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		<title>Buchmarkt, trau dich: Anspruch in Texten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kaja]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 06 Aug 2022 05:51:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Romane]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><em>Diesen Artikel habe ich als Mini-Serie auf Instagram veröffentlicht. Wegen der großen Beliebtheit habe ich beschlossen, alle Teile auch hier zur Verfügung zu stellen. Nun könnt ihr den gesamten Text im Zusammenhang lesen. Viel Spaß!</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Zum Thema</h2>



<p>Wenn meine damalige Agentin eine Leseprobe bekommen hatte und zu mir sagte, sie finde den Text anspruchsvoll, wusste ich: Das war das Todesurteil. Es bedeutete so viel wie: Der Text ist unverkäuflich.<br>Seitdem habe ich dieselbe Erfahrung immer wieder gemacht: Anspruchsvolle Texte sind auf dem Buchmarkt nicht beliebt. Agenturen wollen sie nicht, Verlage kaufen sie nicht, Leser*innen machen einen Bogen darum. Und mehr: Diejenigen, die anspruchsvoll schreiben, werden schnell als arrogante, elitäre Snobs angesehen, die Zeug schreiben, das ohnehin niemand lesen will, sich trotzdem für etwas Besseres halten und dabei doch eigentlich nur andere Menschen mit ihren Texten ausschließen.</p>



<p>Warum aber sind anspruchsvolle Texte so unbeliebt? Ich vermute, dass dabei zwei Dinge eine wichtige Rolle spielen:</p>



<ol class="wp-block-list"><li>Anspruchsvolle Texte wollen etwas von dir. Das kann anstrengend sein. Das Leben ist aber schon anstrengend genug. Warum solltest du dir also noch zusätzliche Arbeit machen, wenn du doch nur seinem Hobby nachgehen und dich entspannen willst?</li><li>Der Schulunterricht kann dir den Spaß an Texten verderben. Viele Texte, die zum sogenannten Schul-Kanon gehören, erfüllen die heutigen Ansprüche an gute Bücher nicht (mehr), weil sie stark veraltet sind. Trotzdem werden Kinder und Jugendliche, die gern etwas anderes machen möchten, dazu gezwungen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Und zu allem Überfluss bekommen sie auch noch Noten dafür. Natürlich muss Deutschunterricht nicht so laufen, aber es kann passieren.</li></ol>



<p>Das sind gute Argumente. Auch dass Texte Menschen ausschließen können, stimmt. Nicht umsonst wurde Einfache Sprache erfunden. Aber Sprache ist nicht alles. Ich persönliche sehe die Sache anders: Wer einen anspruchsvollen Text schreibt, geht davon aus, dass dort draußen Menschen sind, die seinen Gedanken folgen möchten. Er*sie lädt sie ein, den Weg der Geschichte gemeinsam zu gehen. Das ist in meinen Augen ein anderer Ansatz, als davon auszugehen, dass Menschen einer Geschichte nicht folgen können oder wollen. Kein Ausschluss, sondern eine Einladung.</p>



<p>Warum lohnt es sich – in meinen Augen – heute trotz allem noch, anspruchsvolle Texte zu lesen und zu schreiben? Darüber möchte ich hier mit euch sprechen.</p>



<p>Im Folgenden stelle ich vier verschiedene Arten von Anspruch in Texten vor, die ich mir überlegt habe. Obwohl ich früher Literaturwissenschaftlerin war, habe ich keine wissenschaftliche Literatur benutzt, sondern mir alles selbst aus den Fingern gesogen. Daher geben die Beiträge nur meine persönliche Einteilung und Meinung wieder.<br><br>Und zwar geht es um:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Komplexität (die Anzahl der wichtigen Dinge in einem Text. Fordert dazu auf, sie zu verknüpfen)</li><li>Originalität (die Abweichung vom Gewohnten. Fordert dazu auf, den Horizont zu erweitern)</li><li>Tiefgründigkeit (die Behandlung existenzieller und/oder unangenehmer Themen. Fordert dazu auf, sich mit ihnen auseinanderzusetzen)</li><li>Stil (Alles, was mit Sprache zu tun hat. Fordert dazu auf, genau zu lesen und sprachliche Rätsel zu lösen</li></ul>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2022/08/ACS_0195-1-1024x1024.jpg" alt="" class="wp-image-3849" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2022/08/ACS_0195-1-980x980.jpg 980w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2022/08/ACS_0195-1-480x480.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) 1024px, 100vw" /><figcaption><em>Meine Dornenritter – ein anspruchsvolles Buch?</em></figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Komplexität</h2>



<p>Die Welt ist irre vollgestopft, findet ihr nicht? Wenn ich versuche, mich über ein einzelnes Thema zu informieren, blicke ich oft kaum durch. Und wenn ich mich intensiv mit einem Thema beschäftige, bekomme ich oft erst recht den Eindruck, dass ich gar nichts verstehe und überhaupt nichts weiß. Geschweige denn, dass ich begreifen könnte, wie all die Dinge in der Welt miteinander zusammenhängen. Manchmal verstehen wir ja nicht einmal die Menschen, die uns am nächsten stehen. Noch schlimmer: Niemand sagt uns, was richtig und falsch, was gut und böse ist – und falls doch, sollten wir erst recht aufmerksam sein, wem wir in so wichtigen Fragen unser Vertrauen schenken. Wir müssen selbst aufpassen, denken, urteilen.<br>Die Welt ist komplex. Das macht das Leben schwierig.</p>



<p>Die gute Nachricht: Kein Text kann diese Komplexität abbilden. Daher stellen Geschichten immer nur einen sehr kleinen Ausschnitt aus der Wirklichkeit dar (und das sage ich mit Absicht auch über Fantasy). Deshalb mögen wir Geschichten. Sie machen aus totalem Wirrwarr verdauliche Häppchen.</p>



<p>Geschichten, die nicht komplex sind, bieten uns eine überschaubare Welt. Gut und Böse sind darin klar, die Ereignisse gut verständlich, und meist wissen wir vorher, wie es ausgeht. Das ist völlig okay und auch sehr erholsam, denn in der Realität haben wir es ja schon schwer genug.</p>



<p>Komplexität in Geschichten ist für mich: Die Anzahl der Dinge/Informationen darin, die wichtig sind, um die Geschichte zu verstehen. Wie im realen Leben müssen wir in komplexen Geschichten diese Informationen sammeln und verknüpfen. Wir müssen selbst denken, selbst urteilen, unseren Grips einsetzen. Das macht das Lesen komplexer Geschichten anstregend. Wieso sollten wir es dann überhaupt tun?</p>



<p>Nehmen wir das Spiel Bloodborne: Darin wird eine Stadt nachts von Monstern überrannt. Aber wieso eigentlich? Wer sich diese Frage stellt und sich die Mühe macht, die Informationen, die uns das Spiel fast immer kommentarlos präsentiert, mit einander zu verknüpfen, für den öffnet sich eine zweite Ebene, so krass, dass es einem den Boden unter den Füßen wegzieht.<br>Geiler Scheiß.</p>



<p>Manche Texte verstehen wir besser (oder überhaupt erst), wenn wir andere Texte kennen. Der Fachausdruck dafür: Intertextualität. Zum Beispiel: Wer sich bei »Die Götter müssen sterben« von Nora Bendzko mit antiker Mythologie auskennt, kann die Abweichungen zu den Original-Sagen besser erkennen und hat damit meiner Meinung nach bersonders viel Spaß am Text. (Übrigens, auch bei »Dornenritter« können Mythologie-Freaks vermutlich die Auflösung eher vorausahnen.) Andere Texte verlangen dafür historische oder sonstige Fachkenntnisse von Lesenden.</p>



<p>Meiner Meinung nach entsteht Komplexität noch nicht, wenn einfach nur viel Zeug in einem langen Text steht. Und sie ist nur dann richtig am Platz, wenn wir als Lesende von der Geschichte dafür belohnt werden, dass wir unser Gehirn anstrengen. Mit mehr Erkenntnissen, mehr Durchblick, mehr Gefühlen, mehr Grusel, mehr Spaß. Komplexe Texte sind wie eine spielerische Übung für die noch unendlich viel komplexere Realität. Die besten sorgen dafür, dass wir uns nicht nur klüger fühlen, sondern wirklich klüger werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Originalität</h2>



<p>»So etwas gibt es auf dem deutschen Buchmarkt bisher nicht. Da gehen die Leser*innen nicht mehr mit.« Sätze wie diesen hörte ich damals regelmäßig von meiner Agentin. Manchmal bat sie mich auch, eine Geschichte zu entwerfen, die an einer anderen orientiert sei. Ich brauchte lange, um zu begreifen, dass eine Geschichte gemeint war, die mehr oder weniger exakt wie eine andere sein sollte.</p>



<p>Heute höre ich oft von angehenden Autor*innen, dass sie sich Sorgen machen: »Meine Ideen gibt es doch schon so oft!« Da kann ich euch beruhigen, Leute: Offenbar ist es tatsächlich auf dem deutschen Buchmarkt so: Je mehr etwas wie etwas ist, was alle schon kennen, desto besser. Abgesehen davon haben alle, die sich solche Sorgen machen, meist eher ein ähnliches Problem wie ich.</p>



<p>Originalität ist für mich: eine Abweichung vom Gewohnten. Aber warum ist Originalität in Texten so unbeliebt? Tatsächlich muss ich sagen: Ich verstehe es – im Gegensatz zu den anderen Kategorien von Anspruch, die ich gesetzt habe – nicht so recht. Wir bezahlen viel Geld, um in Urlaub zu fahren und Orte zu sehen, die wir noch nicht kennen, Dinge zu erleben, die uns zu Hause nicht möglich sind. Aber warum möchten dann viele Menschen, wenn sie ein Buch lesen, genau dieselben Orte, Charaktere und Handlungen erleben, denen sie schon oft begegnet ist? Weil wir nicht genug von dem bekommen können, was wir lieben? Sind wir so gestresst, dass es uns zu anstrengend ist, etwas Neues zu verarbeiten, und wir lieber bei dem bleiben, was wir kennen? Möchten wir, wenn wir an unseren Urlaubsorten sind, vielleicht doch eigentlich gar nichts von ihnen sehen, sondern lieber im Hotel am Pool sitzen und Bier trinken (Natürlich ist das völlig okay!)</p>



<p>Wenn ich an Originalität denke, fällt mir zuerst Dr. Who ein. Die Serie verblüfft (zumindest in einigen Folgen) mit ihren originellen Ideen, oft noch in verblüffender Kombination. In GB, heißt es, hätten die Menschen etwas übrig fürs »Skurrile« – ich denke, das ist ein weiterer Ausdruck für Originalität. Und ich muss an meinen verstorbenen besten Freund M. denken. Ihm konnte nichts originell genug sein. Meine dunklen Ritter mochte er nicht besonders, er fand sie 0815, schon wegen des mittelalterlichen Settings. Seine eigene Welt Esper kann man noch auf <a href="https://annor.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Annor.de</a> sehen. Sie erzählt von seiner Liebe zu originellen Settings, Dingen und Figuren. Wenn ich eine originele Idee brauchte, konnte ich mit ihm sprechen. Wenn ich mit M. auf Reisen oder nur in einem Museum war, kamen wir beide von dort mit 1000 Ideen wieder. Er fehlt mir. Die Welt braucht mehr Menschen wie ihn.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1022" height="1024" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2022/08/ACS_0210-1022x1024.jpg" alt="" class="wp-image-3841" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2022/08/ACS_0210-980x982.jpg 980w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2022/08/ACS_0210-480x481.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) 1022px, 100vw" /><figcaption><em>Ein Wasserfall in Island, den ich mit M. besichtigt habe. Er hat später seinen Weg in meinen Roman Dornenritter gefunden. </em></figcaption></figure>



<p>Eigentlich ist ja unsere Welt schon von sich aus sehr originell. Ich meine, habt ihr euch schon mal Wale genauer angesehen? Oder Elefanten? Würden wir solchen Wesen zum ersten Mal in einer Geschichte begegnen, hätten wir wohl Probleme, sie uns vorzustellen. Je genauer wir hinsehen, desto seltsamer ist eigentlich alles.</p>



<p>Aber zurück zu Büchern. Ich kann wenig gegen meine originellen Ideen tun. Aber ich versuche sie mit Dingen zu kombinieren, die schon bekannt sind. Manchmal kommt etwas dabei heraus, was die Menschen gern lesen. Ich hoffe, dass ich das auch in Zukunft schaffe.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Tiefgründigkeit</h2>



<p>Das Leben ist kein Ponyhof – schon mal gehört? Und so ist es leider. Überall begegnen uns schreckliche Dinge, Krankheit, Tod, gesellschaftliche und soziale Ungerechtigkeit, Unglücke, die Vergänglichkeit des Lebens usw. Wenn wir gerade nicht persönlich betroffen sind, dann diejenigen, die uns nahestehen. Und wenn selbst das nicht der Fall ist, können wir in den Nachrichten jeden Tag neue schreckliche Dinge verfolgen. Kein Wunder, dass wir – falls wir denn das Glück haben, diesem ewigen Kampf überhaupt kurz entkommen zu können – uns manchmal nur im Bett verkriechen und die Decke über den Kopf ziehen wollen – und vielleicht eine Wohlfühlgeschichte lesen. Und das ist sehr verständlich. Selbst ich brauche manchmal eine Dosis My Little Pony.</p>



