage stellt und sich die Mühe macht, die Informationen, die uns das Spiel fast immer kommentarlos präsentiert, mit einander zu verknüpfen, für den öffnet sich eine zweite Ebene, so krass, dass es einem den Boden unter den Füßen wegzieht.<br>Geiler Scheiß.</p>



<p>Manche Texte verstehen wir besser (oder überhaupt erst), wenn wir andere Texte kennen. Der Fachausdruck dafür: Intertextualität. Zum Beispiel: Wer sich bei »Die Götter müssen sterben« von Nora Bendzko mit antiker Mythologie auskennt, kann die Abweichungen zu den Original-Sagen besser erkennen und hat damit meiner Meinung nach bersonders viel Spaß am Text. (Übrigens, auch bei »Dornenritter« können Mythologie-Freaks vermutlich die Auflösung eher vorausahnen.) Andere Texte verlangen dafür historische oder sonstige Fachkenntnisse von Lesenden.</p>



<p>Meiner Meinung nach entsteht Komplexität noch nicht, wenn einfach nur viel Zeug in einem langen Text steht. Und sie ist nur dann richtig am Platz, wenn wir als Lesende von der Geschichte dafür belohnt werden, dass wir unser Gehirn anstrengen. Mit mehr Erkenntnissen, mehr Durchblick, mehr Gefühlen, mehr Grusel, mehr Spaß. Komplexe Texte sind wie eine spielerische Übung für die noch unendlich viel komplexere Realität. Die besten sorgen dafür, dass wir uns nicht nur klüger fühlen, sondern wirklich klüger werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Originalität</h2>



<p>»So etwas gibt es auf dem deutschen Buchmarkt bisher nicht. Da gehen die Leser*innen nicht mehr mit.« Sätze wie diesen hörte ich damals regelmäßig von meiner Agentin. Manchmal bat sie mich auch, eine Geschichte zu entwerfen, die an einer anderen orientiert sei. Ich brauchte lange, um zu begreifen, dass eine Geschichte gemeint war, die mehr oder weniger exakt wie eine andere sein sollte.</p>



<p>Heute höre ich oft von angehenden Autor*innen, dass sie sich Sorgen machen: »Meine Ideen gibt es doch schon so oft!« Da kann ich euch beruhigen, Leute: Offenbar ist es tatsächlich auf dem deutschen Buchmarkt so: Je mehr etwas wie etwas ist, was alle schon kennen, desto besser. Abgesehen davon haben alle, die sich solche Sorgen machen, meist eher ein ähnliches Problem wie ich.</p>



<p>Originalität ist für mich: eine Abweichung vom Gewohnten. Aber warum ist Originalität in Texten so unbeliebt? Tatsächlich muss ich sagen: Ich verstehe es – im Gegensatz zu den anderen Kategorien von Anspruch, die ich gesetzt habe – nicht so recht. Wir bezahlen viel Geld, um in Urlaub zu fahren und Orte zu sehen, die wir noch nicht kennen, Dinge zu erleben, die uns zu Hause nicht möglich sind. Aber warum möchten dann viele Menschen, wenn sie ein Buch lesen, genau dieselben Orte, Charaktere und Handlungen erleben, denen sie schon oft begegnet ist? Weil wir nicht genug von dem bekommen können, was wir lieben? Sind wir so gestresst, dass es uns zu anstrengend ist, etwas Neues zu verarbeiten, und wir lieber bei dem bleiben, was wir kennen? Möchten wir, wenn wir an unseren Urlaubsorten sind, vielleicht doch eigentlich gar nichts von ihnen sehen, sondern lieber im Hotel am Pool sitzen und Bier trinken (Natürlich ist das völlig okay!)</p>



<p>Wenn ich an Originalität denke, fällt mir zuerst Dr. Who ein. Die Serie verblüfft (zumindest in einigen Folgen) mit ihren originellen Ideen, oft noch in verblüffender Kombination. In GB, heißt es, hätten die Menschen etwas übrig fürs »Skurrile« – ich denke, das ist ein weiterer Ausdruck für Originalität. Und ich muss an meinen verstorbenen besten Freund M. denken. Ihm konnte nichts originell genug sein. Meine dunklen Ritter mochte er nicht besonders, er fand sie 0815, schon wegen des mittelalterlichen Settings. Seine eigene Welt Esper kann man noch auf <a href="https://annor.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Annor.de</a> sehen. Sie erzählt von seiner Liebe zu originellen Settings, Dingen und Figuren. Wenn ich eine originele Idee brauchte, konnte ich mit ihm sprechen. Wenn ich mit M. auf Reisen oder nur in einem Museum war, kamen wir beide von dort mit 1000 Ideen wieder. Er fehlt mir. Die Welt braucht mehr Menschen wie ihn.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1022" height="1024" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2022/08/ACS_0210-1022x1024.jpg" alt="" class="wp-image-3841" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2022/08/ACS_0210-980x982.jpg 980w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2022/08/ACS_0210-480x481.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) 1022px, 100vw" /><figcaption><em>Ein Wasserfall in Island, den ich mit M. besichtigt habe. Er hat später seinen Weg in meinen Roman Dornenritter gefunden. </em></figcaption></figure>



<p>Eigentlich ist ja unsere Welt schon von sich aus sehr originell. Ich meine, habt ihr euch schon mal Wale genauer angesehen? Oder Elefanten? Würden wir solchen Wesen zum ersten Mal in einer Geschichte begegnen, hätten wir wohl Probleme, sie uns vorzustellen. Je genauer wir hinsehen, desto seltsamer ist eigentlich alles.</p>



<p>Aber zurück zu Büchern. Ich kann wenig gegen meine originellen Ideen tun. Aber ich versuche sie mit Dingen zu kombinieren, die schon bekannt sind. Manchmal kommt etwas dabei heraus, was die Menschen gern lesen. Ich hoffe, dass ich das auch in Zukunft schaffe.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Tiefgründigkeit</h2>



<p>Das Leben ist kein Ponyhof – schon mal gehört? Und so ist es leider. Überall begegnen uns schreckliche Dinge, Krankheit, Tod, gesellschaftliche und soziale Ungerechtigkeit, Unglücke, die Vergänglichkeit des Lebens usw. Wenn wir gerade nicht persönlich betroffen sind, dann diejenigen, die uns nahestehen. Und wenn selbst das nicht der Fall ist, können wir in den Nachrichten jeden Tag neue schreckliche Dinge verfolgen. Kein Wunder, dass wir – falls wir denn das Glück haben, diesem ewigen Kampf überhaupt kurz entkommen zu können – uns manchmal nur im Bett verkriechen und die Decke über den Kopf ziehen wollen – und vielleicht eine Wohlfühlgeschichte lesen. Und das ist sehr verständlich. Selbst ich brauche manchmal eine Dosis My Little Pony.</p>



<p>Wohlfühlgeschichte ist ein Begriff, der sich in der Buchwelt etabliert hat. Ich erlebe oft als wichtiges Kriterium bei einer Bewertung: »Ich habe mich mit der Geschichte die ganze Zeit wohl gefühlt«, »Das Buch war wie eine kuschlige Decke«, »Bei der Autorin fühle ich mich wohl.« Mir selbst wurde einmal empfohlen, mich als Autorin bei einem bekannten Heftromanverlag zu bewerben. Die Anforderungen an die Bücher war der Ausschluss sämtlicher »unangenehmer« Themen. Wohlfühlen pur!<br>Ich habe es gelassen.</p>



<p>Um es noch mal klarzustellen: Wohlfühlen mit Büchern ist toll. Aber es ist für mich nicht alles, und es sollte meiner Meinung nach nicht grundsätzlich passieren, indem schwierige Themen ausgeschlossen werden. Manche Autor* innen können sogar beides verbinden.<br>Und: Mit manchen Themen ist Wohlfühlen schwer. Aber auch sie brauchen Raum.</p>



<p>Tiefgründigkeit ist für mich: Die Bearbeitung unangenehmer oder schwieriger Themen.<br>Oft höre ich Stimmen, die sich wünschen, in Büchern würden aktuelle Probleme als überwunden oder gar nicht existent beschrieben. Die Argumente sind gut nachvollziehbar. Ich habe mich als Autorin entschieden, es nicht grundsätzlich so zu machen, auch aufgrund persönlicher Erfahrungen.</p>



<p>Bücher, die schwierige Themen ausschließen, erschaffen eine Wunschwelt. Eine Utopie hat auf jeden Fall ihre Daseinsberechtigung. Aber: Bücher, die sich gelungen mit schwierigen Themen beschäftigen, geben dafür Menschen die Möglichkeit, sich im Safe Space einer Geschichte mit diesen Themen auseinanderzusetzen, *ohne* selbst direkt betroffen zu sein. Denn Hand aufs Herz: Früher oder später holt uns der Ernst des Lebens alle ein.<br>Für Menschen, die betroffen sind, können diese Geschichten Trost spenden. Denn Probleme zu ignorieren, heißt auch, Menschen zu ignorieren, für die diese Probleme zum Leben gehören. Probleme zu respektieren, ihnen in Geschichten Raum zu geben, heißt, Menschen zu respetieren. Das ist für mich bei meiner eigenen Arbeit als Autorin ein sehr wichtiger Punkt.</p>



<p>Tiefgründige Bücher können uns ermutigen, nachzudenken, unseren Horizont zu erweitern, Probleme zu erkennen, unsere Haltung zu verändern, fürs Leben gewappnet zu sein, zumindest ein kleines bisschen. Sie können dazu beitragen, uns zum Teil einer Welt werden zu lassen, in der sich alle etwas mehr wohlfühlen. Das ist meiner Ansicht nach nicht möglich, wenn wir permanent die Augen vor Problemen verschließen und uns unter die Kuscheldecke schmiegen. Schwierige Themen zu bearbeiten ist vielleicht das Beste und Wichtigste, was Bücher überhaupt können. Solche Bücher verändern manchmal die Welt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2022/08/ACS_0194-1024x1024.jpg" alt="" class="wp-image-3844" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2022/08/ACS_0194-980x980.jpg 980w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2022/08/ACS_0194-480x480.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) 1024px, 100vw" /><figcaption><em>Ich liebe es, tiefgründige Themen in Büchern zu behandeln!</em></figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Stil</h2>



<p>»Das Gedicht hat mir sehr gut gefallen, weil keine unbekannten Wörter drin vorkommen«, schrieb dereinst Amelie (Name geändert ;)), 7. Klasse, über Schillers Ballade »Der Handschuh«, als ich in ihrer Klasse das Thema Inhaltsangabe unterrichtete. Damit spricht Amelie sicher vielen aus der Seele. Und – irgendwie – auch mir.</p>



<p>Stil ist von allen Themen, die ich hier in Verbindung mit Anspruch bearbeite, vermutlich das unwichtigste. Es kommt auf die Story an, nicht auf den Stil, in der sie geschrieben wurde. Das fällt mir auch auf dem Buchmarkt immer wieder auf. Trotzdem kann ein gelungener Stil dazu beitragen, Atmosphäre aufzubauen und ganz in eine Geschichte einzutauchen. (Wer meine Stil-Tipps erfahren möchte, möge <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.kaja-evert.de/2021/06/20/worte-wie-sterne-am-nachthimmel-arten-von-stil/" data-type="URL" data-id="https://www.kaja-evert.de/2021/06/20/worte-wie-sterne-am-nachthimmel-arten-von-stil/" target="_blank">diesen Blogartikel</a> lesen.)</p>



<p>Dabei verwechseln viele Menschen gelungenen Stil mit Unverständlichkeit. Ich kann mir denken, wie das kommt: In der Schule lesen wir Texte, die z. T. mehrere Jahrhunderte alt sind. Diese Texte kommen uns fremd vor. Sie enthalten Wörter und Formulierungen, die wir heute nicht mehr benutzen, und oft verschachtelte Satzkonstruktionen (Grüße an Heinrich von Kleist). Es gibt trotzdem Gründe, diese Texte auch heute noch zu lesen, aber leicht verständlich sind sie nicht gerade. Und wenn wir an die Uni kommen, erwarten uns dort mehr schwer verständliche Texte voller Schachtelsätze und Fachbegriffe, die wir noch nie gehört haben. Das wäre ja alles noch nicht so schlimm, wenn wir nicht zugleich vermittelt bekämen, dass so <em>gute</em> Texte aussähen. Denn immerhin stammen diese Texte von wichtigen Menschen, behandeln wichtige Themen und genießen hohes Ansehen – oder?</p>



<p>Ob ihr es glaubt oder nicht: Selbst wissenschaftliche Texte möchten nicht unverständlich sein. Es ist nur oft so, dass Wissenschaftler*innen so in ihren Themen und im Uni-Jargon »drin« sind, dass sie sich nicht mehr gut in Menschen hineinversetzen können, die von einem Thema gar nichts verstehen.</p>



<p>Guter Stil ist in meinen Augen verständlicher Stil. Verständlich heißt nicht platt. Ein Text kann gut verständlich und trotzdem anspruchsvoll sein. Es gibt kaum Stilfiguren, die komplizierte Formulierungen brauchen.</p>



<p>Bei Romanen gibt es vor allem zwei Stil-»Sünden«, die mich auf die Palme bringen: 1. Wenn Autor_innen unnötig kompliziert und »schwülstig« schreiben, gerade wenn es um völlig alltägliche Dinge geht. 2. Wenn sich Autor_innen keine Mühe geben, die spektakulären Ereignisse in ihren Büchern mit angemessenen Worten zu würdigen.<br>Allerdings ist Stil auch eine subjektive Sache. Ich bekomme manchmal fast Schrei-Anfälle von Texten, die andere als poetisches, literarisches Meisterwerk feiern. Und wenn ich einschlafe, weil der Kampf gegen den mächtigsten Dämon von Finsterwelt in überaus lahmen Worten beschrieben wurde, fällt das anderen vielleicht gar nicht erst auf.</p>



<p>– Soweit von mir zum Thema Anspruch in Texten. Ich fände es schön, wenn mehr anspruchsvolle Texte veröffentlicht würden, natürlich nicht ganz ohne Eigeninteresse! Wie steht ihr dazu? Lest ihr gern anspruchsvolle Texte oder eher nicht? Welchen Punkten stimmt ihr zu, was seht ihr anders? Welche anspruchsvollen Bücher habt ihr in letzter Zeit gelesen? Schreibt es mir gern in die Kommentare. Und wenn euch der Blogartikel weitergeholfen hat, empfehlt ihn auch anderen!</p>