<p>Wohlfühlgeschichte ist ein Begriff, der sich in der Buchwelt etabliert hat. Ich erlebe oft als wichtiges Kriterium bei einer Bewertung: »Ich habe mich mit der Geschichte die ganze Zeit wohl gefühlt«, »Das Buch war wie eine kuschlige Decke«, »Bei der Autorin fühle ich mich wohl.« Mir selbst wurde einmal empfohlen, mich als Autorin bei einem bekannten Heftromanverlag zu bewerben. Die Anforderungen an die Bücher war der Ausschluss sämtlicher »unangenehmer« Themen. Wohlfühlen pur!<br>Ich habe es gelassen.</p>



<p>Um es noch mal klarzustellen: Wohlfühlen mit Büchern ist toll. Aber es ist für mich nicht alles, und es sollte meiner Meinung nach nicht grundsätzlich passieren, indem schwierige Themen ausgeschlossen werden. Manche Autor* innen können sogar beides verbinden.<br>Und: Mit manchen Themen ist Wohlfühlen schwer. Aber auch sie brauchen Raum.</p>



<p>Tiefgründigkeit ist für mich: Die Bearbeitung unangenehmer oder schwieriger Themen.<br>Oft höre ich Stimmen, die sich wünschen, in Büchern würden aktuelle Probleme als überwunden oder gar nicht existent beschrieben. Die Argumente sind gut nachvollziehbar. Ich habe mich als Autorin entschieden, es nicht grundsätzlich so zu machen, auch aufgrund persönlicher Erfahrungen.</p>



<p>Bücher, die schwierige Themen ausschließen, erschaffen eine Wunschwelt. Eine Utopie hat auf jeden Fall ihre Daseinsberechtigung. Aber: Bücher, die sich gelungen mit schwierigen Themen beschäftigen, geben dafür Menschen die Möglichkeit, sich im Safe Space einer Geschichte mit diesen Themen auseinanderzusetzen, *ohne* selbst direkt betroffen zu sein. Denn Hand aufs Herz: Früher oder später holt uns der Ernst des Lebens alle ein.<br>Für Menschen, die betroffen sind, können diese Geschichten Trost spenden. Denn Probleme zu ignorieren, heißt auch, Menschen zu ignorieren, für die diese Probleme zum Leben gehören. Probleme zu respektieren, ihnen in Geschichten Raum zu geben, heißt, Menschen zu respetieren. Das ist für mich bei meiner eigenen Arbeit als Autorin ein sehr wichtiger Punkt.</p>



<p>Tiefgründige Bücher können uns ermutigen, nachzudenken, unseren Horizont zu erweitern, Probleme zu erkennen, unsere Haltung zu verändern, fürs Leben gewappnet zu sein, zumindest ein kleines bisschen. Sie können dazu beitragen, uns zum Teil einer Welt werden zu lassen, in der sich alle etwas mehr wohlfühlen. Das ist meiner Ansicht nach nicht möglich, wenn wir permanent die Augen vor Problemen verschließen und uns unter die Kuscheldecke schmiegen. Schwierige Themen zu bearbeiten ist vielleicht das Beste und Wichtigste, was Bücher überhaupt können. Solche Bücher verändern manchmal die Welt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2022/08/ACS_0194-1024x1024.jpg" alt="" class="wp-image-3844" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2022/08/ACS_0194-980x980.jpg 980w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2022/08/ACS_0194-480x480.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) 1024px, 100vw" /><figcaption><em>Ich liebe es, tiefgründige Themen in Büchern zu behandeln!</em></figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Stil</h2>



<p>»Das Gedicht hat mir sehr gut gefallen, weil keine unbekannten Wörter drin vorkommen«, schrieb dereinst Amelie (Name geändert ;)), 7. Klasse, über Schillers Ballade »Der Handschuh«, als ich in ihrer Klasse das Thema Inhaltsangabe unterrichtete. Damit spricht Amelie sicher vielen aus der Seele. Und – irgendwie – auch mir.</p>



<p>Stil ist von allen Themen, die ich hier in Verbindung mit Anspruch bearbeite, vermutlich das unwichtigste. Es kommt auf die Story an, nicht auf den Stil, in der sie geschrieben wurde. Das fällt mir auch auf dem Buchmarkt immer wieder auf. Trotzdem kann ein gelungener Stil dazu beitragen, Atmosphäre aufzubauen und ganz in eine Geschichte einzutauchen. (Wer meine Stil-Tipps erfahren möchte, möge <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.kaja-evert.de/2021/06/20/worte-wie-sterne-am-nachthimmel-arten-von-stil/" data-type="URL" data-id="https://www.kaja-evert.de/2021/06/20/worte-wie-sterne-am-nachthimmel-arten-von-stil/" target="_blank">diesen Blogartikel</a> lesen.)</p>



<p>Dabei verwechseln viele Menschen gelungenen Stil mit Unverständlichkeit. Ich kann mir denken, wie das kommt: In der Schule lesen wir Texte, die z. T. mehrere Jahrhunderte alt sind. Diese Texte kommen uns fremd vor. Sie enthalten Wörter und Formulierungen, die wir heute nicht mehr benutzen, und oft verschachtelte Satzkonstruktionen (Grüße an Heinrich von Kleist). Es gibt trotzdem Gründe, diese Texte auch heute noch zu lesen, aber leicht verständlich sind sie nicht gerade. Und wenn wir an die Uni kommen, erwarten uns dort mehr schwer verständliche Texte voller Schachtelsätze und Fachbegriffe, die wir noch nie gehört haben. Das wäre ja alles noch nicht so schlimm, wenn wir nicht zugleich vermittelt bekämen, dass so <em>gute</em> Texte aussähen. Denn immerhin stammen diese Texte von wichtigen Menschen, behandeln wichtige Themen und genießen hohes Ansehen – oder?</p>



<p>Ob ihr es glaubt oder nicht: Selbst wissenschaftliche Texte möchten nicht unverständlich sein. Es ist nur oft so, dass Wissenschaftler*innen so in ihren Themen und im Uni-Jargon »drin« sind, dass sie sich nicht mehr gut in Menschen hineinversetzen können, die von einem Thema gar nichts verstehen.</p>



<p>Guter Stil ist in meinen Augen verständlicher Stil. Verständlich heißt nicht platt. Ein Text kann gut verständlich und trotzdem anspruchsvoll sein. Es gibt kaum Stilfiguren, die komplizierte Formulierungen brauchen.</p>



<p>Bei Romanen gibt es vor allem zwei Stil-»Sünden«, die mich auf die Palme bringen: 1. Wenn Autor_innen unnötig kompliziert und »schwülstig« schreiben, gerade wenn es um völlig alltägliche Dinge geht. 2. Wenn sich Autor_innen keine Mühe geben, die spektakulären Ereignisse in ihren Büchern mit angemessenen Worten zu würdigen.<br>Allerdings ist Stil auch eine subjektive Sache. Ich bekomme manchmal fast Schrei-Anfälle von Texten, die andere als poetisches, literarisches Meisterwerk feiern. Und wenn ich einschlafe, weil der Kampf gegen den mächtigsten Dämon von Finsterwelt in überaus lahmen Worten beschrieben wurde, fällt das anderen vielleicht gar nicht erst auf.</p>



<p>– Soweit von mir zum Thema Anspruch in Texten. Ich fände es schön, wenn mehr anspruchsvolle Texte veröffentlicht würden, natürlich nicht ganz ohne Eigeninteresse! Wie steht ihr dazu? Lest ihr gern anspruchsvolle Texte oder eher nicht? Welchen Punkten stimmt ihr zu, was seht ihr anders? Welche anspruchsvollen Bücher habt ihr in letzter Zeit gelesen? Schreibt es mir gern in die Kommentare. Und wenn euch der Blogartikel weitergeholfen hat, empfehlt ihn auch anderen!</p>



<p>Eure Kaja</p>



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		<title>Zwischen den Projekten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kaja]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 Oct 2021 05:02:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alptraumgarde]]></category>
		<category><![CDATA[Autor*innenleben]]></category>
		<category><![CDATA[Der Schnitter]]></category>
		<category><![CDATA[Dornenritter]]></category>
		<category><![CDATA[Dunkle Ritter]]></category>
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		<category><![CDATA[Schreibupdate]]></category>
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					<description><![CDATA[»Dornenritter« ist erschienen! Auf die Veröffentlichung meines queeren Dark-Fantasy-Romans »Dornenritter« habe ich sehr lange hingefiebert. Nun bin ich sehr glücklich, dass er bei den Leser*innen bisher so gut ankommt. Weil der Roman sensible Themen wie sexuelle Selbstfindung enthält, habe ich mir vorher viele Sorgen gemacht. Habe ich die Themen angemessen behandelt? Sollte ich diese Themen [&#8230;]]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">»Dornenritter« ist erschienen!</h2>



<p>Auf die Veröffentlichung meines queeren Dark-Fantasy-Romans »Dornenritter« habe ich sehr lange hingefiebert. Nun bin ich sehr glücklich, dass er bei den Leser*innen bisher so gut ankommt. Weil der Roman sensible Themen wie sexuelle Selbstfindung enthält, habe ich mir vorher viele Sorgen gemacht. Habe ich die Themen angemessen behandelt? Sollte ich diese Themen überhaupt behandeln? Die Rückmeldungen und persönlichen Gespräche gerade zu diesen Punkten waren für mich sehr berührend. Danke dafür!</p>



<p>Natürlich würde ich mich sehr freuen, wenn noch mehr Menschen »Dornenritter« lesen. Daher: Kauft den Roman, verschenkt ihn, rezensiert ihn, empfehlt ihn weiter! 🙂</p>



<p>Auch kann ich für mich das Fazit ziehen, dass meine Werbung in den Social Media offenbar dazu geführt hat, dass der Roman (größtenteils) an die Menschen gerät, die auch etwas damit anfangen können. Das zeigt mir, dass die Mühe und der Zeitaufwand, den ich hineingesteckt habe, nicht umsonst waren. Auch hier haben sich viele spannende Gespräche und Austausch mit Gleichgesinnten ergeben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Testballon fürs Selfpublishing: »Magiersohn«</h2>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized is-style-default"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/10/Magiersohn_Ebook-1024x1024.jpg" alt="" class="wp-image-3746" width="780" height="780"/><figcaption>»Magiersohn« gibt es bisher nur als Ebook.</figcaption></figure>



<p>Was bei der Veröffentlichung von »Dornenritter« ein bisschen untergegangen ist: Ich habe zeitgleich noch einen anderen Roman veröffentlicht, und zwar im Selfpublishing: »Magiersohn«. Es ist ein Kinder-/Jugendfantasyroman um die Macht der Freundschaft und die Überwindung von Vorurteilen. Auch dieser Roman ist ziemlich divers. Im November soll bei Book on Demand auch eine Printversion entstehen.<br>»Magiersohn« war mein Testballon fürs Selfpublishing. Man hört übers Selfpublishing ja unterschiedliche Geschichten. Von Autor*innen, die sofort die Miete von ihrer ersten Veröffentlichung bezahlen konnten, und anderen, die nach mehreren Jahren und Büchern 1,80 € Profit machten (gestern so in einer Selfpublishing-Gruppe gelesen). Tja, ich kann nur sagen: Was das betrifft, weiß ich, zu welcher Gruppe ich bisher gehöre, und (Spoiler) es ist nicht die erste! Natürlich ist das Genre auch nicht optimal geeignet fürs Selfpublishing. Kinder-/Jugendbücher sollten in Buchhandlungen ausliegen und nicht über E-Reader geladen werden müssen. Was ich aber auf jeden Fall für mich mitnehmen: Selfpublishing ist einfach und, wenn man ein SP-geeignetes Genre schreibt, womöglich sogar eine echte Geldquelle.</p>



<p>Wer sich für »Magiersohn« interessiert, findet Infos unter »<a href="https://www.kaja-evert.de/veroeffentlichungen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Alle Bücher</a>« hier auf meiner Homepage.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zukunftspläne</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/10/ACS_0093-1024x1024.jpg" alt="Skizze von Zoran mit Dreispitz, Notizbuch und lose Blätter" class="wp-image-3747" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/10/ACS_0093-980x980.jpg 980w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/10/ACS_0093-480x480.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) 1024px, 100vw" /><figcaption>Skizze von Zoran, Protagonist aus »Alptraumgarde«</figcaption></figure>



<p>Im kommenden Jahr hoffe ich mindestens zwei queere Dark-Fantasy-Romane veröffentlichen zu können, die auch schon fertig sind: Den »Schnitter« (Arbeitstitel) und »Nebelritter«, den geistigen Nachfolger von »Dornenritter«. In welcher Form die Romane erscheinen sollen, weiß ich allerdings noch nicht. Auch kann sich immer etwas an den Plänen ändern.</p>



<p>Vorerst steht aber der NaNoWriMo (National Novel Writing Month) an. Während des Novembers schreiben Menschen weltweit 50.000 Wörter. Das ist in meinen Zahlen etwas weniger als ein halber Roman. Ich habe mir diesmal ein besonderes Projekt vorgenommen: einen Dark Fantasy/Cosmic Horror-Roman, der so divers ist, dass er den homophoben Rassisten Lovecraft ärgern würde, und der das Genre gegen den Strich bürstet. Ich bin gespannt, wie es mir gelingt, und freue mich auf nächtliche Kämpfe in der heruntergekommenen Hafenstadt Elyssa.</p>