<p>Eure Kaja</p>



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		<title>Acht Dinge, die mich produktiver gemacht haben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kaja]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Aug 2021 03:57:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Autor*innenleben]]></category>
		<category><![CDATA[Pensum]]></category>
		<category><![CDATA[Produktiv schreiben]]></category>
		<category><![CDATA[Schreibtipps]]></category>
		<category><![CDATA[schnell schreiben]]></category>
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					<description><![CDATA[Ich schreibe so langsam, wie die Schnecke kriecht – diese Wahrheit glaubte ich erkannt zu haben. Große Überraschung: Bei meinem aktuellen Dark-Fantasy-Roman, dem »Schnitter« (Arbeitstitel), konnte ich nach nicht einmal vier Monaten das »ENDE« unter die Rohfassung des Manuskripts setzen. Sicher werde ich noch viel mit der Überarbeitung zu tun haben, trotzdem: Was um alles [&#8230;]]]></description>
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<p>Ich schreibe so langsam, wie die Schnecke kriecht – diese Wahrheit glaubte ich erkannt zu haben. Große Überraschung: Bei meinem aktuellen Dark-Fantasy-Roman, dem »Schnitter« (Arbeitstitel), konnte ich nach nicht einmal vier Monaten das »ENDE« unter die Rohfassung des Manuskripts setzen. Sicher werde ich noch viel mit der Überarbeitung zu tun haben, trotzdem: Was um alles in der Welt hat mich diesmal so produktiv gemacht?<br>Ich habe einige Gedanken dazu notiert. Für alle, die überlegen, wie sie selbst produktiver an ihren Romanen arbeiten können, ist vielleicht die eine oder andere Idee dabei.</p>



<h2 class="wp-block-heading">1. Kurzen Roman schreiben</h2>



<p>Okay, diesen Faktor sollte ich nicht außer Acht lassen: Anstelle eines epischen Riesenplots hatte ich diesmal einen einfacheren Roman geplant. Ich schätze, es war eine Erleichterung, zu wissen, dass ich keine zig Plotfäden entwirren und keinen superkomplexen Weltenbau betreiben werde. Stattdessen wollte ich mich auf die Figuren, ihre Entwicklung und ihre Beziehung zueinander konzentrieren. Zuletzt sind ca. 90.000 Wörter dabei herausgekommen – immerhin eine passable Länge für einen Fantasyroman. Wenn auch kein Vergleich zu »Dornenritter« mit über 130.000 und »Nebelritter« mit (nach Kürzungsorgie) immerhin noch über 120.000 Wörtern. Mal sehen, wieviel nach der Überarbeitung noch übrig ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">2. Schreib-Buddy suchen</h2>



<p>Mein wunderbarer Schreib-Buddy <a href="https://aufanderenseiten.blog/" data-type="URL" data-id="https://aufanderenseiten.blog/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Tasha Winter</a> hat den Entstehungsprozess des Romans von Anfang an begleitet, so wie ich die Entstehung ihrer Projekte begleite. Einen Schreib-Buddy zu haben ist toll und wahnsinnig motivierend. Wir tauschen uns jeden Tag über den Fortschritt aus und chatten. Das spornt an. Wenn ihr Schwierigkeiten habt, dranzubleiben, ist mein Tipp daher: Sucht euch einen Schreib-Buddy!</p>



<h2 class="wp-block-heading">3. Kapitel vorher plotten</h2>



<p>Plot und ich sind nicht die engsten Freunde, das ist bekannt. Trotzdem plotte ich vor dem Schreiben immer, und sei es auch nur grob. Bei diesem Roman habe ich die Handlung, die ich im Kopf hatte, vorher kapitelweise aufgeschrieben. So wusste ich während des Schreibens immer, was ungefähr als Nächstes passieren wird, und wohin das alles zuletzt führen soll. Offenbar hat es geholfen. Das probiere ich beim nächsten Projekt wieder! Allerdings habe ich mich kein bisschen an meine ursprünglichen Kapiteleinteilung gehalten: Statt den geplanten ca. 16 sind 36 Kapitel entstanden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">4. Druck rausnehmen</h2>



<p>Angeblich sind Menschen, die sich wohlfühlen und entspannt sind, auch besonders produktiv. Das kann ich nur bestätigen!<br>Während des Schreibprozesses habe ich diesmal bewusst den Druck herausgenommen und möglichst gut auf mich geachtet (nachdem ich mich im April zu stark unter Druck gesetzt hatte, <a href="https://www.kaja-evert.de/2021/05/30/blogartikel-von-selbstoptimierung-trackern-und-traeumen/" data-type="URL" data-id="https://www.kaja-evert.de/2021/05/30/blogartikel-von-selbstoptimierung-trackern-und-traeumen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">wie ihr hier nachlesen könnt</a>. Das betrifft mehrere Punkte:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Ich habe den <strong>Anspruch</strong> an mich selbst wesentlich reduziert. Am liebsten möchte ich immer den perfekten Roman schreiben: mit tollem Plot, tiefgründig, spannend, sofort perfekt formuliert. Diesmal habe ich mir gesagt: Alles egal! Schreib ihn halt einfach irgendwie. Es wird schon. <br>Es wurde.</li><li>Ich habe mir vorgenommen, meinen Roman im <strong>Selfpublishing</strong> herauszubringen. Auch wenn diese Art der Veröffentlichung sicher viele Hürden und Möglichkeiten des Scheiterns für mich bereithält, bietet sie auch wesentliche Vorteile, die das Arbeiten für mich entspannter gemacht haben. Ich wusste, für dieses Buch würde es keine Ablehnungen hageln und niemand würde mir wegen eventueller mieser Verkaufszahlen die Zusammenarbeit aufkündigen. Nur ich selbst hätte davon einen Nachteil, indem ich das investierte Geld nicht wieder herausbekomme (aber darauf habe ich mich ohnehin eingestellt).</li><li>Normalerweise schreibe ich ein <strong>Tagespensum</strong> von ca. 500 Wörtern. Diesmal habe ich das Tagespensum komplett <strong>abgeschafft</strong>. So habe ich mich viel freier gefühlt und lag oft weit über dem sonstigen Tagespensum. Ich glaube, dabei bleibe ich erst einmal. Allerdings, um das klarzustellen: Täglich geschrieben habe ich trotzdem, und zwar vor der Arbeit. Das mache ich immer!</li><li>Anstatt mich in meiner Freizeit unter Druck zu setzen, noch mehr zu schreiben, habe ich Dinge zur Entspannung gemacht: Freunde treffen, Gaming, Wandern, Brettspielrunden, Socken stricken …</li><li>Ich habe mich und meine Arbeitsweise akzeptiert: die chaotische Rohfassung, das nicht immer optimale Plotten, das generell langsame Schreiben. Und witzigerweise fielen die Nachteile diesmal (soweit ich bisher erkennen kann) gar nicht so sehr ins Gewicht wie sonst!</li></ul>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="694" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/07/ACS_0462-1024x694.jpg" alt="" class="wp-image-3232" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/07/ACS_0462-1024x694.jpg 1024w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/07/ACS_0462-980x665.jpg 980w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/07/ACS_0462-480x326.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) 1024px, 100vw" /><figcaption>Wer entspannter ist, fühlt sich besser und ist häufig auch produktiver.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">5. Pause machen</h2>



<p>Bedingt durch eine OP hatte ich eine längere Pause von ca. zwei Wochen, in der ich nicht geschrieben habe. Hinterher war ich dann umso produktiver. Zu einer OP nur zwecks Erholung hinterher kann ich zwar niemandem raten, aber ich denke, zwei Wochen Schreibpause können auf jeden Fall sehr entspannend sein und sich später auszahlen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">6. Nicht entmutigen lassen</h2>



<p>Obwohl ich während des Schreibens – wie üblich – mehrere Durchhänger und schlechte Phasen hatte, habe ich mich nicht entmutigen lassen, sondern einfach weitergemacht. Dabei war mir natürlich meine Erfahrung eine Hilfe, da ich schon oft in ähnlichen Situationen war. Auch wenn alles verzweifelt aussieht, man den eigenen Text nicht mag, Rückschläge einstecken muss, lohnt es sich, weiterzuarbeiten. Wenn man es jeden Tag so macht, wird man irgendwann fertig! Das ist Fakt, auch wenn es in der jeweiligen Situation vielleicht unrealistisch erscheint. Und wer weiß, vielleicht sieht der ungeliebte Text am Ende dann doch nicht so schlecht aus.</p>



<h2 class="wp-block-heading">7. Motivation durch Feedback</h2>



<p>Diesmal habe ich meine Follower*innen auf Instagram an der Entstehung des Romans teilhaben lassen und immer mal wieder winzige Leseproben gepostet. Es kamen jedes Mal Rückmeldungen von wunderbaren Menschen, die sich daran gefreut haben und mir geschrieben haben, dass sie gern den ganzen Roman lesen möchten und sich darauf freuen. Das war extrem motivierend für mich! Hier auch noch einmal ganz herzlichen Dank dafür! Gerade in den Phasen mit Durchhänger (s. o.) wurde ich dadurch ermutigt und angespornt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">8. Mehr lesen</h2>



<p>Ich hatte mir einen neuen E-Reader angeschafft, einige E-Books gekauft und insgesamt wieder mehr gelesen. Witziges und Ernstes, gute und schlechte Bücher, darunter die schlechtesten, die ich kenne! Ich kann nicht behaupten, dass mich gute Bücher mehr inspirieren als schlechte oder ich mich durch sie mehr verbessere, aber was ich genau weiß: Je mehr Texte ich lese, desto leichter fließen mir auch meine eigenen aus den Fingern.</p>



<p>Was meinst du – ist eine Idee für dich dabei? Oder was tust du, um produktiv an deinen Geschichten zu arbeiten? Hinterlass mir doch einen Kommentar, wenn du magst! Ich wünsche dir eine kreative und inspirierende Zeit.</p>



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		<title>Worte wie Sterne am Nachthimmel &#8211; Arten von Stil</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kaja]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Jun 2021 04:59:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schreibtipps]]></category>
		<category><![CDATA[Stil]]></category>
		<category><![CDATA[Cicero]]></category>
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		<category><![CDATA[Stilarten]]></category>
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					<description><![CDATA[»Das Buch liest sich wie aus Aufsätzen eines Viertklässlers zusammenkopiert.« – »Der tolle, anspruchsvolle Stil hat mich umgehauen.« – »Der Schreibstil ist einfach; dafür wird mir das Buch nicht in Erinnerung bleiben.« Wer hat nicht schon einmal eine solche Rezension gelesen oder selbst erhalten, und das vielleicht auch noch beim gleichen Buch? Was ist guter [&#8230;]]]></description>
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<p>»Das Buch liest sich wie aus Aufsätzen eines Viertklässlers zusammenkopiert.« – »Der tolle, anspruchsvolle Stil hat mich umgehauen.« – »Der Schreibstil ist einfach; dafür wird mir das Buch nicht in Erinnerung bleiben.« Wer hat nicht schon einmal eine solche Rezension gelesen oder selbst erhalten, und das vielleicht auch noch beim gleichen Buch?</p>



<p>Was ist guter Stil? An der Frage scheiden sich die Geister. Trotzdem ist es mir als Autorin wichtig, meine Geschichten auch stilistisch so gut zu schreiben, wie es irgendwie geht. Aber wie, da Stilempfinden doch offenbar eine ganz persönliche Sache ist? Darum soll es heute in diesem Blogartikel gehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Drei Arten von Stil</h2>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0437.jpg" alt="Bleistiftportrait von Cicero" class="wp-image-2948" width="329" height="368" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0437.jpg 716w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0437-269x300.jpg 269w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0437-650x726.jpg 650w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0437-300x335.jpg 300w" sizes="(max-width: 329px) 100vw, 329px" /><figcaption>Der römische Autor Marcus Tullius Cicero hat hilfreiche Stil-Tipps auf Lager.</figcaption></figure></div>



<p>Der römische Anwalt, Autor und Stil-Spezialist Cicero (106 &#8211; 43 v. Chr.) unterscheidet zwischen drei Arten (oder Ebenen) von Stil: einfachem, mittlerem und erhabenem Stil. (Auf Latein: <em>genus humile</em>, <em>genus medium</em>, <em>genus grande</em>.) Diese Stilarten sind leicht voneinander zu unterscheiden. Keine ist wertvoller oder besser als die anderen, alle haben ihre Berechtigung. Ich finde Ciceros Hinweise heute noch sehr nützlich.</p>



<ul class="wp-block-list"><li><strong>Einfacher Stil </strong>ist sehr schlicht gehalten. Er benutzt kurze Sätze und Wörter aus der Alltags- und Umgangssprache. Jede*r versteht ihn ohne Probleme. Er ist aber nur begrenzt geeignet, um komplizierte Dinge auszudrücken.</li><li><strong>Mittlerer Stil</strong> fällt weder durch Wortwahl noch durch Satzbau besonders auf. Jede Information und jeder Zusammenhang lassen sich dadurch vermitteln.</li><li><strong>Erhabener Stil</strong> verwendet poetische Wörter und nutzt sämtliche Möglichkeiten der Sprache (Stilmittel, Satzbau, Metaphern usw.), um große Gefühle auszudrücken und in den Leser*innen zu wecken.</li></ul>



<h2 class="wp-block-heading">Wann ist welcher Stil sinnvoll?</h2>



<p>Sicher ist euch beim Lesen und Schreiben schon aufgefallen, dass ein Roman in der Regel nicht nur eine dieser Stilarten enthält, sondern mehrere oder sogar alle. Das liegt daran, dass die Wahl des Stils davon abhängt, worum es im Text gerade geht. Cicero hatte auch ein Wort dafür: <em>aptum</em>, das bedeutet »angemessen«: Stil und Text passen zusammen. Das Gegenteil von <em>aptum</em> ist <em>ineptum</em>: albern oder unfreiwillig komisch.<br>Habt ihr schon einmal einen wissenschaftlichen Text voller umgangssprachlicher Wörter gelesen? Oder einen Roman, in dem der*die Autor*in mit hochtrabenden, gekünstelten Worten über völlig alltägliche Dinge schreibt? Dann wisst ihr, was ich meine.</p>



<p>Aber welche Art von Stil passt nun zu welcher Textstelle? Letzten Endes habt ihr die Wahl, weil ihr entscheidet, wie ihr den Text gestaltet und was ihr besonders betonen möchtet. Ich erzähle euch im Folgenden, wo und wie ich verschiedene Stilarten für sinnvoll halte und selbst benutze.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Einfacher Stil – verständlich, bodenständig, mit Humor</h2>



<p>Einfacher Stil war in Romanen früher so gut wie gar nicht üblich, kommt jetzt aber relativ häufig vor. Aufgefallen ist mir das bei allem bei einigen Jugendbüchern und Liebesromanen, die zum schnellen Lesen und zur reinen Unterhaltung gedacht sind. Bei Jugendbüchern dient er offenbar dazu, Menschen, die wenig Leseerfahrung haben, den Text zugänglicher zu machen. Wer zur reinen Unterhaltung liest, möchte dabei oft nicht viel nachdenken – und das ist natürlich in Ordnung so. Daher ist der einfache Stil in solchen Fällen genau richtig gewählt.<br>Ich benutze einfachen Stil meist dann, wenn eine eher bodenständige Figur Perspektive hat, spricht oder ihre Gedanken wiedergegeben werden. Das bedeutet nicht, dass die Figur dumm sein muss. Sie interessiert sich nur in diesem Moment für die naheliegenden Dinge (Essen, Schlaf, Sex u. ä.). Außerdem kann einfacher Stil wunderbar benutzt werden, um einen ansonsten ernsten Text durch humoristische Elemente aufzulockern. Auch für Sexszenen ist er eine Überlegung wert, jedenfalls dann, wenn es deftig zur Sache geht. Einfacher Stil nennt die Dinge klar beim Namen, und das kann gerade bei erotischen Szenen ein Vorteil sein.<br></p>



<figure class="wp-block-image size-large is-style-default"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="682" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0440-1024x682.jpg" alt="Junge Frau mit Tätowierungen (Symbolbild)" class="wp-image-2947" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0440-1024x682.jpg 1024w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0440-300x200.jpg 300w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0440-768x512.jpg 768w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0440-650x433.jpg 650w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0440.jpg 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Wäre einfacher Stil eine Person, wäre er ein offenherziger Teenager.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Mittlerer Stil – die Stütze des Textes</h2>



<p>Mittlerer Stil begegnet einem überall: in Romanen, in Gebrauchsanleitungen, in wissenschaftlichen Texten. Er enthält weder poetische Wörter noch Umgangssprache, kann aber, wenn nötig, Fachausdrücke enthalten. Der Satzbau kann komplex sein. Unübersichtlich sollte er aber nicht werden. Zusammenfassende Passagen sind in Romanen fast immer in mittlerem Stil geschrieben. Er fällt beim Lesen kaum auf, denn der Inhalt steht im Vordergrund, nicht die Sprache. Das bedeutet aber nicht, dass mittlerer Stil sachlich und knochentrocken sein muss. Weil er Informationen präzise und anschaulich vermittelt, kann er eine dichte Atmosphäre schaffen.<br>In mittlerem Stil zu schreiben, ist nicht unbedingt leicht. Treffende Worte zu finden und auch komplizierte Zusammenhänge verständlich darzustellen, stellt eine Herausforderung dar. Dabei werden Textstellen in mittlerem Stil Leser*innen kaum wegen einer besonders gelungenen Formulierung im Gedächtnis bleiben. Und doch ist er der Grundstoff von Texten, die Substanz, die sie zusammenhält. Er erklärt alles, verknüpft alle Zusammenhänge her und stellt sicher, dass nichts unklar bleibt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="682" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0441-1024x682.jpg" alt="Mann mit Buch (Symbolbild)" class="wp-image-2946" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0441-1024x682.jpg 1024w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0441-300x200.jpg 300w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0441-768x512.jpg 768w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0441-650x433.jpg 650w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0441.jpg 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Wäre mittlerer Stil eine Person, wäre er ein kluger und geduldiger Lehrer.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Erhabener Stil – emotional, kunstvoll, vielfältig</h2>



<p>Besondere Momente brauchen eine besondere Sprache. Dazu ist erhabener Stil da. In Romanen kommen Situationen vor, in denen die Figuren schlimme oder wunderbare Dinge erleben, von starken Gefühlen überwältigt werden usw. Hier gilt: Je stärker die Gefühle, desto eher ist erhabener Stil geeignet.<br>Was bewegt Figuren in einem Roman besonders? Das hängt natürlich von der Figur ab. Aber was es auch sein mag: der großen Liebe zu begegnen, erschütternde Erlebnisse durchzumachen, in der Natur zur Ruhe zu finden, das alles sind Momente, die nach erhabenem Stil rufen.<br>Bei erhabenem Stil geht es nicht nur im poetische Sprache, die auch manchmal unpassend wäre. Autor*innen steht ein ganzes Arsenal an Stilmitteln zur Verfügung, um ihren Worten Gewicht zu verleihen. Wenn du dich fragst, wann der Moment gekommen ist, es zu nutzen: jetzt! Mache diesen Moment in deinem Buch mit deinen Worten so unvergesslich, wie er es für deine Figur ist. Cicero hat einen schönen Vergleich für den Einsatz von Stilmitteln: Wenn der Text der Nachthimmel ist, sind die Stilmittel die Sterne, die daran funkeln. Dabei ist erhabener Stil nicht unbedingt auch schön, denn er behandelt ernste und schreckliche Themen ebenso wie erfreuliche.<br>Wirkt der erhabene Stil aber schwülstig oder gekünstelt, ist etwas schief gelaufen. Sinnvoll eingesetzte poetische Worte und Stilmittel fügen sich in den Text ein. Wer ihn liest, wird emotional mitgerissen, doch nicht durch überkandidelte Formulierungen verwirrt. Denk daran: Es geht nicht darum, allen zu zeigen, was du für ein*e talentierte*r Wortkünstler*in bist. Es geht darum, deine Geschichte möglichst angemessen zu erzählen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="913" height="564" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0442.jpg" alt="Alter Mensch mit Brille, schreibend (Symbolbild)" class="wp-image-2954" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0442.jpg 913w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0442-300x185.jpg 300w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0442-768x474.jpg 768w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0442-650x402.jpg 650w" sizes="(max-width: 913px) 100vw, 913px" /><figcaption>Wäre erhabener Stil eine Person, wäre er ein sensibler und nachdenklicher Poet.</figcaption></figure>



<p>Erhabener Stil kann ein intensives Leseerlebnis bieten, aber er stellt auch eine Gefahr für den Text dar, wenn er zu oft oder zu stark eingesetzt wird. Poetischen Stil zu lesen, kann anstrengend werden. Nicht immer ist er leicht zugänglich. Daher sage ich mir selbst immer wieder bei entsprechenden Textstellen: Sei präzise, auch bei der Wahl deiner Metaphern, Vergleiche und poetischen Worte. Hinterfrag dich selbst: Schreib nicht irgendwelchen sinnlosen Quark, nur weil es schön klingt. Übertreib es nicht. Vermeide inhaltliche Wiederholungen, in denen du dasselbe noch einmal mit anderen Wörtern ausdrückst (das darf nur Cicero!). Sieh zu, dass deine Textstellen in erhabenem Stil nicht zu lang werden – das hält auf Dauer nämlich kein Mensch aus. Und vor allem: Nichts wirkt so unfreiwillig komisch wie erhabener Stil an der falschen Stelle. Niemand möchte in poetischen Worten lesen, wie jemand Cornflakes isst und die Schüssel anschließend in die Spülmaschine stellt. Wirklich nicht. (Natürlich gilt das aber auch umgekehrt: Werden besondere, emotionale Momente in Geschichten nüchtern und sachlich beschrieben, wirkt der Stil distanziert und die Figur, die Perspektive hat, eventuell gefühlskalt. Dieser Umstand kann natürlich auch gezielt eingesetzt werden, z. B. zur Charakterisierung.)</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Rolle des persönlichen Geschmacks</h2>



<p>Davon abgesehen bleibt Stil natürlich auch immer in gewissem Rahmen eine Frage des persönlichen Geschmacks. Ich z. B. finde erhabenen Stil schnell überzogen und könnte die Wände hochgehen, wenn längere Passagen auf mich »schwurbelig« wirken, andere lieben genau das. Manche Menschen mögen emotionale Texte grundsätzlich nicht so sehr, manche mögen sie besonders.</p>



<p>Habt ihr euch jemals solche Gedanken gemacht? Oder passt sich euer Stil von ganz allein dem Inhalt an? Welches Buch gefällt euch besonders für seinen gelungenen Stil und was genau gefällt euch daran? Schreibt es mir in die Kommentare!</p>



<p>Eure Kaja</p>



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		<title>Von Selbstoptimierung, Trackern und Träumen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kaja]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 May 2021 04:07:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
		<category><![CDATA[Autor*innenleben]]></category>
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					<description><![CDATA[Baby, dream your dream. Close your eyes and try it: Dream you write a book. Dream that they will buy it. &#8211; Frei nach »Sweet Charity« – Baby, Dream Your Dream Seit über einem Jahr sitze ich jetzt allein in meiner Winzwohnung im Homeoffice. Da kommt frau auf einige Gedanken, gute und schlechte. Ein guter [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Baby, dream your dream. <br>Close your eyes and try it: <br>Dream you write a book. <br>Dream that they will buy it. </p><cite>&#8211; Frei nach »Sweet Charity« – Baby, Dream Your Dream </cite></blockquote>



<p>Seit über einem Jahr sitze ich jetzt allein in meiner Winzwohnung im Homeoffice. Da kommt frau auf einige Gedanken, gute und schlechte. Ein guter Gedanke: Nicht länger rumsitzen, sondern endlich etwas tun, um die eigenen Träume zu verwirklichen!</p>



<p>Ich habe schon seit meiner Kindheit den großen Wunsch, viele Menschen mit meinen Büchern zu erreichen und zu begeistern, meinen eigenen Weg zu gehen. Als Autorin habe ich seitdem einige Erfolge gehabt, aber auch viele Rückschläge eingesteckt, die ich endlich hinter mir lassen will. Ein möglicher Weg, meinen Traum zu verwirklichen, schien mir Selfpublishing zu sein.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Meine Arbeitsweise</h2>



<p>Ich schreibe jeden Tag, meistens ein festgelegtes Pensum von 500 Wörtern, oft wird es etwas mehr. Damit schaffe ich recht zuverlässig ein Buch im Jahr. Das überarbeite ich dann meist noch mehrere Monate lang, denn ich bin eine chaotische Schreiberin und meine Rohfassungen sind oft wirr. Das Überarbeiten benötigt daher viel Aufmerksamkeit und Mühe. Mit dem Buch, das am Ende herauskommt, bin ich dann nach vielen Selbstzweifel-Phasen meist einigermaßen zufrieden.</p>



<p>Seien wir ehrlich: Noch vor ca. 10 Jahren, vielleicht auch weniger, hätte es als Leistung gegolten, ein Buch im Jahr zu schreiben. Diese Zeiten sind vorbei. Im Selfpublishing ist es nicht unüblich, ein Buch pro Monat zu schreiben, es innerhalb eines Tages zu überarbeiten und dann zu veröffentlichen. Selfpublisher*innen haben oft einen derart hohen Wortoutput, dass ich mich angefangen habe zu fragen, warum die Wortanzahl des NaNoWriMo (50.000 Wörter in einem Monat) eigentlich als hoch gilt – offenbar ist sie mittlerweile eher niedrig. Diese Zahlen kann ich nur staunend bewundern. Entsprechend sieht der Markt aus: Die Leser*innen erwarten schnellen Nachschub an Lesestoff. Ratgeber schreiben, das absolute Minimum im Selfpublishing wären zwei und ein guter Schnitt acht Bücher pro Jahr. Ich habe keine Ahnung, wie ich auch nur annähernd zwei schaffen soll. Selbst wenn ich nicht Vollzeit arbeiten würde, wären zwei Bücher mit meiner Arbeitsweise schon schwierig.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="681" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/05/address-book-2246432_1280-1024x681.jpg" alt="" class="wp-image-2886" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/05/address-book-2246432_1280-1024x681.jpg 1024w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/05/address-book-2246432_1280-300x199.jpg 300w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/05/address-book-2246432_1280-768x511.jpg 768w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/05/address-book-2246432_1280-650x432.jpg 650w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/05/address-book-2246432_1280.jpg 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Ich liebe das Schreiben – aber warum macht es immer sooo viel Arbeit?! (Symbolbild)</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Die Konsequenz</h2>



<p>Es erschien mir sinnvoll, die eigene Arbeitsweise zu hinterfragen und zu ändern.<br>Also habe ich genau darauf geachtet, wie ich schreibe, und überall nach möglichen Fehlerquellen gesucht. Nach Dingen, die mich aufhalten und meinen Output verringern. Ich habe überlegt, wie ich meine Arbeitsweise ändern kann, mir Videos dazu angesehen, wie ich mein Wort-Output vergrößern kann, und tatsächlich: Es funktionierte. Jeden Tag habe ich meinen Wordcount festgehalten, und jeden Tag sollte es etwas mehr werden als am Tag davor. So viel ich aber auch schrieb, genug war es trotzdem nie. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass die Qualität doch ziemlich zu wünschen übrig ließ. Als würde meine Geschichte mit der Geschwindigkeit, in der ich sie schrieb, nicht mehr mithalten können.<br>Ich wurde gestresst, hatte keinen Spaß mehr am Schreiben, fing sogar an, die Geschichte, an der ich arbeitete, nicht mehr zu mögen. Der Gedanke, nach ihrer Fertigstellung sofort mit der nächsten anfangen zu müssen, dann mit der übernächsten, belastete mich. Auch hatte ich das Gefühl, gleich alles möglichst perfekt schreiben zu müssen, weil ich mir keine Zeit zum Überarbeiten nehmen durfte – das würde ja meinen Output bremsen.</p>



<p>Nach einer Weile war ich mit den Nerven fertig und hatte den Eindruck, meine aktuelle Geschichte komplett ruiniert zu haben. Meine Laune war mies genug, um meine besten Freunde zu verscheuchen. Mir wurde klar, dass es so nicht weitergehen konnte.<br>Mein erster Schritt war eine Woche Schreibpause. Als Nächstes habe ich sämtliche Tracker aus meinem Leben verbannt. Zuerst meine Wordcount-Tracker (ich halte noch immer meine Wortzahlen fest, aber jetzt sind auch niedrige in Ordnung), aber auch alle anderen, die der Selbstoptimierung dienten. Was für eine Entlastung!</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="497" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/05/ACS_0429-1024x497.jpg" alt="" class="wp-image-2888" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/05/ACS_0429-1024x497.jpg 1024w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/05/ACS_0429-300x146.jpg 300w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/05/ACS_0429-768x373.jpg 768w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/05/ACS_0429-650x315.jpg 650w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/05/ACS_0429.jpg 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Lesen soll Spaß machen und entspannen – warum sich beim Schreiben so unter Druck setzen? (Symbolbild)</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Die Bestandsaufnahme</h2>