<p>Was die Schreib-Pläne für 2022 betrifft: Aktuell sieht es so aus, als wäre das Jahr mit einem größeren Roman-Projekt blockiert, sodass ich zu kaum etwas anderem kommen werde. Aber ich muss noch warten, wie es sich entwickelt.</p>



<p>Ich bin sehr froh, dass ich in diesem Jahr Selfpublishing ausprobiert habe. Denn auch wenn ich mit »Magiersohn« nur wenig Erfolg hatte, weiß ich nun, wie es geht, und habe eine Ahnung davon, wie ich es vielleicht besser mache.</p>



<p>Dieser Blogartikel mag etwas wirr sein, aber er handelt vom Autorin-Sein wie kaum ein anderer, den ich bisher geschrieben habe. Jedenfalls so, wie es für mich ist. In der Vergangenheit habe ich mir schon hin und wieder gedacht: Jetzt hast du es geschafft, jetzt zahlen sich endlich all deine Mühen aus. Was mein Schreiben betrifft, lag ich damit jedes Mal falsch. Daher sieht es bei mir jetzt und eigentlich immer so aus: Es gibt viele Projekte in unterschiedlichen Stadien. Du kommst voran, aber oft nur in winzigen Schritten, und es ist unklar, wie weit dich diese Schritte eigentlich bringen. Oft stellst du fest, dass du dir für all deine Anstrengungen mehr erhofft hattest. Letzten Endes geht es aber darum, mit Menschen in Kontakt zu kommen, Herzen zu berühren, denn dazu sind Texte (in meinen Augen) da. Wenn dir das gelingt, gibt es immer etwas, worauf du stolz sein kannst. Du probierst neue Dinge aus (wenn auch vielleicht mit Jahren Verspätung), entwickelst neue Ideen, kehrst zu alten zurück, bist unsicher, steckst oft zahllose Rückschläge ein, machst neue Pläne. Du gibst nicht auf, weil du liebst, was du tust. Du wirst niemals aufgeben.</p>



<p>Eure Kaja</p>
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		<title>»Dornenritter« – mein Weg aus der Dunkelheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kaja]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Aug 2021 04:49:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
		<category><![CDATA[Autor*innenleben]]></category>
		<category><![CDATA[Dornenritter]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Agentur]]></category>
		<category><![CDATA[dunkle ritter]]></category>
		<category><![CDATA[Frust]]></category>
		<category><![CDATA[Kleinverlag]]></category>
		<category><![CDATA[Persönliches]]></category>
		<category><![CDATA[Selfpublishing]]></category>
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					<description><![CDATA[Als ich meine erste Agentur verlor, mit der ich es immerhin bis in den Publikumsverlag geschafft hatte, landete ich anschließend fast bei einer der großen. Dort sagte mir ein Agent, ich könne keine großen Geschichten schreiben. Er sagte nicht, es sei in seinen Augen so oder etwas Ähnliches. Er formulierte es wie einen unumstößlichen Fakt. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Als ich meine erste Agentur verlor, mit der ich es immerhin bis in den Publikumsverlag geschafft hatte, landete ich anschließend fast bei einer der großen. Dort sagte mir ein Agent, ich könne keine großen Geschichten schreiben. Er sagte nicht, es sei in seinen Augen so oder etwas Ähnliches. Er formulierte es wie einen unumstößlichen Fakt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gefangen im Kopflabyrinth</h2>



<p>Es mag dramatisch klingen, aber das hat mich vernichtet. Das Telefonat wiederholte sich endlos in meinem Kopf. Monatelang war ich zu nichts zu gebrauchen. Wie sollte das nicht stimmen, wenn doch ein Profi es sagt? Ich nahm mir damals zwar vor, nicht aufzugeben, sondern es jetzt erst recht als Autorin zu schaffen. Leider schien die berüchtigte Self-fulfilling Prophecy in Kraft zu treten: Alles, was in meinem Leben passierte, gab dem Agenten recht. Ich hatte vorher keine Probleme gehabt, Agenturen zu finden, aber danach fand ich keine mehr, obwohl es mehrfach <em>fast</em> klappte.</p>



<p>In den nächsten Jahren schrieb ich mehrere Romane. Aber immer, wenn sie nirgends unterkamen, schwappte das Erlebnis wieder in mir hoch, bis ich schließlich selbst davon überzeugt war, der Agent habe recht gehabt. Ich hörte auf, an mich und meine Romane zu glauben. Fing an zu denken, ich könne nichts schreiben, was Menschen begeistert. Und trotzdem war da wieder bei jeder neuen Geschichte dieser Hoffnungsfunken …</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine neue Idee – ganz anders</h2>



<p>Die Idee zu »Dornenritter« war ganz plötzlich da – Jahre nach dem Erlebnis – und ging nicht mehr weg. Ursprünglich wollte ich den Roman gar nicht schreiben, denn er war ganz anders als alles, was ich sonst schrieb. Dark Fantasy ja – aber Gay Romance? Ich bin doch gar kein Romance-Fan! Aber die Figuren bestanden darauf, dass ich ihre Geschichte erzähle, und das tat ich.</p>



<p>Schon während der Arbeit am Roman merkte ich, dass diesmal etwas anders war. Ich liebe normalerweise jedes Buch, das ich schreibe. Aber dieses Buch verblüffte mich und riss mich mit wie noch keins vorher. Ich hatte keine Ahnung, dass so eine Geschichte in meinem Kopf existiert hatte und dass ich in der Lage war, sie zu schreiben. Auch wenn ich sie in der Rohfassung dermaßen versemmelte, dass ich die Hälfte neu schreiben musste, änderte das nichts. Für mich war »Dornenritter« das Beste, was ich je geschrieben hatte. Besser, als ich geglaubt hatte, überhaupt schreiben zu können.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Weg aus der Dunkelheit</h2>



<p>Nachdem »Dornenritter« fertig war, habe ich mich bei o. g. Agentur nicht damit beworben. Ich habe darüber nachgedacht, aber ich habe mir nicht länger gewünscht, von ihr vertreten zu werden. Und vermutlich hätte sie mich auch nicht genommen. Ebensowenig wie irgendeine andere, denn auch für diesen Roman habe ich nur Ablehnungen geerntet. Aber diesmal war mir klar: »Dornenritter« soll veröffentlicht werden! Ich versuchte es bei Kleinverlagen. Hier erhielt ich fast ausschließlich die häufigste Antwort am Buchmarkt: gar keine Antwort. Und so beschloss ich zuletzt, den Roman selbst herauszubringen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mir Selfpublishing nicht vorstellen können. Allmählich begriff ich, dass es ein völlig zulässiger Weg ist, der sogar Vorteile bietet. Vor allem den, nicht von anderen und ihren Urteilen abhängig zu sein.</p>



<p>Ich stand kurz davor, den Roman zu veröffentlichen, als mich eine Mail vom SadWolf-Verlag erreichte. Darin die Zusage für »Dornenritter« nur auf Grundlage von Exposé und Leseprobe. Das kam völlig unerwartet für mich und hat mich natürlich riesig gefreut. Aber wäre die Zusage nicht gekommen, ohne dass vorher das Gesamtmanuskript angefordert wurde – was ungewöhnlich ist – hätte ich wohl geantwortet ›Danke für das Interesse, aber ich gehe jetzt ins Selfpublishing.‹ Denn für eine weitere Runde Warten hätte mir endgültig die Geduld gefehlt.</p>



<p>Der SadWolf-Verlag gehört zu den wenigen Verlagen in Deutschland, die ausschließlich düstere Literatur herausbringen, und somit ist er für »Dornenritter« ein Glücksgriff. Mit seinem finsteren Setting, den kaputten Figuren und der komplexen Handlung passt er perfekt ins Verlagsprogramm.</p>



<p>Den Gedanken an Selfpublishing habe ich aber nicht aufgegeben. Ihr werdet zu einer anderen Gelegenheit mehr davon hören.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit</h2>



<p>Wenn ich zurückblicke, denke ich: Letzten Endes kann ich einem Profi keinen Vorwurf machen, weil er nicht an mich als Autorin glaubte. Es ist sein Job, solche Einschätzungen abzugeben (er hätte sie freundlicher formulieren können und stärker daran denken können, was eine solche Aussage in empfindsamen Autorinnen-Seelen anrichten kann), und er kann richtig liegen oder sich irren. Aber für mich wäre es sinnvoller gewesen, eher wieder daran zu glauben, dass ich große Geschichten schreiben kann. Denn es fühlt sich sehr viel besser an, es zu tun.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was ihr tun könnt</h2>



<p>Letzten Ende entscheidet ihr, ob für euch »Dornenritter« eine große Geschichte ist. Ich weiß, es gibt unendlich viele Geschichten da draußen. Ein einzelner Roman hat es schwer, gesehen und gelesen und geliebt zu werden. Und sicher gibt es auch immer viel, was kritisiert werden kann, was vielleicht nicht gefällt. Für Kritik bin ich offen. Für mich sind meine »Dornenritter« jedenfalls ein absolutes Herzensbuch und zugleich die Geschichte, wie ich als Autorin den Glauben an mich selbst wiedergefunden habe. Wenn ihr mich (und den SadWolf-Verlag) unterstützt – durch den Kauf des Romans, durch Rezensionen, durch Social-Media-Bilder usw. – tragt ihr dazu bei, dass diese Geschichte groß wird und ein gutes Ende nimmt.</p>



<p>Eure Kaja</p>



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		<title>Acht Dinge, die mich produktiver gemacht haben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kaja]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Aug 2021 03:57:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Autor*innenleben]]></category>
		<category><![CDATA[Pensum]]></category>
		<category><![CDATA[Produktiv schreiben]]></category>
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		<category><![CDATA[schnell schreiben]]></category>
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					<description><![CDATA[Ich schreibe so langsam, wie die Schnecke kriecht – diese Wahrheit glaubte ich erkannt zu haben. Große Überraschung: Bei meinem aktuellen Dark-Fantasy-Roman, dem »Schnitter« (Arbeitstitel), konnte ich nach nicht einmal vier Monaten das »ENDE« unter die Rohfassung des Manuskripts setzen. Sicher werde ich noch viel mit der Überarbeitung zu tun haben, trotzdem: Was um alles [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Ich schreibe so langsam, wie die Schnecke kriecht – diese Wahrheit glaubte ich erkannt zu haben. Große Überraschung: Bei meinem aktuellen Dark-Fantasy-Roman, dem »Schnitter« (Arbeitstitel), konnte ich nach nicht einmal vier Monaten das »ENDE« unter die Rohfassung des Manuskripts setzen. Sicher werde ich noch viel mit der Überarbeitung zu tun haben, trotzdem: Was um alles in der Welt hat mich diesmal so produktiv gemacht?<br>Ich habe einige Gedanken dazu notiert. Für alle, die überlegen, wie sie selbst produktiver an ihren Romanen arbeiten können, ist vielleicht die eine oder andere Idee dabei.</p>



<h2 class="wp-block-heading">1. Kurzen Roman schreiben</h2>



<p>Okay, diesen Faktor sollte ich nicht außer Acht lassen: Anstelle eines epischen Riesenplots hatte ich diesmal einen einfacheren Roman geplant. Ich schätze, es war eine Erleichterung, zu wissen, dass ich keine zig Plotfäden entwirren und keinen superkomplexen Weltenbau betreiben werde. Stattdessen wollte ich mich auf die Figuren, ihre Entwicklung und ihre Beziehung zueinander konzentrieren. Zuletzt sind ca. 90.000 Wörter dabei herausgekommen – immerhin eine passable Länge für einen Fantasyroman. Wenn auch kein Vergleich zu »Dornenritter« mit über 130.000 und »Nebelritter« mit (nach Kürzungsorgie) immerhin noch über 120.000 Wörtern. Mal sehen, wieviel nach der Überarbeitung noch übrig ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">2. Schreib-Buddy suchen</h2>



<p>Mein wunderbarer Schreib-Buddy <a href="https://aufanderenseiten.blog/" data-type="URL" data-id="https://aufanderenseiten.blog/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Tasha Winter</a> hat den Entstehungsprozess des Romans von Anfang an begleitet, so wie ich die Entstehung ihrer Projekte begleite. Einen Schreib-Buddy zu haben ist toll und wahnsinnig motivierend. Wir tauschen uns jeden Tag über den Fortschritt aus und chatten. Das spornt an. Wenn ihr Schwierigkeiten habt, dranzubleiben, ist mein Tipp daher: Sucht euch einen Schreib-Buddy!</p>



<h2 class="wp-block-heading">3. Kapitel vorher plotten</h2>



<p>Plot und ich sind nicht die engsten Freunde, das ist bekannt. Trotzdem plotte ich vor dem Schreiben immer, und sei es auch nur grob. Bei diesem Roman habe ich die Handlung, die ich im Kopf hatte, vorher kapitelweise aufgeschrieben. So wusste ich während des Schreibens immer, was ungefähr als Nächstes passieren wird, und wohin das alles zuletzt führen soll. Offenbar hat es geholfen. Das probiere ich beim nächsten Projekt wieder! Allerdings habe ich mich kein bisschen an meine ursprünglichen Kapiteleinteilung gehalten: Statt den geplanten ca. 16 sind 36 Kapitel entstanden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">4. Druck rausnehmen</h2>