<p>Offenbar bauche ich Zeit, um den Geschichten, die ich erzählen möchte, gerecht zu werden. Immerhin bearbeite ich Themen, die einige Recherche benötigen, stoße Charakterentwicklungen an, die Zeit brauchen, will meine Worte manchmal mit Sorgfalt wählen, wenn es um schwierige und belastende Situationen geht, und habe oft Handlungen mit vielen Strängen. Da ist die Frage, ob ich auch genug geschrieben habe, meistens fehl am Platz. Nicht die Menge an Text zählt, sondern ob es Text ist, mit dem ich zufrieden bin. Natürlich ist es auch möglich, eine komplexe Geschichte in kürzester Zeit zu schreiben. Das bewundere ich sehr. Nur ich kann es offenbar nicht.</p>



<p>Auch meine Arbeitsweise braucht Zeit. Ich gehöre zu den sogenannten strukturschaffenden Schreibtypen, deren Geschichten organisch wachsen. Zwar glaube ich, dass die stärker planenden Schreibtypen insgesamt einen großen Vorteil haben. Aber das heißt nicht, dass meine Methode nicht funktioniert. Damit sie es aber tut, muss ich ihr die nötige Zeit einräumen.</p>



<p>Ich arbeite Vollzeit und mag meinen Job. Aber leider habe ich dadurch auch nicht sehr viel Zeit zum Schreiben. Generell ist vorgesehen, nicht mehr als 8 Stunden am Tag zu arbeiten, und das kann manchmal schon ziemlich werden. Auch Schreiben ist Arbeit. Wer acht Stunden täglich Zeit zur Verfügung hat, um zu schreiben, schafft natürlich mehr Wörter als ich, die in dieser Zeit etwas anderes tut. Deshalb brauche ich mir keine Vorwürfe zu machen, auch wenn ich mir natürlich oft mehr Zeit zum Schreiben wünsche.</p>



<p>Ich kann nicht nur schreiben, sondern auch zeichnen. Wenn ich möchte, dass meine Geschichten in Erinnerung bleiben, will ich dafür in Zukunft verstärkt auch meine Zeichen-Fähigkeiten einsetzen. So habe ich z. B. ein Konzept für Illustrationen für meinen Dark-Fantasy-Roman »Dornenritter« entwickelt, der noch dieses Jahr erscheint (allerdings in einem Verlag, was mich sehr freut). Und inzwischen sind auch schon alle 30 Illustrationen fertig geworden. 🙂</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Fazit</h2>



<p>So werde ich also weiterschreiben, wie ich schreibe, und mir soviel Zeit für meine Geschichten nehmen, wie sie nun einmal brauchen. Seitdem schreibe ich wieder gerne.</p>



<p>Versteht mich nicht falsch: Mein Traum hat sich nicht geändert. Ich möchte noch immer möglichst viele Menschen mit meinen Geschichten erreichen und begeistern, meinen eigenen Weg gehen und Rückschläge hinter mir lassen. Nur kann ich es wohl leider nicht auf dem Weg schaffen, der fürs Selfpublishing optimal ist. Es wird so sicher noch viel schwieriger für mich, mich als Autorin zu etablieren, als es ohnehin schon ist. Aber es ist mein Weg. Wie Naruto sagen würde: Mein Weg des Ninja!</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Life will be frozen peaches and cream.<br>Baby, dream your dream!</p><cite>Sweet Charity</cite></blockquote>



<p>Wie schnell lest oder schreibt ihr und was sind eure Voraussetzungen? Schreibt es mir in die Kommentare!</p>



<p>Eure Kaja</p>



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		<title>Wie dein Text knackig wird &#8211; Tipps zum Kürzen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kaja]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Feb 2021 06:47:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kürzen]]></category>
		<category><![CDATA[Nebelritter]]></category>
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					<description><![CDATA[Erschrocken starrte ich auf die Gesamtwortzahl meines Manuskripts. 155.000 Wörter. Ernsthaft? So lang? Ich wusste ja, dass mein Dark-Fantasy-Roman »Nebelritter« ein dicker Schinken werden würde. Aber das hier bedeutete definitiv: Ich würde wohl kürzen müssen. Warum überhaupt kürzen? Es ist aber doch deine Geschichte, mögt ihr sagen. Kann sie nicht so lang sein, wie du [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Erschrocken starrte ich auf die Gesamtwortzahl meines Manuskripts. 155.000 Wörter. Ernsthaft? So lang? Ich wusste ja, dass mein Dark-Fantasy-Roman »Nebelritter« ein dicker Schinken werden würde. Aber das hier bedeutete definitiv: Ich würde wohl kürzen müssen.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum überhaupt kürzen?</h2>



<p>Es ist aber doch deine Geschichte, mögt ihr sagen. Kann sie nicht so lang sein, wie du möchtest? Ja, natürlich. Und: nein, eher nicht.<br>Würde ich meine Geschichten nicht schreiben, damit sie von anderen Menschen gelesen werden, wäre die Länge wirklich egal. Aber wenn man veröffentlichen möchte, sprechen bei sehr langen Geschichten in meinen Augen mehrere Dinge fürs Kürzen:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Der finanzielle Aspekt. Dicke Bücher haben mehr Seiten und kosten daher mehr, sowohl beim Druck als auch beim Verkauf. Leser*innen trennen sich aber verständlicherweise ungern von ihrem Geld, vor allem, wenn sie für den Preis vielleicht zwei andere Bücher bekommen. Ebooks können zwar beliebig wenig kosten, aber auch hier wird für umfangreichere Ebooks (zurecht) meist auch mehr Geld verlangt. </li><li>Die Zeit der Leser*innen: Viele Menschen lesen lieber kurze Bücher, weil sie wenig Zeit haben oder in der Zeit, die sie haben, einfach mehr Bücher lesen können. Woher sollen die Leser*innen wissen, dass mein Buch es wert ist, viel Zeit zu investieren? Sie möchten vielleicht erst einmal kürzeren Texten eine Chance geben.</li><li>Natürlich haben auch lange Geschichten ihre Berechtigung. Ich persönlich liebe sie besonders. Aber es gibt so viele Bücher. Warum sollten sich Menschen ausgerechnet dafür entscheiden, meins zu lesen? Die Antwort muss wohl sein: Weil es sich lohnt. Aber es lohnt sich nicht, wenn die Geschichte langatmig und voll von überflüssigem Geschwurbel ist.</li></ul>



<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="607" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/crumpled-paper-1852978_1280-1024x607.jpg" alt="Zerknülltes Papier und Stift (Symbolbild)" class="wp-image-2705" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/crumpled-paper-1852978_1280-1024x607.jpg 1024w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/crumpled-paper-1852978_1280-300x178.jpg 300w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/crumpled-paper-1852978_1280-768x455.jpg 768w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/crumpled-paper-1852978_1280-650x385.jpg 650w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/crumpled-paper-1852978_1280.jpg 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Überflüssig? Weg mit dem Zeug!</figcaption></figure></div>



<h2 class="wp-block-heading">Vor dem Kürzen</h2>



<p>Ich bin der Ansicht, eine gute Geschichte lässt sich immer auch in akzeptablem Umfang erzählen (bei mehrbändigen Geschichten gilt das pro Band). Wieso also habe ich etwas so Langes geschrieben? Andere Autor*innen schreiben ihre Rohfassung so knapp, dass sie später noch Inhalte ergänzen müssen und ihrer Geschichte quasi Fleisch auf die Knochen bringen. Was mache ich also anders?<br>Erstmal liebe ich lange, epische Geschichten und will sie daher auch selbst schreiben. Das ist okay. Ein anderer Punkt ist, dass ich eine sogenannte »Plantserin« bin: Ich plane meinen Plot, aber nicht bis ins letzte Detail, und ein Teil der Geschichte entwickelt sich immer beim Schreiben. Daher gibt es meistens einige überflüssige Aspekte und tote Enden im Text. Auch habe ich meist alles aufgeschrieben, was ich gerade interessant fand, ohne zu prüfen, ob es wirklich zentral für die Geschichte ist ist. Vor dem Kürzen halte ich mir daher den grundlegenden Plot noch einmal vor Augen. Er ist sozusagen mein Leuchtturm bei der Überarbeitung.<br>Außerdem schreibe ich viele Anmerkungen in den Text, die beim Überarbeiten herausfallen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Inhaltlich kürzen</h2>



<p>Wie gesagt ist der grundlegende Plot für mich die wichtigste Stütze beim Kürzen. Ich nehme mir jede Szene vor und prüfe sie vor allem auf zwei Elemente: 1. Die Funktion der Szene für den Gesamtplot, 2. den zentralen Konflikt der Szene (ja, ich gehöre zu den Autor*innen, die Szenen auf der Grundlage von Konflikten schreiben).<br>Beim Kürzen nehme ich dann alles heraus, was nicht zum Plot oder zum Konflikt der Szene beiträgt:</p>



<ul class="wp-block-list"><li><strong>Nebenhandlungen</strong> und <strong>Nebenaspekte</strong>, die sich im Nachhinein als verzichtbar herausstellen (Kann ich die Krankheit meines Protas streichen, ohne dass der Plot leidet? Ja! Ist die verflossene Liebschaft des Anführers der Ritter des Lichts wirklich so wichtig für seine Charakterisierung? Nö, sein Charakter wird durch andere Elemente klar genug. Soll ich beibehalten, dass zu Anfang die Fiedel meines Protas in den Fluss fällt? Ja, weil die Fiedel später noch als Symbol wichtig wird. usw.)</li><li><strong>Inhaltswiederholungen</strong>. Die sind leider oft schwer zu finden. Ich versuche möglichst bei jedem Satz zu prüfen: Bringt der etwas Neues oder war genau das schon mal dran? Natürlich sind manchmal inhaltliche Wiederholungen auch wichtig, damit die Leser*innen nicht vergessen, was noch mal Sache war.</li><li><strong>Beschreibungen</strong>, wenn sie länger als wenige Sätze sind. Natürlich sind sie bedeutsam für die Atmosphäre einer Geschichte. Beim Kürzen versuche ich, 2 &#8211; 3 besonders wichtige Elemente aus der Gesamtbeschreibung herauszuziehen und aus ihnen eine neue Beschreibung zu machen – meist wesentlich kürzer als die alte und trotzdem so, dass nichts Bedeutendes verloren geht.</li></ul>



<p>Neben diesem Ansatz verfolge ich noch einen zweiten: Kein Satz, möglichst kein Wort im Text soll überflüssig sein. Natürlich bin ich weit davon entfernt, das jemals zu erreichen! Aber was ist dann eigentlich nicht überflüssig? Kann man nicht einfach gleich auf den ganzen Roman verzichten? 😉<br>Überflüssig ist für mich Text dann nicht, wenn er a) für den Plot und/oder b) für die Charakterisierung von Figuren und/oder c) für die Atmosphäre der Geschichte wichtig ist. Dabei halte ich den Plot für wichtiger als die Charakterisierung und die für wichtiger als die Atmosphäre. Ich sehe mir also an, ob das Textstück, das ich streichen möchte, für einen der drei Aspekte relevant ist. Wenn ja, darf es bleiben.<br>Inhaltliche Kürzungen fallen bei mir oft umfangreich aus. Ganze Szenen und Kapitel sind schon rausgeflogen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kill your darlings?</h2>



<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="682" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/angel-1026438_1280-1024x682.jpg" alt="gebrochener Engelsflügel und Grabstein (Symbolbild)" class="wp-image-2701" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/angel-1026438_1280-1024x682.jpg 1024w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/angel-1026438_1280-300x200.jpg 300w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/angel-1026438_1280-768x512.jpg 768w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/angel-1026438_1280-650x433.jpg 650w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/angel-1026438_1280.jpg 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Sollen deine Lieblinge wirklich sterben?!</figcaption></figure></div>



<p>Wer schon einmal auf diesen verbreiteten Schreibtipp gestoßen ist, hat sich vielleicht gefragt: Was soll das denn? Warum soll ich ausgerechnet das in meinem Text streichen, was mir am besten gefällt? Das ist natürlich nicht gemeint, sondern: Es gibt häufig Szenen, Ideen, Figuren, Formulierungen, die einem selbst vielleicht gefallen, aber für den Plot oder andere Aspekte des Romans irrelevant sind. Manchmal stammen sie noch aus dem Anfang des Schreibprozesses, aber der Roman hat sich inzwischen in eine andere Richtung entwickelt. Sie zu streichen, kann den Text straffen und ist daher empfehlenswert. Und nichts ist jemals umsonst geschrieben: Ich bewahre solche gestrichenen »Perlen« in einer Extra-Datei auf, die ich »Ausschuss« nenne. Vielleicht kann ich sie später in einem anderen Kontext oder in einer anderen Geschichte noch einmal verwenden.<br>Epische Erzählweise hat ihre Berechtigung, und meine Romane z. B. bleiben episch, selbst wenn meine Lieblinge manchmal sterben müssen. 😉 Was gestrichen werden kann, ohne dass jemand es vermisst, ist wohl wirklich überflüssig.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Stilistisch kürzen</h2>



<p>Hier empfehle ich das folgende Buch: Stein, Sol: Über das Schreiben, Berlin (2)2015. Es enthält ein wunderbares Kapitel über stilistisches Kürzen, das hilft, jedes überflüssige Wort aufzuspüren.<br>Als da z. B. wären:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Nichtssagende, ausgelutschte Adjektive, Adverbien und sonstige Formulierungen. Adjektive sind nicht generell überflüssig, wie ein Schreib-Trend vor einigen Jahren verkündete, aber manche haben so gut wie keine inhaltlichen Mehrwert.<ul><li><em>Sie betrat die große Säulenhalle. </em>(Säulenhallen sind selten klein, und gibt es vielleicht ein Adjektiv, das den Ort besser beschreibt?)</li><li><em>Mit seinem Finger blätterte er eine Seite des Buches um. </em>(Wie denn sonst, mit der Nase? Außerdem befinden sich Seiten meistens in Büchern; wenn man weiß, dass er ein Buch hat, kann man auch das weglassen.)</li><li><em>Das Ungeheuer bleckte die rasiermesserscharfen Zähne.</em> (Schon mal eine Rasur mit diesen Zähnen versucht? Außerdem ist diese Formulierung sehr ausgelutscht. Weg damit.)</li><li>usw.</li></ul></li><li>Füllwörter. Das Schreibprogramm Papyrus Autor hat eine Stilkorrektur-Funktion, die Füllwörter aufspürt. Sehr praktisch! Sie zeigt aber auch, dass längst nicht jedes Füllwort überflüssig ist.Trotzdem bin ich immer wieder erstaunt, wieviel »Wortmüll« auch nach dem Aufräumen oft noch in meinem Text ist.</li></ul>