<p>Angeblich sind Menschen, die sich wohlfühlen und entspannt sind, auch besonders produktiv. Das kann ich nur bestätigen!<br>Während des Schreibprozesses habe ich diesmal bewusst den Druck herausgenommen und möglichst gut auf mich geachtet (nachdem ich mich im April zu stark unter Druck gesetzt hatte, <a href="https://www.kaja-evert.de/2021/05/30/blogartikel-von-selbstoptimierung-trackern-und-traeumen/" data-type="URL" data-id="https://www.kaja-evert.de/2021/05/30/blogartikel-von-selbstoptimierung-trackern-und-traeumen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">wie ihr hier nachlesen könnt</a>. Das betrifft mehrere Punkte:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Ich habe den <strong>Anspruch</strong> an mich selbst wesentlich reduziert. Am liebsten möchte ich immer den perfekten Roman schreiben: mit tollem Plot, tiefgründig, spannend, sofort perfekt formuliert. Diesmal habe ich mir gesagt: Alles egal! Schreib ihn halt einfach irgendwie. Es wird schon. <br>Es wurde.</li><li>Ich habe mir vorgenommen, meinen Roman im <strong>Selfpublishing</strong> herauszubringen. Auch wenn diese Art der Veröffentlichung sicher viele Hürden und Möglichkeiten des Scheiterns für mich bereithält, bietet sie auch wesentliche Vorteile, die das Arbeiten für mich entspannter gemacht haben. Ich wusste, für dieses Buch würde es keine Ablehnungen hageln und niemand würde mir wegen eventueller mieser Verkaufszahlen die Zusammenarbeit aufkündigen. Nur ich selbst hätte davon einen Nachteil, indem ich das investierte Geld nicht wieder herausbekomme (aber darauf habe ich mich ohnehin eingestellt).</li><li>Normalerweise schreibe ich ein <strong>Tagespensum</strong> von ca. 500 Wörtern. Diesmal habe ich das Tagespensum komplett <strong>abgeschafft</strong>. So habe ich mich viel freier gefühlt und lag oft weit über dem sonstigen Tagespensum. Ich glaube, dabei bleibe ich erst einmal. Allerdings, um das klarzustellen: Täglich geschrieben habe ich trotzdem, und zwar vor der Arbeit. Das mache ich immer!</li><li>Anstatt mich in meiner Freizeit unter Druck zu setzen, noch mehr zu schreiben, habe ich Dinge zur Entspannung gemacht: Freunde treffen, Gaming, Wandern, Brettspielrunden, Socken stricken …</li><li>Ich habe mich und meine Arbeitsweise akzeptiert: die chaotische Rohfassung, das nicht immer optimale Plotten, das generell langsame Schreiben. Und witzigerweise fielen die Nachteile diesmal (soweit ich bisher erkennen kann) gar nicht so sehr ins Gewicht wie sonst!</li></ul>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="694" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/07/ACS_0462-1024x694.jpg" alt="" class="wp-image-3232" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/07/ACS_0462-1024x694.jpg 1024w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/07/ACS_0462-980x665.jpg 980w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/07/ACS_0462-480x326.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) 1024px, 100vw" /><figcaption>Wer entspannter ist, fühlt sich besser und ist häufig auch produktiver.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">5. Pause machen</h2>



<p>Bedingt durch eine OP hatte ich eine längere Pause von ca. zwei Wochen, in der ich nicht geschrieben habe. Hinterher war ich dann umso produktiver. Zu einer OP nur zwecks Erholung hinterher kann ich zwar niemandem raten, aber ich denke, zwei Wochen Schreibpause können auf jeden Fall sehr entspannend sein und sich später auszahlen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">6. Nicht entmutigen lassen</h2>



<p>Obwohl ich während des Schreibens – wie üblich – mehrere Durchhänger und schlechte Phasen hatte, habe ich mich nicht entmutigen lassen, sondern einfach weitergemacht. Dabei war mir natürlich meine Erfahrung eine Hilfe, da ich schon oft in ähnlichen Situationen war. Auch wenn alles verzweifelt aussieht, man den eigenen Text nicht mag, Rückschläge einstecken muss, lohnt es sich, weiterzuarbeiten. Wenn man es jeden Tag so macht, wird man irgendwann fertig! Das ist Fakt, auch wenn es in der jeweiligen Situation vielleicht unrealistisch erscheint. Und wer weiß, vielleicht sieht der ungeliebte Text am Ende dann doch nicht so schlecht aus.</p>



<h2 class="wp-block-heading">7. Motivation durch Feedback</h2>



<p>Diesmal habe ich meine Follower*innen auf Instagram an der Entstehung des Romans teilhaben lassen und immer mal wieder winzige Leseproben gepostet. Es kamen jedes Mal Rückmeldungen von wunderbaren Menschen, die sich daran gefreut haben und mir geschrieben haben, dass sie gern den ganzen Roman lesen möchten und sich darauf freuen. Das war extrem motivierend für mich! Hier auch noch einmal ganz herzlichen Dank dafür! Gerade in den Phasen mit Durchhänger (s. o.) wurde ich dadurch ermutigt und angespornt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">8. Mehr lesen</h2>



<p>Ich hatte mir einen neuen E-Reader angeschafft, einige E-Books gekauft und insgesamt wieder mehr gelesen. Witziges und Ernstes, gute und schlechte Bücher, darunter die schlechtesten, die ich kenne! Ich kann nicht behaupten, dass mich gute Bücher mehr inspirieren als schlechte oder ich mich durch sie mehr verbessere, aber was ich genau weiß: Je mehr Texte ich lese, desto leichter fließen mir auch meine eigenen aus den Fingern.</p>



<p>Was meinst du – ist eine Idee für dich dabei? Oder was tust du, um produktiv an deinen Geschichten zu arbeiten? Hinterlass mir doch einen Kommentar, wenn du magst! Ich wünsche dir eine kreative und inspirierende Zeit.</p>



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		<title>Worte wie Sterne am Nachthimmel &#8211; Arten von Stil</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kaja]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Jun 2021 04:59:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schreibtipps]]></category>
		<category><![CDATA[Stil]]></category>
		<category><![CDATA[Cicero]]></category>
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					<description><![CDATA[»Das Buch liest sich wie aus Aufsätzen eines Viertklässlers zusammenkopiert.« – »Der tolle, anspruchsvolle Stil hat mich umgehauen.« – »Der Schreibstil ist einfach; dafür wird mir das Buch nicht in Erinnerung bleiben.« Wer hat nicht schon einmal eine solche Rezension gelesen oder selbst erhalten, und das vielleicht auch noch beim gleichen Buch? Was ist guter [&#8230;]]]></description>
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<p>»Das Buch liest sich wie aus Aufsätzen eines Viertklässlers zusammenkopiert.« – »Der tolle, anspruchsvolle Stil hat mich umgehauen.« – »Der Schreibstil ist einfach; dafür wird mir das Buch nicht in Erinnerung bleiben.« Wer hat nicht schon einmal eine solche Rezension gelesen oder selbst erhalten, und das vielleicht auch noch beim gleichen Buch?</p>



<p>Was ist guter Stil? An der Frage scheiden sich die Geister. Trotzdem ist es mir als Autorin wichtig, meine Geschichten auch stilistisch so gut zu schreiben, wie es irgendwie geht. Aber wie, da Stilempfinden doch offenbar eine ganz persönliche Sache ist? Darum soll es heute in diesem Blogartikel gehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Drei Arten von Stil</h2>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0437.jpg" alt="Bleistiftportrait von Cicero" class="wp-image-2948" width="329" height="368" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0437.jpg 716w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0437-269x300.jpg 269w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0437-650x726.jpg 650w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0437-300x335.jpg 300w" sizes="(max-width: 329px) 100vw, 329px" /><figcaption>Der römische Autor Marcus Tullius Cicero hat hilfreiche Stil-Tipps auf Lager.</figcaption></figure></div>



<p>Der römische Anwalt, Autor und Stil-Spezialist Cicero (106 &#8211; 43 v. Chr.) unterscheidet zwischen drei Arten (oder Ebenen) von Stil: einfachem, mittlerem und erhabenem Stil. (Auf Latein: <em>genus humile</em>, <em>genus medium</em>, <em>genus grande</em>.) Diese Stilarten sind leicht voneinander zu unterscheiden. Keine ist wertvoller oder besser als die anderen, alle haben ihre Berechtigung. Ich finde Ciceros Hinweise heute noch sehr nützlich.</p>



<ul class="wp-block-list"><li><strong>Einfacher Stil </strong>ist sehr schlicht gehalten. Er benutzt kurze Sätze und Wörter aus der Alltags- und Umgangssprache. Jede*r versteht ihn ohne Probleme. Er ist aber nur begrenzt geeignet, um komplizierte Dinge auszudrücken.</li><li><strong>Mittlerer Stil</strong> fällt weder durch Wortwahl noch durch Satzbau besonders auf. Jede Information und jeder Zusammenhang lassen sich dadurch vermitteln.</li><li><strong>Erhabener Stil</strong> verwendet poetische Wörter und nutzt sämtliche Möglichkeiten der Sprache (Stilmittel, Satzbau, Metaphern usw.), um große Gefühle auszudrücken und in den Leser*innen zu wecken.</li></ul>



<h2 class="wp-block-heading">Wann ist welcher Stil sinnvoll?</h2>



<p>Sicher ist euch beim Lesen und Schreiben schon aufgefallen, dass ein Roman in der Regel nicht nur eine dieser Stilarten enthält, sondern mehrere oder sogar alle. Das liegt daran, dass die Wahl des Stils davon abhängt, worum es im Text gerade geht. Cicero hatte auch ein Wort dafür: <em>aptum</em>, das bedeutet »angemessen«: Stil und Text passen zusammen. Das Gegenteil von <em>aptum</em> ist <em>ineptum</em>: albern oder unfreiwillig komisch.<br>Habt ihr schon einmal einen wissenschaftlichen Text voller umgangssprachlicher Wörter gelesen? Oder einen Roman, in dem der*die Autor*in mit hochtrabenden, gekünstelten Worten über völlig alltägliche Dinge schreibt? Dann wisst ihr, was ich meine.</p>



<p>Aber welche Art von Stil passt nun zu welcher Textstelle? Letzten Endes habt ihr die Wahl, weil ihr entscheidet, wie ihr den Text gestaltet und was ihr besonders betonen möchtet. Ich erzähle euch im Folgenden, wo und wie ich verschiedene Stilarten für sinnvoll halte und selbst benutze.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Einfacher Stil – verständlich, bodenständig, mit Humor</h2>



<p>Einfacher Stil war in Romanen früher so gut wie gar nicht üblich, kommt jetzt aber relativ häufig vor. Aufgefallen ist mir das bei allem bei einigen Jugendbüchern und Liebesromanen, die zum schnellen Lesen und zur reinen Unterhaltung gedacht sind. Bei Jugendbüchern dient er offenbar dazu, Menschen, die wenig Leseerfahrung haben, den Text zugänglicher zu machen. Wer zur reinen Unterhaltung liest, möchte dabei oft nicht viel nachdenken – und das ist natürlich in Ordnung so. Daher ist der einfache Stil in solchen Fällen genau richtig gewählt.<br>Ich benutze einfachen Stil meist dann, wenn eine eher bodenständige Figur Perspektive hat, spricht oder ihre Gedanken wiedergegeben werden. Das bedeutet nicht, dass die Figur dumm sein muss. Sie interessiert sich nur in diesem Moment für die naheliegenden Dinge (Essen, Schlaf, Sex u. ä.). Außerdem kann einfacher Stil wunderbar benutzt werden, um einen ansonsten ernsten Text durch humoristische Elemente aufzulockern. Auch für Sexszenen ist er eine Überlegung wert, jedenfalls dann, wenn es deftig zur Sache geht. Einfacher Stil nennt die Dinge klar beim Namen, und das kann gerade bei erotischen Szenen ein Vorteil sein.<br></p>



<figure class="wp-block-image size-large is-style-default"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="682" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0440-1024x682.jpg" alt="Junge Frau mit Tätowierungen (Symbolbild)" class="wp-image-2947" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0440-1024x682.jpg 1024w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0440-300x200.jpg 300w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0440-768x512.jpg 768w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0440-650x433.jpg 650w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0440.jpg 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Wäre einfacher Stil eine Person, wäre er ein offenherziger Teenager.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Mittlerer Stil – die Stütze des Textes</h2>



<p>Mittlerer Stil begegnet einem überall: in Romanen, in Gebrauchsanleitungen, in wissenschaftlichen Texten. Er enthält weder poetische Wörter noch Umgangssprache, kann aber, wenn nötig, Fachausdrücke enthalten. Der Satzbau kann komplex sein. Unübersichtlich sollte er aber nicht werden. Zusammenfassende Passagen sind in Romanen fast immer in mittlerem Stil geschrieben. Er fällt beim Lesen kaum auf, denn der Inhalt steht im Vordergrund, nicht die Sprache. Das bedeutet aber nicht, dass mittlerer Stil sachlich und knochentrocken sein muss. Weil er Informationen präzise und anschaulich vermittelt, kann er eine dichte Atmosphäre schaffen.<br>In mittlerem Stil zu schreiben, ist nicht unbedingt leicht. Treffende Worte zu finden und auch komplizierte Zusammenhänge verständlich darzustellen, stellt eine Herausforderung dar. Dabei werden Textstellen in mittlerem Stil Leser*innen kaum wegen einer besonders gelungenen Formulierung im Gedächtnis bleiben. Und doch ist er der Grundstoff von Texten, die Substanz, die sie zusammenhält. Er erklärt alles, verknüpft alle Zusammenhänge her und stellt sicher, dass nichts unklar bleibt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="682" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0441-1024x682.jpg" alt="Mann mit Buch (Symbolbild)" class="wp-image-2946" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0441-1024x682.jpg 1024w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0441-300x200.jpg 300w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0441-768x512.jpg 768w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0441-650x433.jpg 650w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0441.jpg 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Wäre mittlerer Stil eine Person, wäre er ein kluger und geduldiger Lehrer.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Erhabener Stil – emotional, kunstvoll, vielfältig</h2>