<h2 class="wp-block-heading">Kürzere Texte = weniger komplexe Texte?</h2>



<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/ACS_0370-1024x768.jpg" alt="&quot;Blutende&quot; Geschichte (Symbolbild)" class="wp-image-2682" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/ACS_0370-1024x768.jpg 1024w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/ACS_0370-300x225.jpg 300w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/ACS_0370-768x576.jpg 768w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/ACS_0370-1536x1152.jpg 1536w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/ACS_0370-2048x1536.jpg 2048w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/ACS_0370-650x488.jpg 650w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/ACS_0370-261x196.jpg 261w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/ACS_0370-540x406.jpg 540w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/ACS_0370-1320x990.jpg 1320w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>»Blutet« eine Geschichte beim Kürzen?</figcaption></figure></div>



<p>Vielleicht fragt ihr: Aber wenn du deinen Text kürzt, gehen dann nicht die ganzen schönen Details verloren? Wird der Text nicht platt und eindimensional? Ist der Text nicht vielfältiger, wenn er länger ist, und dadurch auch anspruchsvoller und besser? »Blutet« er nicht?<br>Nein.<br>Bücher bilden nicht die Realität ab (und die ist wahrhaftig unüberschaubar komplex), sie reduzieren. Das ist auch gut und richtig so. Komplexität und Anspruch liegen im Inhalt, nicht in der Länge eines Romans. Zu kürzen bedeutet nicht, die Komplexität und den Anspruch zu reduzieren, sondern im Gegenteil, die Aspekte, die den Roman komplex und anspruchsvoll machen, deutlicher herauszuarbeiten, damit sie nicht im Gelaber ringsum untergehen. Wenn der Plot komplex ist, bleibt der Roman es auch nach dem Kürzen. Außerdem sind komplexere und anspruchsvollere Texte oft auch beim Lesen schwerer zugänglich. Deshalb halte ich es für besonders wichtig, dass sie die Leser*innen nicht verwirren, indem sie jede Menge überflüssige Elemente enthalten. Ich möchte, dass meine Romane angenehm zu lesen sind, selbst wenn es darin vielleicht inhaltlich manchmal ans Eingemachte geht. Ist der Text gekürzt, ist er straffer, knackiger, aber auch: besser strukturiert, übersichtlicher, mit dynamischeren Szenen und Konflikten, die stärker auf den Punkt gebracht sind. Es ist ein Text, der beim Lesen mehr Spaß macht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Textbeispiel</h2>



<p>[su_expand more_text=&#8220;- Mehr anzeigen -&#8220; less_text=&#8220;- Weniger anzeigen -&#8220; height=&#8220;0&#8243; hide_less=&#8220;no&#8220; text_color=&#8220;#default&#8220; link_color=&#8220;#default&#8220; link_style=&#8220;default&#8220; link_align=&#8220;left&#8220; more_icon=&#8220;&#8220; less_icon=&#8220;&#8220; class=&#8220;&#8220;]</p>



<p>Der folgende Text stammt aus meinem Dark-Fantasy-Roman »Nebelritter«. Die Passage ist sicher generell nicht meine beste, denn sie dient vor allem der Überleitung zwischen zwei Szenen und der Übermittlung von Informationen (das muss auch mal sein). Man sieht hier aber ganz gut, wo und wie ich gekürzt habe:</p>



<p>Alter Text:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Selbst der Sommerhimmel über der Heiligen Stadt war trüb. Ein ferner, klebriger Nebel hing über dem Großen Dom, trotzdem brütete die Luft Schwüle. Tibault schwitzte unter seiner Rüstung, während er Vater Benoît durch die mit Girlanden und Fähnchen geschmückten Straßen folgte. (Anmerkung: Hier ist Gelegenheit, die neue Rüstung der Schattenlöwen ggf. genauer zu beschreiben.)<br>Es war lange her, dass Benoît ihn aus der Grube aufgelesen hatte. Seitdem hatte er sich jeden Tag unter den wachsamen Augen des Priesters im Kampf geübt; zuerst mit Holzstöcken, dann mit scharfen Klingen. Unzählige Male war er vor Erschöpfung zusammengebrochen oder hatte sich übergeben, bis sein Körper schließlich selbst zur Klinge wurde. Unnachgiebig, erbarmungslos.<br>Inzwischen verstand er sich darauf, zwei der leicht gebogenen Schwerter zugleich zu führen, mit denen die Schattenlöwen ausgestattet waren. Er war ein vollwertiges Mitglied des Ordens, kein wehrloses Kind mehr. Dennoch erfüllte ihn der Anblick des Doms mit hilfloser Ehrfurcht wie beim ersten Mal, als er die Brücke überquert hatte. Er war froh, dass sich wie damals Vater Benoît an seiner Seite befand.<br>Heute war der Tag der Wunder, eins der höchsten Feste der Kirche in der Heiligen Stadt. Der Dombezirk wurde für alle geöffnet. An diesem Tag trat der Erzbischof persönlich vor das Volk und wirkte seinen Segen. Tibault hatte gehört, er könne Wunden und Krankheiten heilen, ja sogar Tote wieder zum Leben erwecken. Gesehen hatte er es noch nicht. Als Fetzenseele blieb ihm der Zugang zum Großen Dom gewöhnlich verwehrt, zumindest solange dort Gottesdienste und andere Feierlichkeiten stattfanden. Nur nachts durfte er dort hin und wieder die Beichte ablegen. Doch nicht der Gedanke an ein bevorstehendes Wunder ließ Tibaults Herz schmerzhaft heftig klopfen. Heute war der Tag, an dem er sich beweisen durfte – beweisen musste. Der einzige Tag, der ihm blieb, um Vater Benoît – um der Welt zu zeigen, dass er, die Fetzenseele, das Recht hatte, unter all den anderen vollständigen Seelen überhaupt zu existieren.</p><cite><em>Nebelritter, Rohfassung</em></cite></blockquote>



<p>Was für ein Geschwafel!<br>Die Leser*<em>i</em>nnen sollen in dieser Szene vor allem folgende Informationen erhalten: a) Seitdem sie meinem Protagonisten Tibault zum letzten Mal begegnet sind, ist einige Zeit vergangen: Inzwischen ist er ein Ritter geworden. b) Heute ist ein Feiertag, an dem der Erzbischof Kranke heilt. c) Außerdem ist der Tag für Tibault wichtig, weil er sich beweisen muss. </p>



<p>Beim Kürzen habe ich alle irrelevanten Aspekte einfach herausgenommen, vor allem aber die Rückblende, die ohnehin nur Behauptungen aufstellt, anstatt wirklich etwas zu »zeigen«. Dass Tibault Rüstung und Schwerter trägt, sagt genug über seinen Status aus. Die Leser*innen werden ihn später noch beim Kämpfen erleben. Unwichtig ist auch, wer den Dom betreten darf oder wann Tibault schon dort war.</p>



<p>Neuer Text:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Der Sommerhimmel der Heiligen Stadt war trüb. Ein ferner, klebriger Nebel hing über dem Großen Dom, die Luft brütete Schwüle. Tibault schwitzte unter seiner Rüstung und dem dunkelgrauen Umhang mit Kapuze, während er Vater Benoît durch die mit Girlanden und Fähnchen geschmückten Straßen folgte. Die Menschen, an denen er sich vorbeidrängte, blickten mit Misstrauen und Angst auf die beiden Schwerter, die er am Gürtel trug.<br>Heute war der Tag der Wunder, das höchste Fest in der Heiligen Stadt. An diesem Tag trat der Erzbischof persönlich vor das Volk. Tibault hatte gehört, er könne Verletzungen und Krankheiten heilen, ja sogar Tote wieder zum Leben erwecken. Doch nicht der Gedanke an ein bevorstehendes Wunder ließ sein Herz schneller klopfen. Heute musste er sich als Krieger der Schattenlöwen vor dem Erzbischof beweisen. Er musste Vater Benoît und der Welt zeigen, dass er, die Fetzenseele, das Recht hatte, unter all den vollständigen Seelen überhaupt zu existieren.</p><cite><em>Nebelritter, überarbeitete Rohfassung</em></cite></blockquote>



<p>[/su_expand]</p>



<p>Wie stehst du zu dem Thema? Wann ist ein Roman für dich zu lang? Wann zu kurz? Und hast du einen tollen Tipp fürs Kürzen?</p>



<p>Deine Kaja</p>



<hr class="wp-block-separator has-text-color has-background has-cyan-bluish-gray-background-color has-cyan-bluish-gray-color is-style-dots"/>



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		<title>2020 – Neue Träume, alte Ziele</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kaja]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Dec 2020 06:25:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
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					<description><![CDATA[Was für ein Jahr! Kaum jemand wird wohl nicht erleichtert sein, dass es zu Ende ist, und hoffen, dass 2021 besser läuft. Ich hoffe, ihr seid alle einigermaßen erträglich durch dieses Jahr gekommen. Ich bin durch 2020 geschwommen wie ein Korken auf einer Pfütze und weiß, dass ich damit großes Glück hatte. Was mich getragen [&#8230;]]]></description>
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<p>Was für ein Jahr! Kaum jemand wird wohl nicht erleichtert sein, dass es zu Ende ist, und hoffen, dass 2021 besser läuft. Ich hoffe, ihr seid alle einigermaßen erträglich durch dieses Jahr gekommen.</p>



<p>Ich bin durch 2020 geschwommen wie ein Korken auf einer Pfütze und weiß, dass ich damit großes Glück hatte. Was mich getragen hat: das Schreiben, alte und neue Freundschaften und mir darüber bewusst zu werden, was ich im Leben will.</p>



<p>In diesem Jahr habe ich endlich den Mut gefunden, alte Träume aufzugeben – der wichtigste Schritt, um neue Träume aufzubauen. Schreiben war für mich immer extrem wichtig. Nicht umsonst arbeite ich seit über 20 Jahren jeden einzelnen Tag an meinen Romanen. Aber  ich möchte nicht für die Schublade schreiben, sondern meine Geschichten mit der Welt teilen. Dass das nicht immer leicht ist, habe ich in der Vergangenheit oft erfahren und war deswegen häufig frustriert. Selfpublishing konnte ich mir trotzdem nie vorstellen. Das hat sich in diesem Jahr geändert. Und obwohl ich kurz davor stand, meinen Dark-Fantasy-Roman <em>Dornenritter</em> (Arbeitstitel <em>Ritter und Henker</em>) selbst zu veröffentlichen, habe ich dann doch noch einen Verlag für ihn gefunden. Er wird voraussichtlich Ende des nächsten Jahres erscheinen. Das freut mich natürlich sehr, und ich werde euch hier über alles auf dem Laufenden halten. </p>



<p>Eins nehme ich aus 2020 mit: Es nützt nichts, darauf zu warten, dass andere einem dabei helfen, den eigenen Traum zu leben. Vielleicht wird es passieren, und dann ist es großartig. Wenn aber nicht, muss man sich eben selbst für das einsetzen, was einem wichtig ist. Daher ist mein Vorsatz für das neue Jahr und alle, die noch folgen: Ich will und werde weiter die Geschichten schreiben, die ich liebe, und sie mit den Menschen teilen, die sie auch lieben.</p>



<p>Zu diesem Zweck habe ich auch angefangen, mich mehr in den Social Media einzubringen – vor allem auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/kaja_evert_autorin/" target="_blank">Instagram</a> – und freue mich sehr über das Interessse an meinen Projekten, das ich dort erfahren habe. Es macht mir viel Spaß, aktiv zu sein und mich auszutauschen. Auch im nächsten Jahr werdet ihr dort sicher noch einiges von mir hören.</p>



<p>Besonders habe ich mich in diesem Jahr auch über den Austausch mit anderen Autor*innen gefreut, darunter Tasha Winter (<a rel="noreferrer noopener" href="https://aufanderenseiten.blog/" target="_blank">Website</a>), mit der ich an einem Gemeinschaftsprojekt schreibe. Was für ein Spaß! Ich freue mich schon sehr darauf, die Story im nächsten Jahr fortzusetzen.</p>



<p>Was meine eigenen Projekte betrifft: 2020 habe ich die Rohfassung meines düsteren Fantasyromans <em>Nebelritter</em> fertiggestellt, dem Nachfolgeroman von <em>Dornenritter</em> (die Romane lassen sich unabhängig voneinander lesen). Beide Romane erzählen eine epische Dark-Fantasy-Geschichte, enthalten aber auch Elemente einer Gay Romance. <em>Nebelritter</em> ist wieder mal ein ziemlich dicker Schinken geworden, und ich werde ihn im nächsten Jahr als Erstes überarbeiten. Was ich sonst plane: neue Romane, natürlich, und vielleicht sogar die Veröffentlichung eines eigenen Spiels. Viel kann ich noch nicht verraten, aber: Es geht ums antike Rom.</p>



<p>Durch das Home Office war ich in diesem Jahr beim Schreiben flexibler. Weil der Weg zur Arbeit wegfiel, konnte ich morgens mehr Sport machen und dabei über meine Geschichten nachdenken. Trotzdem bin ich sehr froh, wenn ich hoffentlich im nächsten Jahr wieder ins Büro fahren kann. Home Office hat seine Vorteile, aber in einer Ein-Zimmer-Wohnung ist es auf Dauer kein großer Spaß.</p>



<p>Ich wünsche euch allen einen guten Start ins nächste Jahr. Wir sehen uns 2021. </p>



<p>eure Kaja</p>



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		<title>Schreibrückblick Mai 2020</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kaja]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jun 2020 08:02:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dunkle Ritter]]></category>
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					<description><![CDATA[Mai 2020: alles andere als normal, obwohl das Unnormale allmählich schon zur neuen Normalität wird. Homeoffice lässt verblüffend wenig Zeit zum Schreiben. Wie geht es euch damit? Heute will ich jedenfalls einen Schreibrückblick auf den vergangenen Monat wagen. Ich möchte meinen Schreibprozess mit anderen Autor*innen da draußen und solchen, die es werden möchten, da draußen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Mai 2020: alles andere als normal, obwohl das Unnormale allmählich schon zur neuen Normalität wird. Homeoffice lässt verblüffend wenig Zeit zum Schreiben. Wie geht es euch damit? Heute will ich jedenfalls einen Schreibrückblick auf den vergangenen Monat wagen. Ich möchte meinen Schreibprozess mit anderen Autor*innen da draußen und solchen, die es werden möchten, da draußen teilen. Ziel ist, euch zu zeigen, dass ihr nicht die einzigen seid, die kämpfen – mit der aktuellen Situation, aber auch mit dem Schreiben selbst. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Mein aktuelles Projekt: Nebelritter</h2>



<p>Meinen ersten Dunkle-Ritter-Roman, &#8222;Ritter und Henker&#8220;, habe ich im Oktober 2019 abgeschlossen. Sein Nachfolger im Geiste war auch mein NaNo-Projekt 2019: Nebelritter. An diesem Projekt arbeite ich noch immer. Und es ist nicht leicht! Zum Inhalt:</p>