<p>Besondere Momente brauchen eine besondere Sprache. Dazu ist erhabener Stil da. In Romanen kommen Situationen vor, in denen die Figuren schlimme oder wunderbare Dinge erleben, von starken Gefühlen überwältigt werden usw. Hier gilt: Je stärker die Gefühle, desto eher ist erhabener Stil geeignet.<br>Was bewegt Figuren in einem Roman besonders? Das hängt natürlich von der Figur ab. Aber was es auch sein mag: der großen Liebe zu begegnen, erschütternde Erlebnisse durchzumachen, in der Natur zur Ruhe zu finden, das alles sind Momente, die nach erhabenem Stil rufen.<br>Bei erhabenem Stil geht es nicht nur im poetische Sprache, die auch manchmal unpassend wäre. Autor*innen steht ein ganzes Arsenal an Stilmitteln zur Verfügung, um ihren Worten Gewicht zu verleihen. Wenn du dich fragst, wann der Moment gekommen ist, es zu nutzen: jetzt! Mache diesen Moment in deinem Buch mit deinen Worten so unvergesslich, wie er es für deine Figur ist. Cicero hat einen schönen Vergleich für den Einsatz von Stilmitteln: Wenn der Text der Nachthimmel ist, sind die Stilmittel die Sterne, die daran funkeln. Dabei ist erhabener Stil nicht unbedingt auch schön, denn er behandelt ernste und schreckliche Themen ebenso wie erfreuliche.<br>Wirkt der erhabene Stil aber schwülstig oder gekünstelt, ist etwas schief gelaufen. Sinnvoll eingesetzte poetische Worte und Stilmittel fügen sich in den Text ein. Wer ihn liest, wird emotional mitgerissen, doch nicht durch überkandidelte Formulierungen verwirrt. Denk daran: Es geht nicht darum, allen zu zeigen, was du für ein*e talentierte*r Wortkünstler*in bist. Es geht darum, deine Geschichte möglichst angemessen zu erzählen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="913" height="564" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0442.jpg" alt="Alter Mensch mit Brille, schreibend (Symbolbild)" class="wp-image-2954" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0442.jpg 913w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0442-300x185.jpg 300w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0442-768x474.jpg 768w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/06/ACS_0442-650x402.jpg 650w" sizes="(max-width: 913px) 100vw, 913px" /><figcaption>Wäre erhabener Stil eine Person, wäre er ein sensibler und nachdenklicher Poet.</figcaption></figure>



<p>Erhabener Stil kann ein intensives Leseerlebnis bieten, aber er stellt auch eine Gefahr für den Text dar, wenn er zu oft oder zu stark eingesetzt wird. Poetischen Stil zu lesen, kann anstrengend werden. Nicht immer ist er leicht zugänglich. Daher sage ich mir selbst immer wieder bei entsprechenden Textstellen: Sei präzise, auch bei der Wahl deiner Metaphern, Vergleiche und poetischen Worte. Hinterfrag dich selbst: Schreib nicht irgendwelchen sinnlosen Quark, nur weil es schön klingt. Übertreib es nicht. Vermeide inhaltliche Wiederholungen, in denen du dasselbe noch einmal mit anderen Wörtern ausdrückst (das darf nur Cicero!). Sieh zu, dass deine Textstellen in erhabenem Stil nicht zu lang werden – das hält auf Dauer nämlich kein Mensch aus. Und vor allem: Nichts wirkt so unfreiwillig komisch wie erhabener Stil an der falschen Stelle. Niemand möchte in poetischen Worten lesen, wie jemand Cornflakes isst und die Schüssel anschließend in die Spülmaschine stellt. Wirklich nicht. (Natürlich gilt das aber auch umgekehrt: Werden besondere, emotionale Momente in Geschichten nüchtern und sachlich beschrieben, wirkt der Stil distanziert und die Figur, die Perspektive hat, eventuell gefühlskalt. Dieser Umstand kann natürlich auch gezielt eingesetzt werden, z. B. zur Charakterisierung.)</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Rolle des persönlichen Geschmacks</h2>



<p>Davon abgesehen bleibt Stil natürlich auch immer in gewissem Rahmen eine Frage des persönlichen Geschmacks. Ich z. B. finde erhabenen Stil schnell überzogen und könnte die Wände hochgehen, wenn längere Passagen auf mich »schwurbelig« wirken, andere lieben genau das. Manche Menschen mögen emotionale Texte grundsätzlich nicht so sehr, manche mögen sie besonders.</p>



<p>Habt ihr euch jemals solche Gedanken gemacht? Oder passt sich euer Stil von ganz allein dem Inhalt an? Welches Buch gefällt euch besonders für seinen gelungenen Stil und was genau gefällt euch daran? Schreibt es mir in die Kommentare!</p>



<p>Eure Kaja</p>



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		<title>Von Selbstoptimierung, Trackern und Träumen</title>
		<link>https://www.kaja-evert.de/2021/05/30/blogartikel-von-selbstoptimierung-trackern-und-traeumen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Kaja]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 May 2021 04:07:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
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					<description><![CDATA[Baby, dream your dream. Close your eyes and try it: Dream you write a book. Dream that they will buy it. &#8211; Frei nach »Sweet Charity« – Baby, Dream Your Dream Seit über einem Jahr sitze ich jetzt allein in meiner Winzwohnung im Homeoffice. Da kommt frau auf einige Gedanken, gute und schlechte. Ein guter [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Baby, dream your dream. <br>Close your eyes and try it: <br>Dream you write a book. <br>Dream that they will buy it. </p><cite>&#8211; Frei nach »Sweet Charity« – Baby, Dream Your Dream </cite></blockquote>



<p>Seit über einem Jahr sitze ich jetzt allein in meiner Winzwohnung im Homeoffice. Da kommt frau auf einige Gedanken, gute und schlechte. Ein guter Gedanke: Nicht länger rumsitzen, sondern endlich etwas tun, um die eigenen Träume zu verwirklichen!</p>



<p>Ich habe schon seit meiner Kindheit den großen Wunsch, viele Menschen mit meinen Büchern zu erreichen und zu begeistern, meinen eigenen Weg zu gehen. Als Autorin habe ich seitdem einige Erfolge gehabt, aber auch viele Rückschläge eingesteckt, die ich endlich hinter mir lassen will. Ein möglicher Weg, meinen Traum zu verwirklichen, schien mir Selfpublishing zu sein.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Meine Arbeitsweise</h2>



<p>Ich schreibe jeden Tag, meistens ein festgelegtes Pensum von 500 Wörtern, oft wird es etwas mehr. Damit schaffe ich recht zuverlässig ein Buch im Jahr. Das überarbeite ich dann meist noch mehrere Monate lang, denn ich bin eine chaotische Schreiberin und meine Rohfassungen sind oft wirr. Das Überarbeiten benötigt daher viel Aufmerksamkeit und Mühe. Mit dem Buch, das am Ende herauskommt, bin ich dann nach vielen Selbstzweifel-Phasen meist einigermaßen zufrieden.</p>



<p>Seien wir ehrlich: Noch vor ca. 10 Jahren, vielleicht auch weniger, hätte es als Leistung gegolten, ein Buch im Jahr zu schreiben. Diese Zeiten sind vorbei. Im Selfpublishing ist es nicht unüblich, ein Buch pro Monat zu schreiben, es innerhalb eines Tages zu überarbeiten und dann zu veröffentlichen. Selfpublisher*innen haben oft einen derart hohen Wortoutput, dass ich mich angefangen habe zu fragen, warum die Wortanzahl des NaNoWriMo (50.000 Wörter in einem Monat) eigentlich als hoch gilt – offenbar ist sie mittlerweile eher niedrig. Diese Zahlen kann ich nur staunend bewundern. Entsprechend sieht der Markt aus: Die Leser*innen erwarten schnellen Nachschub an Lesestoff. Ratgeber schreiben, das absolute Minimum im Selfpublishing wären zwei und ein guter Schnitt acht Bücher pro Jahr. Ich habe keine Ahnung, wie ich auch nur annähernd zwei schaffen soll. Selbst wenn ich nicht Vollzeit arbeiten würde, wären zwei Bücher mit meiner Arbeitsweise schon schwierig.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="681" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/05/address-book-2246432_1280-1024x681.jpg" alt="" class="wp-image-2886" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/05/address-book-2246432_1280-1024x681.jpg 1024w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/05/address-book-2246432_1280-300x199.jpg 300w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/05/address-book-2246432_1280-768x511.jpg 768w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/05/address-book-2246432_1280-650x432.jpg 650w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/05/address-book-2246432_1280.jpg 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Ich liebe das Schreiben – aber warum macht es immer sooo viel Arbeit?! (Symbolbild)</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Die Konsequenz</h2>



<p>Es erschien mir sinnvoll, die eigene Arbeitsweise zu hinterfragen und zu ändern.<br>Also habe ich genau darauf geachtet, wie ich schreibe, und überall nach möglichen Fehlerquellen gesucht. Nach Dingen, die mich aufhalten und meinen Output verringern. Ich habe überlegt, wie ich meine Arbeitsweise ändern kann, mir Videos dazu angesehen, wie ich mein Wort-Output vergrößern kann, und tatsächlich: Es funktionierte. Jeden Tag habe ich meinen Wordcount festgehalten, und jeden Tag sollte es etwas mehr werden als am Tag davor. So viel ich aber auch schrieb, genug war es trotzdem nie. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass die Qualität doch ziemlich zu wünschen übrig ließ. Als würde meine Geschichte mit der Geschwindigkeit, in der ich sie schrieb, nicht mehr mithalten können.<br>Ich wurde gestresst, hatte keinen Spaß mehr am Schreiben, fing sogar an, die Geschichte, an der ich arbeitete, nicht mehr zu mögen. Der Gedanke, nach ihrer Fertigstellung sofort mit der nächsten anfangen zu müssen, dann mit der übernächsten, belastete mich. Auch hatte ich das Gefühl, gleich alles möglichst perfekt schreiben zu müssen, weil ich mir keine Zeit zum Überarbeiten nehmen durfte – das würde ja meinen Output bremsen.</p>



<p>Nach einer Weile war ich mit den Nerven fertig und hatte den Eindruck, meine aktuelle Geschichte komplett ruiniert zu haben. Meine Laune war mies genug, um meine besten Freunde zu verscheuchen. Mir wurde klar, dass es so nicht weitergehen konnte.<br>Mein erster Schritt war eine Woche Schreibpause. Als Nächstes habe ich sämtliche Tracker aus meinem Leben verbannt. Zuerst meine Wordcount-Tracker (ich halte noch immer meine Wortzahlen fest, aber jetzt sind auch niedrige in Ordnung), aber auch alle anderen, die der Selbstoptimierung dienten. Was für eine Entlastung!</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="497" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/05/ACS_0429-1024x497.jpg" alt="" class="wp-image-2888" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/05/ACS_0429-1024x497.jpg 1024w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/05/ACS_0429-300x146.jpg 300w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/05/ACS_0429-768x373.jpg 768w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/05/ACS_0429-650x315.jpg 650w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/05/ACS_0429.jpg 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Lesen soll Spaß machen und entspannen – warum sich beim Schreiben so unter Druck setzen? (Symbolbild)</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Die Bestandsaufnahme</h2>



<p>Offenbar bauche ich Zeit, um den Geschichten, die ich erzählen möchte, gerecht zu werden. Immerhin bearbeite ich Themen, die einige Recherche benötigen, stoße Charakterentwicklungen an, die Zeit brauchen, will meine Worte manchmal mit Sorgfalt wählen, wenn es um schwierige und belastende Situationen geht, und habe oft Handlungen mit vielen Strängen. Da ist die Frage, ob ich auch genug geschrieben habe, meistens fehl am Platz. Nicht die Menge an Text zählt, sondern ob es Text ist, mit dem ich zufrieden bin. Natürlich ist es auch möglich, eine komplexe Geschichte in kürzester Zeit zu schreiben. Das bewundere ich sehr. Nur ich kann es offenbar nicht.</p>



<p>Auch meine Arbeitsweise braucht Zeit. Ich gehöre zu den sogenannten strukturschaffenden Schreibtypen, deren Geschichten organisch wachsen. Zwar glaube ich, dass die stärker planenden Schreibtypen insgesamt einen großen Vorteil haben. Aber das heißt nicht, dass meine Methode nicht funktioniert. Damit sie es aber tut, muss ich ihr die nötige Zeit einräumen.</p>



<p>Ich arbeite Vollzeit und mag meinen Job. Aber leider habe ich dadurch auch nicht sehr viel Zeit zum Schreiben. Generell ist vorgesehen, nicht mehr als 8 Stunden am Tag zu arbeiten, und das kann manchmal schon ziemlich werden. Auch Schreiben ist Arbeit. Wer acht Stunden täglich Zeit zur Verfügung hat, um zu schreiben, schafft natürlich mehr Wörter als ich, die in dieser Zeit etwas anderes tut. Deshalb brauche ich mir keine Vorwürfe zu machen, auch wenn ich mir natürlich oft mehr Zeit zum Schreiben wünsche.</p>



<p>Ich kann nicht nur schreiben, sondern auch zeichnen. Wenn ich möchte, dass meine Geschichten in Erinnerung bleiben, will ich dafür in Zukunft verstärkt auch meine Zeichen-Fähigkeiten einsetzen. So habe ich z. B. ein Konzept für Illustrationen für meinen Dark-Fantasy-Roman »Dornenritter« entwickelt, der noch dieses Jahr erscheint (allerdings in einem Verlag, was mich sehr freut). Und inzwischen sind auch schon alle 30 Illustrationen fertig geworden. 🙂</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Fazit</h2>



<p>So werde ich also weiterschreiben, wie ich schreibe, und mir soviel Zeit für meine Geschichten nehmen, wie sie nun einmal brauchen. Seitdem schreibe ich wieder gerne.</p>



<p>Versteht mich nicht falsch: Mein Traum hat sich nicht geändert. Ich möchte noch immer möglichst viele Menschen mit meinen Geschichten erreichen und begeistern, meinen eigenen Weg gehen und Rückschläge hinter mir lassen. Nur kann ich es wohl leider nicht auf dem Weg schaffen, der fürs Selfpublishing optimal ist. Es wird so sicher noch viel schwieriger für mich, mich als Autorin zu etablieren, als es ohnehin schon ist. Aber es ist mein Weg. Wie Naruto sagen würde: Mein Weg des Ninja!</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Life will be frozen peaches and cream.<br>Baby, dream your dream!</p><cite>Sweet Charity</cite></blockquote>



<p>Wie schnell lest oder schreibt ihr und was sind eure Voraussetzungen? Schreibt es mir in die Kommentare!</p>



<p>Eure Kaja</p>



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		<title>Back to the Roots: Dämonen, Schwarzmagier, Schwerter</title>
		<link>https://www.kaja-evert.de/2021/04/18/back-to-the-roots-daemonen-schwarzmagier-schwerter/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Kaja]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Apr 2021 06:20:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Der Schnitter]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Schreibupdate]]></category>
		<category><![CDATA[dämon]]></category>
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		<category><![CDATA[wip]]></category>
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					<description><![CDATA[Nach dem Roman ist vor dem Roman! Auch wenn die Überarbeitung meines Dark-Fantasy-Epos »Nebelritter« noch nicht ganz abgeschlossen ist, habe ich den April genutzt, um ein neues Projekt anzufangen. Es läuft bei mir unter dem Arbeitstitel »Der Schnitter« (den es aber leider nicht auf Dauer behalten kann, weil es schon einen anderen Roman mit diesem [&#8230;]]]></description>
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<p>Nach dem Roman ist vor dem Roman! Auch wenn die Überarbeitung meines Dark-Fantasy-Epos »Nebelritter« noch nicht ganz abgeschlossen ist, habe ich den April genutzt, um ein neues Projekt anzufangen. Es läuft bei mir unter dem Arbeitstitel »Der Schnitter« (den es aber leider nicht auf Dauer behalten kann, weil es schon einen anderen Roman mit diesem Titel gibt).</p>



<p>Beim »Schnitter« handelt es sich um ein Projekt, dessen Grundidee schon ziemlich alt ist, mehr als 10 Jahre. Seitdem habe ich es in unterschiedlichen Settings angesiedelt und den Figuren probeweise einen unterschiedlichen Hintergrund gegeben, es aber nie fertiggestellt. Das grundsätzliche Thema ist immer gleich: Ein Schwarzmagier und jemand von einer Institution, die Schwarzmagier bekämpft, müssen zusammenarbeiten, um einen Dämonenkult zu infiltrieren. Diesmal will ich den Roman endlich zu Ende bringen und veröffentlichen!</p>



<p>Und darum geht’s:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Inquisitor Kjeld Jäger ist sich sicher: Nur ein toter Schwarzmagier ist ein guter Schwarzmagier. Er will den Schnitter vernichten, den Dämon, der seinen Partner Gero tötete, und die Magier, die ihn einst beschworen haben. Doch mitten in der unwirtlichen Tundra von Ierem, wo sich der Schnitter verborgen hält, begegnet er Blutmagier Nino. Beide sind gezwungen zusammenzuarbeiten, um eine Chance gegen den Schnitter zu haben. Aber können sie einander trauen?</p></blockquote>



<p>Der »Blurb« (Ich liebe dieses Wort!) verrät: Es ist eine Geschichte von der Überwindung von Vorurteilen. Zugleich handelt es aber auch von der Versuchung des Bösen in Form von Machtgier und/oder blindem Fanatismus. Außerdem habe ich in dieser neuen Version die Beziehung zwischen den Figuren stärker in den Mittelpunkt gerückt – wo die Fetzen fliegen, fliegen vielleicht später auch die Funken.</p>



<p>Der »Schnitter« gehört meinem Lieblingsgenre Dark Fantasy an und ist entsprechend düster. Er unterscheidet sich von »Dornenritter« und »Nebelritter« aber in einigen Punkten:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Er ist kürzer und kompakter. Der Fokus liegt auf der Dynamik zwischen den Figuren. Außerdem versuche (!) ich diesmal ernsthaft, nicht 376 unterschiedliche Handlungsstränge einzubinden. Mal sehen, ob es funktioniert, oder ob ich doch wieder mindestens 120.000 Wörter brauche.</li><li>Trotz der düsteren Thematik ist der Roman etwas humoristischer und »leichter« wegen der vielen Wortgefechte der Hauptfiguren.</li><li>Diese etwas größere Leichtigkeit versuche ich auch sprachlich umzusetzen.</li></ul>



<p>Für die aktuelle Version habe ich eine meiner ältesten Geschichtenwelten wieder hervorgekramt, die Welt Menara, und lasse die Handlung dort spielen. Das klappt recht gut und ist für mich auch deshalb interessant, weil ich so wieder ein paar neue Details über Menara erfahre. Auf der anderen Seite kann ich Settings nutzen, die ich bereits kenne, was beim Arbeiten Zeit spart.</p>



<p>Es macht mir großen Spaß, lange nach den Romanen über den Magier und Antagonisten Galotta aus der Welt des Rollenspielsystems »Das Schwarze Auge« wieder einen etwas zweifelhaften Magiekundigen in einer Hauptrolle zu haben. Und sogar mit zahmer Fledermaus! Inquisitor Kjeld dagegen entspricht, durchdrungen vom Ideal toxischer Heldenhaftigkeit, eher dem Typus des tragischen Ritters. Die Figuren schreiben sich weitgehend von selbst. Und dann ist da natürlich noch der Schnitter, der geheimnisumwitterte Sensendämon, dem sich niemand nähern kann, ohne sofort zu sterben …</p>



<p>Ob ich diesen Roman im Selfpublishing oder bei einem Verlag herausbringen werde, wird sich zeigen.<br>Ich bin gespannt auf den Weg, den mein bisher schnittigstes Projekt (haha!) nehmen wird. Der grobe Plan ist, die Rohfassung, besser auch die Überarbeitung spätestens im Herbst zu beenden.</p>



<p>Habt trotz allem eine schöne Frühlingszeit! Welchen neuen Geschichten wollt ihr euch in diesem Frühling widmen?</p>



<p>Eure Kaja</p>



<p><sub>(Beitragsbild: <a href="https://www.instagram.com/fotowolter/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Thomas Wolter</a>, pixabay)</sub></p>



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		<title>Pfad durch den Nebel – Die Überarbeitung von »Nebelritter«</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kaja]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Mar 2021 08:08:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
		<category><![CDATA[Dunkle Ritter]]></category>
		<category><![CDATA[Kürzen]]></category>
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		<category><![CDATA[Schreibtipps]]></category>
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					<description><![CDATA[Traue keiner Rohfassung! Diese Weisheit hatte ich mir eingeprägt. Erst recht nicht, wenn du sie für besonders gelungen hältst. Die letzten beiden Male, als ich extrem stolz auf die Rohfassung von Romanen war, musste ich das Projekt ganz aufgeben (»Die Geister von San Turaco«) oder zur Hälfte neu konzipieren und zu mehr als einem Drittel [&#8230;]]]></description>
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<p>Traue keiner Rohfassung! Diese Weisheit hatte ich mir eingeprägt. Erst recht nicht, wenn du sie für besonders gelungen hältst. Die letzten beiden Male, als ich extrem stolz auf die Rohfassung von Romanen war, musste ich das Projekt ganz aufgeben (»Die Geister von San Turaco«) oder zur Hälfte neu konzipieren und zu mehr als einem Drittel komplett neu schreiben (»Dornenritter«).</p>



<p>An meinem Dark-Fantasy-Roman »Nebelritter« hatte ich schon ein Jahr gearbeitet, als ich im Dezember 2020 mit der Überarbeitung anfing (Der Roman hatte mich also durch das erste Jahr der Pandemie gebracht). Und ich war sehr misstrauisch. Überall schienen mir schwere Plotprobleme zu lauern, und ich glaubte meiner Alphaleserin Natascha (-&gt; zu ihrem <a href="https://aufanderenseiten.blog/" data-type="URL" data-id="https://aufanderenseiten.blog/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Blog</a>) nicht, als sie meinte, es seien gar keine extrem dramatischen Fehler zu finden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">20% Text für’n Eimer</h2>



<p>Erstaunlicherweise hatte sie recht. Trotzdem habe ich für die erste Überarbeitung von »Nebelritter« fast vier Monate gebraucht. Denn der Teufel steckte im Detail.</p>



<p>Ich habe extrem viel gekürzt – über 30.000 Wörter! Das waren fast 20% der Rohfassung von 155.000 Wörtern (aktuelle Wortzahl: 122.500 Wörter). Die Länge ist für einen Dark-Fantasy-Roman in meinen Augen nun optimal. Aber wie kamen all die überzähligen Wörter  zustande?</p>



<p>Die eine Hälfte davon war »Wortmüll«, um es drastisch zu sagen. Überflüssiger Text. Zu lange Beschreibungen, sinnlose Wiederholungen, Füllwörter usw. Ein weiterer Grund war aber auch, dass ich beim Schreiben dazu neige, viele »Fässer aufzumachen«, wie ich es nenne. Die Handlung wird durch viele Themen und Elemente überladen, dabei wären die häufig gar nicht nötig. Bei der Überarbeitung hat es mir geholfen, mir den Grobplot noch einmal genau vor Augen zu halten und alles zu tilgen, was nicht erforderlich war. Ein Beispiel: Eine der Hauptfiguren hat Probleme damit, anderen nahe zu sein. Dafür gab es verschiedene Gründe – und sie wurden alle in der Rohfassung ausgebreitet. Aber nur ein Grund ist für den Plot und die Figurenentwicklung wirklich wichtig. Beim Überarbeiten habe ich mich auf diesen einen wichtigen Punkt konzentriert und alle anderen Elemente gestrichen. Dadurch wurde die Geschichte nicht weniger komplex oder tiefgründig. Im Gegenteil, die wirklich wichtigen Elemente bekamen dadurch mehr Raum. <br>Übrigens: Wenn du mehr übers Kürzen wissen möchtest, lies meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.kaja-evert.de/2021/02/14/wie-dein-text-knackig-wird-tipps-zum-kuerzen/" data-type="URL" data-id="https://www.kaja-evert.de/2021/02/14/wie-dein-text-knackig-wird-tipps-zum-kuerzen/" target="_blank">Blogartikel</a> dazu!</p>



<p>Die Plotelemente, bei denen ich anfangs schwere Probleme witterte, erwiesen sich dagegen als weniger problematisch. Beispielsweise wird einer meiner Protagonisten in die Handlung verwickelt, weil er seinen besten Freund sucht. Ich hatte Sorge, die Suche nach dem Freund würde durch die vielen anderen Ereignisse in den Hintergrund treten. Das war aber gar nicht so.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Struktur schaffen oder der Struktur folgen?</h2>



<p>Ihr werdet jetzt vermutlich sagen: Schön und gut, Kaja, aber wäre es nicht intelligenter gewesen, dir alles, was du mühsam überarbeiten musstest, vor dem Schreiben zu überlegen? Da kann ich nur antworten: Auf jeden Fall! Aber ganz so einfach ist es nicht.</p>



<p>Spätestens seit einer Fortbildung zur Schreibberaterin an der TU Darmstadt weiß ich: Es gibt verschiedene »Schreibtypen«. Grob kann man sie in zwei Arten unterteilen: Die einen machen einen Plan und halten sich beim Schreiben daran (strukturfolgende Schreibtypen, im Schreibjargon »Plotter« genannt), andere schreiben erstmal etwas und sehen dann, welche Struktur dabei herauskommt (strukturschaffende Schreibtypen, auch »Pantser« genannt). Offensichtlich gehöre ich eher zur zweiten Sorte. Ich plotte zwar immer vor dem Schreiben, aber grob. Details ergeben sich beim Arbeiten. Wenn ich detailliert plotte – ist ja nicht so, als hätte ich das noch nie probiert – passen meine vorigen Überlegungen oft nicht gut zur Geschichte, oder ich halte mich einfach nicht an den ursprünglichen Plan. Daher fürchte ich, dass ich immer mehr Zeit zum Überarbeiten und Schreiben brauchen werde als andere. Das macht mich häufig unzufrieden mit meiner Arbeitsweise.<br>Was ich trotzdem aus der Fortbildung mitgenommen habe: Strukturschaffende Schreibtypen sind nicht »schlechter« als ihre organisierteren Kolleg*innen. Sie haben zwar mit besonderen Problemen zu kämpfen, aber dafür sind sie z. B. auch flexibel beim Arbeiten und stets offen für neue Inspiration.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit</h2>