<p class="has-small-font-size"><em>Betritt niemals den Nebel allein! </em>Diese Regel lernen die Ritter der Heiligen Stadt als erste. Denn im Nebel außerhalb der Mauern, wohin die schützende Macht der Kirche nicht reicht, leben grauenvolle, unnatürliche Bestien, die nur in der Gruppe bezwungen werden können. <br>Zwei verschlägt es dennoch allein in den Nebel, den verschlossenen Tibault, der der ein düsteres Geheimnis verbirgt, und den quirligen Lucien, der seinen vermissten Freund und Waffenbruder sucht. Sie müssen zusammenhalten, um dem Nebel wieder zu entkommen. Aber können sie einander tatsächlich vertrauen? </p>



<h2 class="wp-block-heading">Verknüpfen der Plotfäden</h2>



<p>Schon die ganzen letzten Monate schreibe ich an den &#8222;Nebelrittern&#8220;. Was von Januar bis April Sache war, bleibt bei diesem Beitrag außen vor. Im Mai bin ich mittlerweile am Ende von Akt drei von fünfen angekommen.  Lucien und Tibault befinden sich in einer verwunschenen Stadt, schlagen sich mit zwei &#8222;Bossgegnern&#8220; herum, und nun ist es Zeit für sie, diese Stadt wieder zu verlassen. Das bedeutete vor allem: Ich musste die vielen losen Plotfäden, die von Akt 2 noch herumflatterten, verweben und zu einem sinnvollen Abschluss bringen. Und, ich sag&#8217;s euch, jeder einzelne Plotfaden hat mir Kopfzerbrechen bereitet – magische Glocken, eine belebte Statue, Seelen-Manipulation, ein böser Kleriker, aber auch: Was ist mit der Fiedel, auf der Lucien gespielt hat, und dem Tanzlied, das er gesungen hat? Alles, was von Bedeutung war, muss wieder aufgegriffen werden – oder gestrichen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Liebesszene unter Vorbehalt</h2>



<p>Nach den Kämpfen hatten sich meine Figuren eine Auszeit verdient, fand ich, und zwar in Form einer Liebesszene. Nur: gar nicht so einfach, wenn man so grob mit seinen Figuren umgeht wie ich. Außerdem erzählt diese Geschichte von einer schwierigen Liebe. &#8222;Krüppelseele&#8220; Tibault ist kaum in der Lage, seine eigenen Gefühle zu verstehen, geschweige denn, sie irgendwie in Handlung umzusetzen. Zum Glück hat er Lucien, der aber wiederum hat ein paar gebrochene Rippen. Liebesszenen zu schreiben, finde ich generell schwierig – und daher besonders reizvoll. Ich schreibe häufig von Hand vor, muss viele Formulierungen durchprobieren, um nicht abgedroschen zu schreiben. Zuletzt streiche ich dann doch oft das Meiste wieder. Und was von dieser Liebesszene übrig bleibt, wird die Zukunft zeigen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Mit Plotloch in den Juni</h2>



<p>Was mich im Juni erwartet, ist fast noch abenteuerlicher. Zwar weiß ich, was als Nächstes passieren wird – leider nicht genau, wie. Das ist ein Problem, das mich beim Schreiben oft verfolgt. Die Lösung heißt meistens: dranbleiben, dann zeigt sich irgendwann schon, wie sich die Handlung entwickelt. Und falls es nicht auf Anhieb gut klappt, wozu gibt es die Überarbeitung? Früher habe ich übrigens überhaupt nicht chronologisch geschrieben. Daher gab es auch keine Plotlöcher oder -Probleme. Damals habe ich einfach nur die Teile der Geschichte geschrieben, die mir einfielen, und die anderen weggelassen, bis sie mir einfielen. Auch dabei kam letzten Endes meistens etwas Sinnvolles heraus. Also werde ich nicht davor zurückschrecken, diese alte Technik wieder anzuwenden, wenn es nötig wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Absatz, auf den ich stolz bin, und warum</h2>



<p>Wie gesagt, mit Liebesszenen tue ich mich schwer. Ich finde es nicht leicht, die Balance zwischen einer Spur Romantik und Kitsch zu halten – und ich <em>hasse</em> Kitsch. In keiner Geschichte hat er etwas verloren, aber erst recht nicht in meinen ansonsten ziemlich düsteren Romanen! Mit diesem Absatz bin ich zufrieden, weil ich die Figuren endlich nach harten Kämpfen einander näher gebracht habe und mir die Formulierung sogar für meinen schwierigen Charakter Tibault passend zu sein scheint. 🙂</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>»Ich sollte längst wahnsinnig oder tot sein. Aber du warst da, und ich bin’s nicht.« Tibault kroch zu Lucien aufs Bett, zog die Beine an und lehnte für einen Moment den Kopf gegen seine Schulter. Noch immer jagte es ihm Angst ein, einer anderen Seele so nahe zu sein. Was, wenn ihn wieder diese Gier überkam? Lucien legte den Arm um ihn und zog ihn an sich. Er roch nach Blut und Schnee, aber sein Körper war tröstlich warm. Tibault schloss die Augen, spürte die Wärme, spürte sein Herz klopfen.<br>Luciens Hand zerzauste sein Haar und strich sacht seinen Hals hinab. Die Finger folgten den Narben, die die Peitsche hinterlassen hatte. Dann hielt er inne.<br>»Alles in Ordnung? Du zitterst.«</p><cite>~ Nebelritter</cite></blockquote>



<p>Wie war euer Schreibmonat Mai? </p>



<p>Ich wünsche euch einen sonnigen Juni! Lasst uns gemeinsam durchhalten.</p>



<p>Eure Kaja</p>



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		<title>Gewitter im Text: Schritte einer Überarbeitung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kaja]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 May 2019 10:19:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schreibtipps]]></category>
		<category><![CDATA[Überarbeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Autorentalk]]></category>
		<category><![CDATA[schreiben]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn ich schreibe, habe ich die Vision einer großartigen Geschichte im Kopf. Nach Abschluss des Romans bleibt oft genug bei mir der Eindruck zurück, dass ich dieser Vision nicht gerecht geworden bin. Bei den Schritten, dee nötig sind, aus dem „Kraut und Rüben“ der ersten Version den Roman zu machen, den ich erzählen will, brauche [&#8230;]]]></description>
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<p>Wenn ich schreibe, habe ich die Vision einer großartigen Geschichte im Kopf. Nach Abschluss des Romans bleibt oft genug bei mir der Eindruck zurück, dass ich dieser Vision nicht gerecht geworden bin. Bei den Schritten, dee nötig sind, aus dem „Kraut und Rüben“ der ersten Version den Roman zu machen, den ich erzählen will, brauche ich Hilfe. Oft ist noch viel zu tun. Daher sind meine Überarbeitungen oft wie ein Gewitter, das über dem Text niedergeht. Hoffentlich eines, auf das blauer Himmel folgt. Welche Schritte ich dabei gehe, möchte ich hier mit euch teilen.</p>



<p>Zu eurer Unterhaltung enthält der Beitrag einige meiner Lieblings-Stilblüten, die Überarbeitungen zum Opfer fielen. Viel Spaß!</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>»Sein Kiefer ist verletzt. Kein Wunder, dass er nicht laufen kann.«</p><cite><em>Schattenfluss</em></cite></blockquote>



<h2 class="wp-block-heading">1. Alphalesen</h2>



<p>Am besten ist es für mich, zwischen dem Abschluss der Rohfassung und der Überarbeitung einige Wochen verstreichen zu lassen – aber nicht so viel, dass ich mich schon kaum noch erinnere, was ich eigentlich schreiben wollte. Dann geht’s los.</p>



<p>Manche Autor<em>*</em>innen lassen sich bereits beim Schreiben von einer anderen Person begleiten, die Rückmeldung zu den einzelnen Kapiteln gibt. Ich ziehe es vor, diesen Schritt nach Fertigstellung des gesamten Manuskriptes zu gehen. Die Aufgabe der Alphaleser*innen ist es, eine grobe Rückmeldung zum Roman zu geben. Diese Rückmeldung zeigt, was gut bereits funktioniert und worauf beim Überarbeiten besonders geachtet werden muss. Ich empfehle, vorher gar keine Energie ins Überarbeiten zu stecken. Wieso? Ich sage es ungern, aber es ist möglich, dass der Roman, wie er ist, überhaupt nicht funktioniert. Man kann im „Schreibrausch“ Wesentliches übersehen, Probleme nicht überblickt haben, oder den Roman auf Elementen aufgebaut haben, die sich für einen selbst zwar großartig angefühlt haben – aber auch nur für einen selbst. In diesem Fall stellt sich die Frage, ob eine Überarbeitung überhaupt sinnvoll ist. Gewöhnlich würde ich in solchen Fälle nämlich das Konzept überarbeiten und neu schreiben. Oder, im allerschlimmsten Fall, das Projekt aufgeben. Und dann hätte ich nicht sinnlos Freizeit in ein ohnehin sinnloses Unterfangen gesteckt.<br> Will ich überarbeiten, was der Normalfall ist, geben mir die Rückmeldung der Alphaleser*innen meist einen Eindruck davon, wo es hakt, worauf ich achten sollte und wie lange die Überarbeitung in etwa dauern könnte (je nachdem, wie schwerwiegend und umfangreich die Kritikpunkte sind).</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Dennoch war sie eindeutig tot: keine Atmung, ein Puls. </p><cite>Keine Ahnung, ehrlich!</cite></blockquote>



<h2 class="wp-block-heading">2. Welche Geschichte will ich erzählen, und welche wollen andere lesen?</h2>



<p>Gelobt seien alle, die das schon wissen, bevor sie das erste Wort schreiben, die sich die gesamte Zeit über darauf konzentrieren und daher bei der Überarbeitung nur noch Feinschliff leisten müssen! Aber auch bei professionellen Autor*innen wird das nicht immer der Fall sein. Der ursprüngliche Plan kann vielleicht aus irgendwelchen Gründen nicht beibehalten werden, oder während des Schreibprozesses richtet sich die Aufmerksamkeit auf andere Punkte. Daher stelle ich mir diese Frage noch einmal, bevor ich mit der Überarbeitung beginne. Dazu notiere ich mir das grundlegende (gegebenenfalls neu überdachte) Konzept des Romans kurz – in einem Satz, wenn möglich –, und lege mir die Notiz an meinen Arbeitplatz oder hänge sie auf. Beim Überarbeiten wird sie mein Kompass sein. Immer, wenn ich zögere, kann ich mich fragen: Dient dieser Text/Dialog/Beschreibung/Abschnitt/… der Geschichte, die ich erzählen will? Bei mir kommt noch ein anderer Punkt hinzu. Meine eigenen Vorlieben für krasse Wendungen, düstere Stoffe u. ä. sind mit denen der Leser*innen nicht immer deckungsgleich. Leider! Denn Schreiben macht mir zwar viel Spaß, aber letzten Endes tue ich es, damit andere die Texte lesen und Freude daran haben. Mithilfe der Rückmeldungen, die ich bis hierher erhalten habe, überlege ich, welche Kompromisse ich eingehen kann und will. Ist ein versöhnliches Ende wirklich ausgeschlossen? Müssen einige Handlungen so drastisch ablaufen, oder will ich lieber die Nerven der Leser*innen schonen? Meiner Erfahrung nach werden die Elemente, die ich hier neu konzipiert habe, letzendlich besonders gern gemocht.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Der alte Priester umklammerte seine schupferne Köpfkelle wie eine Keule. </p><cite>Galotta III, <em>Der Aschengeist</em></cite></blockquote>



<h2 class="wp-block-heading">3. Grobschliff</h2>



<p>Mit der Rückmeldung der Alphaleser*innen und meinem pointierten Konzept mache ich mich an den Grobschliff. Je nachdem, wie viel zu tun ist, dauert diese Phase ziemlich lange. Ich streiche, schreibe neu, ergänze, mache auch bereits eine stilistische Überarbeitung, wenn ich kann. Auch achte ich auch darauf, ob sich die Figuren konsistent verhalten (falls nicht, haben die Alphaleser*innen in der Regel bereits darauf hingewiesen) und ob es Widersprüche innerhalb der erzählten Welt gibt. Das ganze Programm eben. Dabei kann ich alles, was ich ändere, auf Grundlage meiner Notiz prüfen, ob es seinen Zweck im Roman erfüllt. Ach ja: Was mir nicht zwingend notwendig erscheint, was ich aber besonders mag, bleibt erstmal im Text. Ist ja schließlich mein Roman, und streichen kann ich es später immer noch. 😉 <br> Ich benutze beim Schreiben übrigens einen Farbcode, der mir zeigen soll, wo ich selbst Überarbeitungsbedarf sehe. Rohfassungen sind daher bei mir oft quietschbunt. Mein Ziel ist, nach dem Grobschliff wenigstens alle gelben Markierungen (inhaltliche Fragen) getilgt zu haben; möglichst viele der anderen Farben auch.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" width="544" height="416" src="https://kaja-evert.de/wp-content/uploads/2019/05/ofen-in-der-roehre-Kopie.png" alt="" class="wp-image-2434" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2019/05/ofen-in-der-roehre-Kopie.png 544w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2019/05/ofen-in-der-roehre-Kopie-300x229.png 300w" sizes="(max-width: 544px) 100vw, 544px" /><figcaption><em>Highland Quest</em></figcaption></figure></div>



<h2 class="wp-block-heading">4. Betalesen</h2>



<p>Die Betaleser*innen nehmen quasi das Lektorat vorweg. Ihre Anmerkungen sind wesentlich detaillierter als die der Alphaleser*innen. Sie achten auf Formulierungen, Szenenaufbau, Feinheiten in der Charakterisierung, und, wenn möglich, auch auf Rechtschreibung und Zeichensetzung. Das ist eine Aufgabe für die gründlichen Naturen, die gern Kommentare am Computer in ein Dokument tippen. Hier sind mir Personen am liebsten, die noch nicht „alphagelesen“ haben, die nichts von den Problemen wissen, mit denen ich mich bislang herumgeplagt habe. Ich gehe optimistisch davon aus, dass zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch viel am Roman zu verbessern ist, aber alle grundlegenden Schwierigkeiten behoben sind. Sollte das nicht der Fall sein: Was für ein Glück, wenn es beim Betalesen auffällt (das wird es gewöhnlich).<br> Die Arbeit der Testleser*innen kann sehr zeitaufwändig sein. Es ist empfehlenswert, bei Alpha- und Betaleser*innen auf Gegenseitigkeit zu achten. Wer so viel Zeit aufwendet, um deine Geschichten besser zu machen, verdient auch dieselbe Aufmerksamkeit von dir. Wenn die Personen nicht selbst schreiben, ist ein späteres Exemplar des fertigen Buchs absolutes Minimum.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Gern hätte sie seine Familie benachrichtigt. Welche Familie? Seine Mutter war offenbar tot, und sonst hatte er nur ein Frettchen erwähnt, um dessen Schwester er sich kümmerte.</p><cite>San Turaco I, <em>Wiegenlied</em></cite></blockquote>



<h2 class="wp-block-heading">5. Feinschliff</h2>



<p>Mit den Anmerkungen der Betaleser*innen gehe ich den Text noch einmal durch. Wenn weitere inhaltliche Probleme aufgefallen sind, werden die erst einmal behoben, dann geht es an die Feinarbeit. Gewöhnlich komme ich hier schneller voran als beim „Grobschliff“. Einerseits natürlich, weil ich vieles dann schon erledigt habe, andererseits aber auch, weil mir das Formulieren persönlich leicht fällt. Meine Probleme treten eher bei den Inhalten auf.<br> Für die Feinheiten der stilistischen Überarbeitung kann ich noch immer die Tipps von Sol Stein empfehlen („Über das Schreiben“). Das Buch ist zwar schon etwas älter, aber seine Hinweise zum Streichen und zur Wortwahl finde ich heute noch brillant und habe viel darauf gelernt. Hilfreich beim Finden von Wortwiederholungen ist die Stilanalyse des Schreibprogramms Papyrus Autor.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Bei aller Wucht der Attacken  trafen die Klingen nur selten aufeinander. Wenn es geschah, klirrten und  klangen sie wie brechendes Ei.</p><cite><em>Ritter und Henker</em></cite></blockquote>



<h2 class="wp-block-heading">6. Rückmeldung vom Profi und letzter Schliff</h2>



<p>Zu diesem Zeitpunkt ist das Manuskript so gut, wie ich es mit Unterstützung der Alpha- und Betaleser*innen hinbekommen habe. Perfekt ist es wahrscheinlich noch nicht. Vielleicht muss es das auch nicht sein; eventuell reicht „gut genug“ aus. Um ihm den letzten Schliff zu verleihen, ist aber professionelle Rückmeldung nützlich oder häufig sogar vorgesehen – nämlich gewöhnlich dann, wenn eine Verlagsveröffentlichung ansteht. Der Text geht durch ein Lektorat und kommt mit weiteren Verbesserungsvorschlägen vom Profi zurück. Jetzt stehen die letzten größeren Änderungen vor der Veröffentlichung an. Meine persönlichen Erfahrungen mit Lektoraten sind sehr positiv. Die Verlagslektorinnen, mit denen ich gearbeitet habe, haben alles getan, um das Beste aus meinen Texten herauszuholen. Das war eine großartige Erfahrung, bei der ich viel gelernt habe. Je nachdem, wie eng die Zusammenarbeit mit dem Lektorat ist, können hier sicher einige der anderen Phasen ersetzt und hierdurch viel Zeit gespart werden. Wenn ich mich für Selfpublishing entscheide, kann ich ein gekauftes Lektorat in Anspruch nehmen. Hier fehlen mir bislang die Erfahrungen, aber ich wäre sehr neugierig. Ob eine Person, die nicht vom Verlag, sondern von mir bezahlt wird, so kritisch mit meinem Text umgeht, wie ich es mir wünsche, damit das Geschriebene letzten Endes meiner ursprünglichen Version von einem großartigen Roman entspricht? Oder kann ich mithilfe der Testleser*innen den Text bereits auf so hohes Niveau bringen, dass ein Lektorat nicht nötig ist? Noch bin ich unsicher. Die Antwort auf diese Frage wird mir wohl die Zukunft zeigen.</p>



<p>Nicht alle Autor*innen überarbeiten so viel und so umfangreich wie ich, das weiß ich. Vermutlich ist mein Vorgehen auch einem gewissen Perfektionismus geschuldet, hohen Ansprüchen an mich selbst – und der Tatsache, dass ich für meine Geschichten immer nur das Beste will. 😉</p>



<p>Soweit meine Zusammenfassung der Schritte, die ich beim Überarbeiten gehe. Hoffentlich waren sie hilfreich für euch. Wünscht ihr euch noch genauere Informationen über Einzelheiten? Wie überarbeitet ihr eure Texte? Gibt es Ähnlichkeiten oder Unterschiede? Für wie wichtig haltet ihr die einzelnen Phasen? Und an die Leser*innen: Glaubt ihr, man merkt einem Text an, wie stark er überarbeitet wurde?</p>



<p>Das Gewitter lässt nach; ich erkenne schon einen Regenbogen. Liebe Grüße und frohes Überarbeiten! </p>



<p> Eure Kaja</p>



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		<title>Pensumsschreiben: verschieden hohe Pensen</title>
		<link>https://www.kaja-evert.de/2019/02/24/pensumsschreiben-verschieden-hohe-pensen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Kaja]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Feb 2019 06:16:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Pensum]]></category>
		<category><![CDATA[Schreibtipps]]></category>
		<category><![CDATA[Autorenleben]]></category>
		<category><![CDATA[schreiben]]></category>
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					<description><![CDATA[Mein letzter Blogbeitrag beschäftigte sich mit dem Pensumsschreiben. Dies ist eine Ergänzung, in der es um die Vor- und Nachteile verschieden hoher Pensen geht. Wer ein zu hohes Pensum fährt und nur begrenzte Zeit zur Verfügung hat (z. B. wegen Beruf, Familie u. ä.), wird eventuell feststellen, dass die Handlung auf der Strecke bleibt, weil [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Mein letzter Blogbeitrag beschäftigte sich mit dem <a href="https://kaja-evert.de/2019/02/10/pensumsschreiben-anleitung-und-tipps/">Pensumsschreiben</a>. Dies ist eine Ergänzung, in der es um die Vor- und Nachteile verschieden hoher Pensen geht.</p>



<p>Wer ein zu hohes Pensum fährt und nur begrenzte Zeit zur Verfügung hat (z. B. wegen Beruf, Familie u. ä.), wird eventuell feststellen, dass die Handlung auf der Strecke bleibt, weil Zeit zum Plotten fehlt. Wer ein zu niedriges Pensum schreibt, kommt gar nicht erst richtig in die Geschichte rein. Welches Pensum ist das geeignete für dich? Ich schreibe im Folgenden aus meiner persönlichen Erfahrung. Sie muss nicht für dich zutreffen. Ich bin eine eher langsame Schreiberin, die ihre Geschichten vorher zwar plottet, aber nicht in allen Einzelheiten, und daher häufiger mal in ein kleines oder größeres Plotloch fällt.</p>



<p>Für die <strong>Berechnung </strong>unter jedem Pensum gehe ich davon aus, dass ein Kapitel ca. 3000 Wörter umfasst und ein ganzer Roman ca. 100.000 Wörter. Meine Kapitel und Romane <em>sind </em>so lang; wenn es bei dir anders ist, musst du entsprechend umrechnen. 😉 Ich gehe davon aus, dass 6 Tage die Woche mit diesem Pensum gearbeitet wird. Faktisch ist es aber so, dass man oft mehr (oder weniger) schreibt, als das Pensum erfordert. Daher ist die Berechnung nur sehr ungenau.</p>



<p>Du schreibst Romane? Dann lies weiter. Zum wissenschaftlichen Schreiben (Hausarbeiten, Bachelor-/Masterarbeiten, wissenschaftliche Aufsätze, Dissertation u. ä.) beachte bitte den Abschnitt dazu unten.</p>



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<h3 class="wp-block-heading">Niedriges Pensum: ca. 250 Wörter</h3>



<p>Das ist das Pensum für alle, die wirklich wenig Zeit haben. Personen, deren Arbeitsschichten oder Care-Tätigkeiten, wie man so sagt, 12 Stunden oder mehr dauern. Die gute Nachricht: 250 Wörter lassen sich auch bei schlimmem Zeitmangel irgendwie immer bewältigen. Ich selbst habe mit diesem sehr niedrigen Pensum einen langen Roman zu Ende geschrieben, während ich Arbeitswochen zwischen 75 und 120 Stunden bestritten habe. Ist noch gar nicht allzu lange her. Was man natürlich auch hier irgendwie schaffen muss: für eine kurze Zeit den Kopf frei zu bekommen, sich hinzusetzen und sich auf die Geschichte zu konzentrieren (ich habe es morgens vor der Arbeit gemacht). Das niedrige Pensum erlaubt gestressten Seelen Urlaub im eigenen Kopf und ist daher eine Wohltat. Nach einer Weile kommt man auch hier einigermaßen in die Geschichte rein und schreibt manchmal von selbst mehr. Allerdings besteht die Gefahr, dass man einfach irgendwas schreibt, nur um das Pensum vollzubekommen &#8211; was bei 250 Wörtern sehr leicht möglich ist. Selbst wenn nicht: Natürlich macht der Roman so nur langsam Fortschritte, und professionelle Textarbeit (Überarbeitung usw.) braucht auch seine Zeit; die ist freilich nicht mit inbebgriffen. Aber wer so schwer beschäftigt ist, dass nur ein niedriges Pensum infrage kommt, ist wohl kein*e hauptberufliche*r Autor*in. Insofern &#8230; Schluss mit den Ausreden. Schreibt, Leute.</p>



<p><strong>Berechnung: </strong>In 2 Wochen ist ein Kapitel schaffbar. Ein Roman dauert ca. 1 1/2 Jahre.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Mittleres Pensum: ca. 500 Wörter</h3>



<p>Mit diesem Pensum arbeite ich selbst seit mehr als 10 Jahren. Es verbindet die Vorteile des niedrigen Pensums (Urlaub im Kopf, täglich schaffbar) mit denen des hohen (man steckt in der Geschichte drin, kommt ganz gut voran, der Plot bleibt nicht auf der Strecke). Es verbindet allerdings auch die Nachteile. Mit Schwafeln und wenig Plot-Fortschritt lassen sich auch 500 Wörter täglich bestreiten, und eventuell könnte man oft täglich noch mehr Zeit und Gehirnschmalz in die Geschichte stecken. Auch sprachliche Detailarbeit am Text ist neben dem eigentlichen Schreiben zeitlich noch locker drin. Daher kann ich dieses Pensum generell allen empfehlen, Berufstätigen, Eltern und Hobbyschreiber*innen (Profis werden wohl ein höheres Pensum wählen). Wer feststellt, dass das Pensum zu hoch oder zu niedrig ist, um zur eigenen Arbeitsweise zu passen, sollte sich ein anderes wählen. </p>



<p><strong>Berechnung:</strong> Ein Kapitel pro Woche bei relativ wenig Arbeitsaufwand. Deal, oder? Ein Roman dauert ca. 7 &#8211; 8 Monate. Mein Tipp fürs Seelenheil: Zerbrich dir nicht den Kopf, dass du mit diesem Pensum wohl keine zwei Romane im Jahr schaffst. Überarbeite lieber den einen ordentlich, das kostet auch Zeit. Hättest du mehr davon, würdest du ein höheres Pensum wählen, oder? 😉 </p>



<h3 class="wp-block-heading">Hohes Pensum: ca. 750 Wörter</h3>



<p>Mit diesem Pensum habe ich gearbeitet, wenn ich Abgabefristen einzuhalten hatte oder mir Feuer unterm Hintern machen wollte. Es ist noch immer relativ gut täglich schaffbar und sorgt somit dafür, dass der Plot über dem Schreiben noch genügend Aufmerksamkeit erfährt. Sprachliche Detailarbeit ist zeitlich ebenfalls noch möglich. Man macht gute Fortschritte, der Roman geht zügig voran. Meine Empfehlung für Hobbyschreiber*innen, die ihren Roman wirklich fertig stellen (und gegebenenfalls veröffentlichen) wollen. Empfehlenswert auch gegen Ende eines Projekts, um die Sache zu beschleunigen. Das hohe Pensum sorgt oft dafür, dass man in einen Schreibfluss gerät und mehr schreibt, als man ursprünglich vorhatte.</p>



<p><strong>Berechnung: </strong>In der Woche sind ca. 1 1/2 Kapitel schaffbar; beim Einstellen des Schreib-Flows auch durchaus zwei. Zwei Romane im Jahr fertig zu stellen, ist mit diesem Pensum möglich. Ob noch Zeit für die Überarbeitung bleibt? Wenn du die Kapazitäten hast, dieses Pensum über längere Zeit aufrecht zu erhalten, wäre das denkbar.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ambitioniertes Pensum: ca. 1000 Wörter</h3>



<p>Dein Roman soll fertig werden? Am besten sofort? Ok, nächsten Monat? Gut; Zeit, etwas Gummi zu geben. Her mit dem ambitionierten Pensum. Hoffentlich weißt du, was du schreiben willst, denn für lange Überlegungen lässt dieses Pensum keine Zeit. Auch während des Schreibens am Text zu feilen, kann man vergessen. Was auch ein Vorteil sein kann, denn so ist wenigstens klar, dass die Rohfassung noch kein literarisches Meisterwerk sein kann oder muss. Dafür ist ein zügiger Fotschritt garantiert, und man gerät mit ziemlicher Sicherheit in den Schreibfluss und tief in die Geschichte hinein. Dieses Pensum auf Dauer einzuhalten, kostet Zeit und Anstrengung. Und es könnte regelmäßig dazu führen, dass man im Kopf noch an der Geschichte weiterschreibt, auch wenn man gerade eigentlich etwas völlig anderes machen wollte. Ich glaube zwar, dass es möglich ist, auch ganzjährig 1000 Wörter pro Tag zu schreiben, aber für Menschen, die einem regulären 8-Stunden-Job nachgehen und vielleicht noch Familie haben, könnte es aufreibend werden. Für bestimmte Phasen beim Schreiben dennoch ein guter Tipp.</p>



<p><strong>Berechnung:</strong> Drei Romane pro Jahr könnte man mit diesem Pensum schaffen. Keine Ahnung, wann man sie noch überarbeiten möchte; parallel vielleicht? Für hauptberufliche Autor*innen mag das realistisch sein (schwer zu sagen; selbst kreative Menschen haben keinen Dauer-Output), bei anderen glaube ich persönlich, dass das ambitionierte Pensum nur phasenweise zum Einsatz kommen kann.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Irres Pensum: ca. 1500 Wörter</h3>