<p>Bei »Nebelritter« müssen jetzt noch Rückmeldungen vom Betalesen eingebaut werden und eine abschließende Stilkorrektur steht auch noch aus (im Großen und Ganzen überarbeite ich aber immer alle Baustellen im Text parallel). Insgesamt gefällt mir der Roman jetzt richtig gut, auch wenn ich beim Schreiben und Überarbeiten viele Zweifel habe. »Nebelritter« ist, obwohl er zum Dark-Fantasy-Genre gehört und düstere und abgründige Themen behandelt, weniger »hart« als sein Romanbruder »Dornenritter«. Das liegt vor allem an einem der beiden Protagonisten, Lucien, dem Ritter mit der Sonnenseele.</p>



<p>Ich werde meine Nebelritter sehr vermissen und bin froh, dass immerhin schon mehrere neue Projekte in Planung sind. Eines davon hat gute Aussichten, mein nächster Roman zu werden. Und bei ihm werde ich es noch einmal mit detaillierterem Plotten versuchen. Ich bin neugierig, ob ich dadurch mein Schreibtempo doch etwas steigern kann.</p>



<p>Und natürlich bin ich auch gespannt, welches weitere Schicksal »Nebelritter« erwartet. Ich werde diesen Roman auf alle Fälle veröffentlichen, aber ob im Verlag oder im Selfpublishing, wird sich zeigen.</p>



<p>Was sind deine Erfahrungen beim Überarbeiten?</p>



<p>Deine Kaja</p>



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		<title>Wie dein Text knackig wird &#8211; Tipps zum Kürzen</title>
		<link>https://www.kaja-evert.de/2021/02/14/wie-dein-text-knackig-wird-tipps-zum-kuerzen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Kaja]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Feb 2021 06:47:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kürzen]]></category>
		<category><![CDATA[Nebelritter]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Schreibtipps]]></category>
		<category><![CDATA[Überarbeitung]]></category>
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					<description><![CDATA[Erschrocken starrte ich auf die Gesamtwortzahl meines Manuskripts. 155.000 Wörter. Ernsthaft? So lang? Ich wusste ja, dass mein Dark-Fantasy-Roman »Nebelritter« ein dicker Schinken werden würde. Aber das hier bedeutete definitiv: Ich würde wohl kürzen müssen. Warum überhaupt kürzen? Es ist aber doch deine Geschichte, mögt ihr sagen. Kann sie nicht so lang sein, wie du [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Erschrocken starrte ich auf die Gesamtwortzahl meines Manuskripts. 155.000 Wörter. Ernsthaft? So lang? Ich wusste ja, dass mein Dark-Fantasy-Roman »Nebelritter« ein dicker Schinken werden würde. Aber das hier bedeutete definitiv: Ich würde wohl kürzen müssen.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum überhaupt kürzen?</h2>



<p>Es ist aber doch deine Geschichte, mögt ihr sagen. Kann sie nicht so lang sein, wie du möchtest? Ja, natürlich. Und: nein, eher nicht.<br>Würde ich meine Geschichten nicht schreiben, damit sie von anderen Menschen gelesen werden, wäre die Länge wirklich egal. Aber wenn man veröffentlichen möchte, sprechen bei sehr langen Geschichten in meinen Augen mehrere Dinge fürs Kürzen:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Der finanzielle Aspekt. Dicke Bücher haben mehr Seiten und kosten daher mehr, sowohl beim Druck als auch beim Verkauf. Leser*innen trennen sich aber verständlicherweise ungern von ihrem Geld, vor allem, wenn sie für den Preis vielleicht zwei andere Bücher bekommen. Ebooks können zwar beliebig wenig kosten, aber auch hier wird für umfangreichere Ebooks (zurecht) meist auch mehr Geld verlangt. </li><li>Die Zeit der Leser*innen: Viele Menschen lesen lieber kurze Bücher, weil sie wenig Zeit haben oder in der Zeit, die sie haben, einfach mehr Bücher lesen können. Woher sollen die Leser*innen wissen, dass mein Buch es wert ist, viel Zeit zu investieren? Sie möchten vielleicht erst einmal kürzeren Texten eine Chance geben.</li><li>Natürlich haben auch lange Geschichten ihre Berechtigung. Ich persönlich liebe sie besonders. Aber es gibt so viele Bücher. Warum sollten sich Menschen ausgerechnet dafür entscheiden, meins zu lesen? Die Antwort muss wohl sein: Weil es sich lohnt. Aber es lohnt sich nicht, wenn die Geschichte langatmig und voll von überflüssigem Geschwurbel ist.</li></ul>



<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="607" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/crumpled-paper-1852978_1280-1024x607.jpg" alt="Zerknülltes Papier und Stift (Symbolbild)" class="wp-image-2705" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/crumpled-paper-1852978_1280-1024x607.jpg 1024w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/crumpled-paper-1852978_1280-300x178.jpg 300w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/crumpled-paper-1852978_1280-768x455.jpg 768w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/crumpled-paper-1852978_1280-650x385.jpg 650w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/crumpled-paper-1852978_1280.jpg 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Überflüssig? Weg mit dem Zeug!</figcaption></figure></div>



<h2 class="wp-block-heading">Vor dem Kürzen</h2>



<p>Ich bin der Ansicht, eine gute Geschichte lässt sich immer auch in akzeptablem Umfang erzählen (bei mehrbändigen Geschichten gilt das pro Band). Wieso also habe ich etwas so Langes geschrieben? Andere Autor*innen schreiben ihre Rohfassung so knapp, dass sie später noch Inhalte ergänzen müssen und ihrer Geschichte quasi Fleisch auf die Knochen bringen. Was mache ich also anders?<br>Erstmal liebe ich lange, epische Geschichten und will sie daher auch selbst schreiben. Das ist okay. Ein anderer Punkt ist, dass ich eine sogenannte »Plantserin« bin: Ich plane meinen Plot, aber nicht bis ins letzte Detail, und ein Teil der Geschichte entwickelt sich immer beim Schreiben. Daher gibt es meistens einige überflüssige Aspekte und tote Enden im Text. Auch habe ich meist alles aufgeschrieben, was ich gerade interessant fand, ohne zu prüfen, ob es wirklich zentral für die Geschichte ist ist. Vor dem Kürzen halte ich mir daher den grundlegenden Plot noch einmal vor Augen. Er ist sozusagen mein Leuchtturm bei der Überarbeitung.<br>Außerdem schreibe ich viele Anmerkungen in den Text, die beim Überarbeiten herausfallen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Inhaltlich kürzen</h2>



<p>Wie gesagt ist der grundlegende Plot für mich die wichtigste Stütze beim Kürzen. Ich nehme mir jede Szene vor und prüfe sie vor allem auf zwei Elemente: 1. Die Funktion der Szene für den Gesamtplot, 2. den zentralen Konflikt der Szene (ja, ich gehöre zu den Autor*innen, die Szenen auf der Grundlage von Konflikten schreiben).<br>Beim Kürzen nehme ich dann alles heraus, was nicht zum Plot oder zum Konflikt der Szene beiträgt:</p>



<ul class="wp-block-list"><li><strong>Nebenhandlungen</strong> und <strong>Nebenaspekte</strong>, die sich im Nachhinein als verzichtbar herausstellen (Kann ich die Krankheit meines Protas streichen, ohne dass der Plot leidet? Ja! Ist die verflossene Liebschaft des Anführers der Ritter des Lichts wirklich so wichtig für seine Charakterisierung? Nö, sein Charakter wird durch andere Elemente klar genug. Soll ich beibehalten, dass zu Anfang die Fiedel meines Protas in den Fluss fällt? Ja, weil die Fiedel später noch als Symbol wichtig wird. usw.)</li><li><strong>Inhaltswiederholungen</strong>. Die sind leider oft schwer zu finden. Ich versuche möglichst bei jedem Satz zu prüfen: Bringt der etwas Neues oder war genau das schon mal dran? Natürlich sind manchmal inhaltliche Wiederholungen auch wichtig, damit die Leser*innen nicht vergessen, was noch mal Sache war.</li><li><strong>Beschreibungen</strong>, wenn sie länger als wenige Sätze sind. Natürlich sind sie bedeutsam für die Atmosphäre einer Geschichte. Beim Kürzen versuche ich, 2 &#8211; 3 besonders wichtige Elemente aus der Gesamtbeschreibung herauszuziehen und aus ihnen eine neue Beschreibung zu machen – meist wesentlich kürzer als die alte und trotzdem so, dass nichts Bedeutendes verloren geht.</li></ul>



<p>Neben diesem Ansatz verfolge ich noch einen zweiten: Kein Satz, möglichst kein Wort im Text soll überflüssig sein. Natürlich bin ich weit davon entfernt, das jemals zu erreichen! Aber was ist dann eigentlich nicht überflüssig? Kann man nicht einfach gleich auf den ganzen Roman verzichten? 😉<br>Überflüssig ist für mich Text dann nicht, wenn er a) für den Plot und/oder b) für die Charakterisierung von Figuren und/oder c) für die Atmosphäre der Geschichte wichtig ist. Dabei halte ich den Plot für wichtiger als die Charakterisierung und die für wichtiger als die Atmosphäre. Ich sehe mir also an, ob das Textstück, das ich streichen möchte, für einen der drei Aspekte relevant ist. Wenn ja, darf es bleiben.<br>Inhaltliche Kürzungen fallen bei mir oft umfangreich aus. Ganze Szenen und Kapitel sind schon rausgeflogen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kill your darlings?</h2>



<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="682" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/angel-1026438_1280-1024x682.jpg" alt="gebrochener Engelsflügel und Grabstein (Symbolbild)" class="wp-image-2701" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/angel-1026438_1280-1024x682.jpg 1024w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/angel-1026438_1280-300x200.jpg 300w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/angel-1026438_1280-768x512.jpg 768w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/angel-1026438_1280-650x433.jpg 650w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/angel-1026438_1280.jpg 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Sollen deine Lieblinge wirklich sterben?!</figcaption></figure></div>



<p>Wer schon einmal auf diesen verbreiteten Schreibtipp gestoßen ist, hat sich vielleicht gefragt: Was soll das denn? Warum soll ich ausgerechnet das in meinem Text streichen, was mir am besten gefällt? Das ist natürlich nicht gemeint, sondern: Es gibt häufig Szenen, Ideen, Figuren, Formulierungen, die einem selbst vielleicht gefallen, aber für den Plot oder andere Aspekte des Romans irrelevant sind. Manchmal stammen sie noch aus dem Anfang des Schreibprozesses, aber der Roman hat sich inzwischen in eine andere Richtung entwickelt. Sie zu streichen, kann den Text straffen und ist daher empfehlenswert. Und nichts ist jemals umsonst geschrieben: Ich bewahre solche gestrichenen »Perlen« in einer Extra-Datei auf, die ich »Ausschuss« nenne. Vielleicht kann ich sie später in einem anderen Kontext oder in einer anderen Geschichte noch einmal verwenden.<br>Epische Erzählweise hat ihre Berechtigung, und meine Romane z. B. bleiben episch, selbst wenn meine Lieblinge manchmal sterben müssen. 😉 Was gestrichen werden kann, ohne dass jemand es vermisst, ist wohl wirklich überflüssig.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Stilistisch kürzen</h2>



<p>Hier empfehle ich das folgende Buch: Stein, Sol: Über das Schreiben, Berlin (2)2015. Es enthält ein wunderbares Kapitel über stilistisches Kürzen, das hilft, jedes überflüssige Wort aufzuspüren.<br>Als da z. B. wären:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Nichtssagende, ausgelutschte Adjektive, Adverbien und sonstige Formulierungen. Adjektive sind nicht generell überflüssig, wie ein Schreib-Trend vor einigen Jahren verkündete, aber manche haben so gut wie keine inhaltlichen Mehrwert.<ul><li><em>Sie betrat die große Säulenhalle. </em>(Säulenhallen sind selten klein, und gibt es vielleicht ein Adjektiv, das den Ort besser beschreibt?)</li><li><em>Mit seinem Finger blätterte er eine Seite des Buches um. </em>(Wie denn sonst, mit der Nase? Außerdem befinden sich Seiten meistens in Büchern; wenn man weiß, dass er ein Buch hat, kann man auch das weglassen.)</li><li><em>Das Ungeheuer bleckte die rasiermesserscharfen Zähne.</em> (Schon mal eine Rasur mit diesen Zähnen versucht? Außerdem ist diese Formulierung sehr ausgelutscht. Weg damit.)</li><li>usw.</li></ul></li><li>Füllwörter. Das Schreibprogramm Papyrus Autor hat eine Stilkorrektur-Funktion, die Füllwörter aufspürt. Sehr praktisch! Sie zeigt aber auch, dass längst nicht jedes Füllwort überflüssig ist.Trotzdem bin ich immer wieder erstaunt, wieviel »Wortmüll« auch nach dem Aufräumen oft noch in meinem Text ist.</li></ul>



<h2 class="wp-block-heading">Kürzere Texte = weniger komplexe Texte?</h2>



<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/ACS_0370-1024x768.jpg" alt="&quot;Blutende&quot; Geschichte (Symbolbild)" class="wp-image-2682" srcset="https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/ACS_0370-1024x768.jpg 1024w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/ACS_0370-300x225.jpg 300w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/ACS_0370-768x576.jpg 768w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/ACS_0370-1536x1152.jpg 1536w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/ACS_0370-2048x1536.jpg 2048w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/ACS_0370-650x488.jpg 650w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/ACS_0370-261x196.jpg 261w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/ACS_0370-540x406.jpg 540w, https://www.kaja-evert.de/wp-content/uploads/2021/02/ACS_0370-1320x990.jpg 1320w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>»Blutet« eine Geschichte beim Kürzen?</figcaption></figure></div>



<p>Vielleicht fragt ihr: Aber wenn du deinen Text kürzt, gehen dann nicht die ganzen schönen Details verloren? Wird der Text nicht platt und eindimensional? Ist der Text nicht vielfältiger, wenn er länger ist, und dadurch auch anspruchsvoller und besser? »Blutet« er nicht?<br>Nein.<br>Bücher bilden nicht die Realität ab (und die ist wahrhaftig unüberschaubar komplex), sie reduzieren. Das ist auch gut und richtig so. Komplexität und Anspruch liegen im Inhalt, nicht in der Länge eines Romans. Zu kürzen bedeutet nicht, die Komplexität und den Anspruch zu reduzieren, sondern im Gegenteil, die Aspekte, die den Roman komplex und anspruchsvoll machen, deutlicher herauszuarbeiten, damit sie nicht im Gelaber ringsum untergehen. Wenn der Plot komplex ist, bleibt der Roman es auch nach dem Kürzen. Außerdem sind komplexere und anspruchsvollere Texte oft auch beim Lesen schwerer zugänglich. Deshalb halte ich es für besonders wichtig, dass sie die Leser*innen nicht verwirren, indem sie jede Menge überflüssige Elemente enthalten. Ich möchte, dass meine Romane angenehm zu lesen sind, selbst wenn es darin vielleicht inhaltlich manchmal ans Eingemachte geht. Ist der Text gekürzt, ist er straffer, knackiger, aber auch: besser strukturiert, übersichtlicher, mit dynamischeren Szenen und Konflikten, die stärker auf den Punkt gebracht sind. Es ist ein Text, der beim Lesen mehr Spaß macht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Textbeispiel</h2>



<p>[su_expand more_text=&#8220;- Mehr anzeigen -&#8220; less_text=&#8220;- Weniger anzeigen -&#8220; height=&#8220;0&#8243; hide_less=&#8220;no&#8220; text_color=&#8220;#default&#8220; link_color=&#8220;#default&#8220; link_style=&#8220;default&#8220; link_align=&#8220;left&#8220; more_icon=&#8220;&#8220; less_icon=&#8220;&#8220; class=&#8220;&#8220;]</p>



<p>Der folgende Text stammt aus meinem Dark-Fantasy-Roman »Nebelritter«. Die Passage ist sicher generell nicht meine beste, denn sie dient vor allem der Überleitung zwischen zwei Szenen und der Übermittlung von Informationen (das muss auch mal sein). Man sieht hier aber ganz gut, wo und wie ich gekürzt habe:</p>



<p>Alter Text:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Selbst der Sommerhimmel über der Heiligen Stadt war trüb. Ein ferner, klebriger Nebel hing über dem Großen Dom, trotzdem brütete die Luft Schwüle. Tibault schwitzte unter seiner Rüstung, während er Vater Benoît durch die mit Girlanden und Fähnchen geschmückten Straßen folgte. (Anmerkung: Hier ist Gelegenheit, die neue Rüstung der Schattenlöwen ggf. genauer zu beschreiben.)<br>Es war lange her, dass Benoît ihn aus der Grube aufgelesen hatte. Seitdem hatte er sich jeden Tag unter den wachsamen Augen des Priesters im Kampf geübt; zuerst mit Holzstöcken, dann mit scharfen Klingen. Unzählige Male war er vor Erschöpfung zusammengebrochen oder hatte sich übergeben, bis sein Körper schließlich selbst zur Klinge wurde. Unnachgiebig, erbarmungslos.<br>Inzwischen verstand er sich darauf, zwei der leicht gebogenen Schwerter zugleich zu führen, mit denen die Schattenlöwen ausgestattet waren. Er war ein vollwertiges Mitglied des Ordens, kein wehrloses Kind mehr. Dennoch erfüllte ihn der Anblick des Doms mit hilfloser Ehrfurcht wie beim ersten Mal, als er die Brücke überquert hatte. Er war froh, dass sich wie damals Vater Benoît an seiner Seite befand.<br>Heute war der Tag der Wunder, eins der höchsten Feste der Kirche in der Heiligen Stadt. Der Dombezirk wurde für alle geöffnet. An diesem Tag trat der Erzbischof persönlich vor das Volk und wirkte seinen Segen. Tibault hatte gehört, er könne Wunden und Krankheiten heilen, ja sogar Tote wieder zum Leben erwecken. Gesehen hatte er es noch nicht. Als Fetzenseele blieb ihm der Zugang zum Großen Dom gewöhnlich verwehrt, zumindest solange dort Gottesdienste und andere Feierlichkeiten stattfanden. Nur nachts durfte er dort hin und wieder die Beichte ablegen. Doch nicht der Gedanke an ein bevorstehendes Wunder ließ Tibaults Herz schmerzhaft heftig klopfen. Heute war der Tag, an dem er sich beweisen durfte – beweisen musste. Der einzige Tag, der ihm blieb, um Vater Benoît – um der Welt zu zeigen, dass er, die Fetzenseele, das Recht hatte, unter all den anderen vollständigen Seelen überhaupt zu existieren.</p><cite><em>Nebelritter, Rohfassung</em></cite></blockquote>



<p>Was für ein Geschwafel!<br>Die Leser*<em>i</em>nnen sollen in dieser Szene vor allem folgende Informationen erhalten: a) Seitdem sie meinem Protagonisten Tibault zum letzten Mal begegnet sind, ist einige Zeit vergangen: Inzwischen ist er ein Ritter geworden. b) Heute ist ein Feiertag, an dem der Erzbischof Kranke heilt. c) Außerdem ist der Tag für Tibault wichtig, weil er sich beweisen muss. </p>



<p>Beim Kürzen habe ich alle irrelevanten Aspekte einfach herausgenommen, vor allem aber die Rückblende, die ohnehin nur Behauptungen aufstellt, anstatt wirklich etwas zu »zeigen«. Dass Tibault Rüstung und Schwerter trägt, sagt genug über seinen Status aus. Die Leser*innen werden ihn später noch beim Kämpfen erleben. Unwichtig ist auch, wer den Dom betreten darf oder wann Tibault schon dort war.</p>



<p>Neuer Text:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Der Sommerhimmel der Heiligen Stadt war trüb. Ein ferner, klebriger Nebel hing über dem Großen Dom, die Luft brütete Schwüle. Tibault schwitzte unter seiner Rüstung und dem dunkelgrauen Umhang mit Kapuze, während er Vater Benoît durch die mit Girlanden und Fähnchen geschmückten Straßen folgte. Die Menschen, an denen er sich vorbeidrängte, blickten mit Misstrauen und Angst auf die beiden Schwerter, die er am Gürtel trug.<br>Heute war der Tag der Wunder, das höchste Fest in der Heiligen Stadt. An diesem Tag trat der Erzbischof persönlich vor das Volk. Tibault hatte gehört, er könne Verletzungen und Krankheiten heilen, ja sogar Tote wieder zum Leben erwecken. Doch nicht der Gedanke an ein bevorstehendes Wunder ließ sein Herz schneller klopfen. Heute musste er sich als Krieger der Schattenlöwen vor dem Erzbischof beweisen. Er musste Vater Benoît und der Welt zeigen, dass er, die Fetzenseele, das Recht hatte, unter all den vollständigen Seelen überhaupt zu existieren.</p><cite><em>Nebelritter, überarbeitete Rohfassung</em></cite></blockquote>



<p>[/su_expand]</p>



<p>Wie stehst du zu dem Thema? Wann ist ein Roman für dich zu lang? Wann zu kurz? Und hast du einen tollen Tipp fürs Kürzen?</p>



<p>Deine Kaja</p>



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		<title>2020 – Neue Träume, alte Ziele</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kaja]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Dec 2020 06:25:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
		<category><![CDATA[Dornenritter]]></category>
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					<description><![CDATA[Was für ein Jahr! Kaum jemand wird wohl nicht erleichtert sein, dass es zu Ende ist, und hoffen, dass 2021 besser läuft. Ich hoffe, ihr seid alle einigermaßen erträglich durch dieses Jahr gekommen. Ich bin durch 2020 geschwommen wie ein Korken auf einer Pfütze und weiß, dass ich damit großes Glück hatte. Was mich getragen [&#8230;]]]></description>
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<p>Was für ein Jahr! Kaum jemand wird wohl nicht erleichtert sein, dass es zu Ende ist, und hoffen, dass 2021 besser läuft. Ich hoffe, ihr seid alle einigermaßen erträglich durch dieses Jahr gekommen.</p>



<p>Ich bin durch 2020 geschwommen wie ein Korken auf einer Pfütze und weiß, dass ich damit großes Glück hatte. Was mich getragen hat: das Schreiben, alte und neue Freundschaften und mir darüber bewusst zu werden, was ich im Leben will.</p>



<p>In diesem Jahr habe ich endlich den Mut gefunden, alte Träume aufzugeben – der wichtigste Schritt, um neue Träume aufzubauen. Schreiben war für mich immer extrem wichtig. Nicht umsonst arbeite ich seit über 20 Jahren jeden einzelnen Tag an meinen Romanen. Aber  ich möchte nicht für die Schublade schreiben, sondern meine Geschichten mit der Welt teilen. Dass das nicht immer leicht ist, habe ich in der Vergangenheit oft erfahren und war deswegen häufig frustriert. Selfpublishing konnte ich mir trotzdem nie vorstellen. Das hat sich in diesem Jahr geändert. Und obwohl ich kurz davor stand, meinen Dark-Fantasy-Roman <em>Dornenritter</em> (Arbeitstitel <em>Ritter und Henker</em>) selbst zu veröffentlichen, habe ich dann doch noch einen Verlag für ihn gefunden. Er wird voraussichtlich Ende des nächsten Jahres erscheinen. Das freut mich natürlich sehr, und ich werde euch hier über alles auf dem Laufenden halten. </p>



<p>Eins nehme ich aus 2020 mit: Es nützt nichts, darauf zu warten, dass andere einem dabei helfen, den eigenen Traum zu leben. Vielleicht wird es passieren, und dann ist es großartig. Wenn aber nicht, muss man sich eben selbst für das einsetzen, was einem wichtig ist. Daher ist mein Vorsatz für das neue Jahr und alle, die noch folgen: Ich will und werde weiter die Geschichten schreiben, die ich liebe, und sie mit den Menschen teilen, die sie auch lieben.</p>



<p>Zu diesem Zweck habe ich auch angefangen, mich mehr in den Social Media einzubringen – vor allem auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/kaja_evert_autorin/" target="_blank">Instagram</a> – und freue mich sehr über das Interessse an meinen Projekten, das ich dort erfahren habe. Es macht mir viel Spaß, aktiv zu sein und mich auszutauschen. Auch im nächsten Jahr werdet ihr dort sicher noch einiges von mir hören.</p>



<p>Besonders habe ich mich in diesem Jahr auch über den Austausch mit anderen Autor*innen gefreut, darunter Tasha Winter (<a rel="noreferrer noopener" href="https://aufanderenseiten.blog/" target="_blank">Website</a>), mit der ich an einem Gemeinschaftsprojekt schreibe. Was für ein Spaß! Ich freue mich schon sehr darauf, die Story im nächsten Jahr fortzusetzen.</p>



<p>Was meine eigenen Projekte betrifft: 2020 habe ich die Rohfassung meines düsteren Fantasyromans <em>Nebelritter</em> fertiggestellt, dem Nachfolgeroman von <em>Dornenritter</em> (die Romane lassen sich unabhängig voneinander lesen). Beide Romane erzählen eine epische Dark-Fantasy-Geschichte, enthalten aber auch Elemente einer Gay Romance. <em>Nebelritter</em> ist wieder mal ein ziemlich dicker Schinken geworden, und ich werde ihn im nächsten Jahr als Erstes überarbeiten. Was ich sonst plane: neue Romane, natürlich, und vielleicht sogar die Veröffentlichung eines eigenen Spiels. Viel kann ich noch nicht verraten, aber: Es geht ums antike Rom.</p>



<p>Durch das Home Office war ich in diesem Jahr beim Schreiben flexibler. Weil der Weg zur Arbeit wegfiel, konnte ich morgens mehr Sport machen und dabei über meine Geschichten nachdenken. Trotzdem bin ich sehr froh, wenn ich hoffentlich im nächsten Jahr wieder ins Büro fahren kann. Home Office hat seine Vorteile, aber in einer Ein-Zimmer-Wohnung ist es auf Dauer kein großer Spaß.</p>



<p>Ich wünsche euch allen einen guten Start ins nächste Jahr. Wir sehen uns 2021. </p>



<p>eure Kaja</p>



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