<p>Beim <a href="https://nanowrimo.org/">NaNoWriMo </a>schließen sich Schreiber*innen weltweit zusammen, um in einem Monat 50.000 Wörter zu schreiben. Das ergibt ein Tagespensum von ca. 1700 Wörtern (dafür werde ich jetzt keinen Extra-Absatz schreiben). Dieses Pensum ist ziemlich irre. Natürlich kann man problemlos an einem Tag mal so viel schreiben. Wer es über einen Monat versucht hat, wird feststellen, dass es wirklich anstrengend und aufreibend sein kann. Es dauerhaft zu machen, erfordert wahrhaftig viel Sitzfleisch und eine gute Konstitution. Auch psychisch; wer so viel Text in kurzer Zeit produziert, wird sich in den meisten Fällen damit auseinandersetzen müssen, dass das Produkt nicht perfekt ist. Kreative Menschen kennen den Rattenschwanz vernichtender Selbstzweifel, der an dieser Erkenntnis hängt. Und ganz abgesehen davon wird die Überarbeitung Zeit fressen, viel Zeit. Die Vorteile dieses Pensums sind allerdings auch irre: Man wird in die Geschichte eintauchen, von ihr absorbiert werden und, solange man schreibt, zwangsläufig viele Zweifel beiseite schieben lassen. Wenn man am gleichen Tag noch arbeiten und einkaufen will, hat man für sowas dann einfach keine Zeit. Ich empfehle allen, einmal beim NaNoWriMo mitzumachen und das irre Pensum und die Ausnahmesituation, mit der es das Leben überfällt, kennen zu lernen. Aber ich warne vor der Annahme, dass man dauerhaft so produktiv sein kann.  Klar, Ausnahmen bestätigen die Regel!</p>



<p><strong>Berechnung: </strong>Du willst ca. alle zwei Monate die Rohfassung eines Romans abschließen? Puh. Das wird hart. Hoffentlich bist du dann noch fit genug, um den Text zu überarbeiten. Für Schnellschreiber*innen und Langsam-Überarbeiter*innen wäre dies womöglich trotzdem eine Option, da dann die ruhige Phase eher nach dem Schreiben des Textes liegt.</p>



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<h3 class="wp-block-heading">Pensum bei wissenschaftlichen Texten</h3>



<p>Wenn ich erzählt habe, dass ich am NaNoWriMo teilnehmen möchte, kam von Freund*innen und Kolleg*innen, die gerade promovieren, oft: &#8222;Klasse, da mache ich auch mit und schreibe dann jeden Tag 1700 Wörter an meiner Diss!&#8220; &#8211; Tut mir leid, es zu sagen, aber: Nope. Das wird nicht funktionieren.</p>



<p>Warum nicht?</p>



<p>Nun, das &#8222;irre&#8220; Pensum des NaNoWriMo ist vor allem für Romane gedacht. Es soll ermöglichen, beim Schreiben weniger nachzudenken, den inneren Kritiker abzustellen, das Kopfkino zu aktivieren und in einen intensiven Schreibfluss zu geraten. Wissenschaftliches Schreiben läuft anders. Es erfordert normalerweise gründliches Nachdenken, sorgfältiges Argumentieren und höchste Aufmerksamkeit (z. B. beim Verwenden von Fußnoten u. ä.). Daher geht es oft langsamer voran als Romanschreiben, und ein echter Schreib-Flow dürfte Seltenheitswert haben. Das bedeutet natürlich nicht, dass wissenschaftliches Schreiben keinen Spaß machen kann. Man sollte sich nur bewusst machen, dass Spaß nicht der Normalfall ist. Dieses Wissen verringert den Druck.</p>



<p>Daher empfehle ich dir, bei einem wissenschaftlichen Text ein eher niedriges Pensum zu wählen. Natürlich auch hier abhängig von der Zeit, die zur Verfügung steht. Wer ein Stipendium erhält oder Semesterferien hat, schafft sicher mehr als jemand, der mit Familie und Job nebenbei promoviert. Ich selbst habe meine Diss mit einem Tagespensum von 500 Wörtern gut geschafft. Man muss ja meist noch nebenbei andere Texte lesen, exzerpieren usw.</p>



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<p>Ich hoffe, dass ich dir mit diesem Blogartikel einen Überblick über Vor- und Nachteile verschieden hoher Schreib-Pensen verschaffen und dich ermutigen konnte, dich vielleicht einmal daran auszuprobieren. Besonders wichtig finde ich nach wie vor den Tipp, das Pensum nicht zu hoch anzusetzen. Versuche lieber, mit einem niedrigen zu starten. Falls du den Eindruck hast, dauerhaft mehr schaffen zu können, taste dich langsam nach oben.</p>



<p>Wie sieht dein Schreibstil aus? Hast du bevorzugte Schreib-Pensen oder arbeitest du völlig anders? Hinterlass mir doch eine Rückmeldung.</p>



<p>Herzliche Grüße, deine Kaja</p>
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		<title>Pensumsschreiben: Anleitung und Tipps</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kaja]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 Feb 2019 08:07:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Pensum]]></category>
		<category><![CDATA[Schreibtipps]]></category>
		<category><![CDATA[Autorenleben]]></category>
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					<description><![CDATA[Dies ist ein &#8222;Reblog&#8220; des Beitrags vom letzten Jahr, überarbeitet. Kleine historische Anmerkung: „Pensum“ bezeichnet im Lateinischen die Menge Wolle, die eine römische Frau im Verlauf des Tages zu spinnen hat. In diesem Fall bezeichnet sie die Textmenge, die ein*e Autor*in am Tag schreiben möchte. Ich bin seit vielen Jahren überzeugte Pensumsschreiberin. Natürlich liegt diese [&#8230;]]]></description>
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<p><em>Dies ist ein &#8222;Reblog&#8220; des Beitrags vom letzten Jahr, überarbeitet.</em></p>



<p>Kleine historische Anmerkung: „Pensum“ bezeichnet im Lateinischen die Menge Wolle, die eine römische Frau im Verlauf des Tages zu spinnen hat. In diesem Fall bezeichnet sie die Textmenge, die ein*e Autor*in am Tag schreiben möchte.</p>



<p> Ich bin seit vielen Jahren überzeugte Pensumsschreiberin. Natürlich liegt diese Art zu arbeiten nicht jedem. In diesem Beitrag möchte ich ein wenig Werbung für das Pensumsschreiben machen und&nbsp;allen, die es ebenfalls versuchen wollen, den einen oder anderen Tipp geben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Warum Pensumsschreiben?</h3>



<p>Auch wenn es banal klingt: Romane sind lang, und es dauert eine Weile bis zur Fertigstellung. Selbst eine explosive Inspiration und einige durchgearbeitete Nächte führen gewöhnlich nicht zu einem fertigen Manuskript. Pensumsschreiben sorgt dafür, dass ein Roman langsam und stetig länger wird, ja dafür, dass er irgendwann fertig ist. Ich habe im Vergleich mit anderen Autoren, die zeitgleich mit mir an einem Roman arbeiteten, häufiger die Erfahrung gemacht, dass ich zwar anfangs viel weniger Text hatte, die anderen im Lauf der Zeit aber im Hinblick auf die Textmenge&nbsp;„einholte“ und sogar „überholte“</p>



<p>Ein weiterer, in meinen Augen fast noch wichtigerer Punkt: Wer täglich ein wenig an seinen Texten arbeitet, gibt sich selbst die belebende Dosis Kreativität, die man oft braucht, um den Tag zu überstehen. Außerdem ist Pensumsschreiben ein gutes Mittel gegen&nbsp;Stress, Zeitmangel und&nbsp;Schreibfrust. Wer keine 10 Seiten geniale Ergüsse aufs Papier flammen kann, weil ihm&nbsp;die Zeit oder das&nbsp;Selbstbewusstsein fehlen,&nbsp;ist meist doch noch in der Lage, sich irgendwie 250 Wörter aus der Nase zu ziehen. Und das ist doch immerhin etwas</p>



<p>Wer am Sinn des Pensumsschreibens zweifelt, kann einfach mal nachrechnen: Ein Kapitel hat im Schnitt vielleicht ca. 3000 Wörter. Bei meinen Kapiteln kommt das ganz gut hin. Nach einem Tag habe ich vielleicht 500 Wörter, nach zwei Tagen 1000, nach 6 Tagen ein fertiges Kapitel und nach weniger als zwei Wochen zwei in Rohfassung fertige Kapitel. Und so fort. Ein fertiger Roman besteht aus lauter Einzelkapiteln. Wie meine koreanische Kommilitonin, deren Name, wie sie sagte, „große Weisheit“ bedeutete, zu zitieren pflegte: „Aus Staub entstehen Berge“.</p>



<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="577" src="https://kaja-evert.de/wp-content/uploads/2019/02/scotland-1761292_1280-1024x577.jpg" alt="" class="wp-image-2258" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2019/02/scotland-1761292_1280-1024x577.jpg 1024w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2019/02/scotland-1761292_1280-300x169.jpg 300w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2019/02/scotland-1761292_1280-768x433.jpg 768w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2019/02/scotland-1761292_1280-650x366.jpg 650w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2019/02/scotland-1761292_1280.jpg 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Auch diese beeindruckenden Berge der schottischen Highlands bestehen aus Staub!</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading"> Wofür ist Pensumsschreiben geeignet?</h3>



<p>Generell für alle Arten von längeren Texten. Also nicht nur für Romane, sondern auch z. B. für wissenschaftliche Arbeiten. Ich habe mit dieser Methode meine Doktorarbeit fertig gestellt. Auch Sachbücher lassen sich so sicherlich schreibe.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wie kann ich es anpacken?<br></h3>



<p>Allen, die das Pensumsschreiben ausprobieren möchten, rate ich, sich erst einmal ein Bild von der eigenen Situation zu machen und sich die Frage zu stellen: „Welches Pensum kann ich realistisch und mit Leichtigkeit&nbsp;täglich schreiben?“ Dabei kommt es auf jedes einzelne dieser Worte an.</p>



<p><strong>Realistisch</strong>: Am wichtigsten ist es, sich ein Pensum auszuwählen, das man wirklich auf Dauer schaffen kann. Ich kenne viele, die Pensumsschreiben als Methode verstehen, möglichst schnell möglichst viel Text zu schreiben. Sie gehen daher von der maximalen Wortmenge aus, die sie mit äußerster Mühe und unter günstigen Bedingungen bewältigen können. Bloß nicht! Das Pensum sollte niedrig sein&nbsp;– so niedrig, dass es auf alle Fälle schaffbar ist. Mein „normales“ Pensum beträgt nur 500 Wörter, aber ich habe auch schon Romane mit einem Tagespensum von nur 250 Wörtern oder noch weniger geschrieben. Meiner Erfahrung nach kommt man bei unter 250 Wörtern schwer in den Schreibfluss, aber das ist sicher von Person zu Person unterschiedlich. Es ist natürlich immer ok, mehr zu schreiben als das Pensum oder das Pensum zu erhöhen, wenn es gut läuft oder auf einmal mehr Freizeit zur Verfügung steht. Aber ich rate dazu, sich nicht an einem Tag „leerzuschreiben“, sondern&nbsp;immer noch ein paar Wörter und Ideen für morgen aufzuheben.</p>



<p><strong>Mit Leichtigkeit: </strong>Wie gesagt, das Pensum muss schaffbar sein. Auch dann, wenn nur 10 Minuten Zeit bleiben, um den Autorentraum zu leben. Auch dann, wenn man so frustriert ist, dass man die Tastatur lieber an die Wand werfen möchte, anstatt darauf zu tippen. Es muss so gut schaffbar sein, dass es immer möglich sein muss, sich zum Schreiben zu überwinden – eben weil man weiß, man wird diese Schreibsession mit dem Erfolgserlebnis verlassen, wieder das Tagespensum geschafft zu haben. Und es wird sich gut anfühlen.</p>



<p><strong>Täglich</strong>: Genau. Täglich. Am besten sucht man sich feste Zeiten, zu denen man jeden Tag zuverlässig Zeit hat (bei mir ist es morgens vor der Arbeit). Nach meiner persönlichen Regel kann das Pensum weder vor- noch nachgearbeitet werden, eben weil es ein Tagespensum ist. Das verhindert, dass man „Soll“ anhäuft, das schließlich zu einem solchen Berg anwächst, dass es nie mehr aufgeholt werden kann. Im Gegenteil, man hat am nächsten Tag wieder genau dieselbe gute Aussicht, das Pensum zu schaffen, wie am vorigen. Damit mir Frust erspart bleibt, lege ich mir meist vorher fest, in welchen Fällen ich an einem Tag vom Schreiben „freigestellt“ bin (etwa bei vielen Terminen, unvorhergesehenen Ereignissen oder schlaflosen Nächten) oder ob ich einen oder zwei Tage in der Woche „schreibfrei“ machen möchte.</p>



<p>Meiner Erfahrung nach ist es nicht ganz ohne, sich in diese Art des Arbeitens einzufinden. Oft&nbsp;brauche ich&nbsp;anfangs länger, bis ich mir selbst ein niedriges Tagespensum aus den Fingern gequält habe. Es kann Wochen dauern, bis es richtig „flutscht“. Für den ersten Versuch sollte man sich daher etwas länger Zeit nehmen und nicht gleich nach zwei oder drei Tagen aufgeben, falls der Anfang schwierig ist. Pensumsschreiben benötigt zwar ein gewisses Maß an Disziplin, wird aber dadurch versüßt und vereinfacht, dass es – falls das Pensum richtig gewählt ist – machbar ist und den Schreibenden mit Erfolgserlebnissen belohnt.<br>Natürlich ist diese Arbeitsmethode, wie anfangs schon geschrieben, sicher nicht für jede(n) geeignet. Auch ist die hier vorgestellte Methode eher auf Hobby- und Nebenberufs-Autor_innen wie mich abgestimmt. Berufsautor_innen müssen sich zwangsläufig ein höheres Pensum setzen und können sich vermutlich weniger Ausnahmeregeln erlauben.</p>



<p>Einen weiteren Blogartikel zu den Vor- und Nachteilen verschieden hoher Pensen findet ihr <a href="https://kaja-evert.de/2019/02/24/pensumsschreiben-verschieden-hohe-pensen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="hier (öffnet in neuem Tab)">hier</a>.</p>



<p>Ich hoffe, ich konnte euch einen Einblick in&nbsp;meine Arbeitsweise geben und euch vielleicht ermutigen,&nbsp;trotz aller Hindernisse stetig an euren Romanen zu arbeiten und vielleicht auch einmal etwas Neues zu probieren.<br>Eure Erfahrungen würden mich interessieren. Habt ihr es schon einmal mit Pensumsschreiben versucht? Warum funktioniert es für euch (nicht)?<br>Und ob mit Pensum oder ohne: Haut in die Tasten, Leute.</p>



<p>Eure Kaja</p>
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