Acht Dinge, die mich produktiver gemacht haben

Ich schreibe so langsam, wie die Schnecke kriecht – diese Wahrheit glaubte ich erkannt zu haben. Große Überraschung: Bei meinem aktuellen Dark-Fantasy-Roman, dem »Schnitter« (Arbeitstitel), konnte ich nach nicht einmal vier Monaten das »ENDE« unter die Rohfassung des Manuskripts setzen. Sicher werde ich noch viel mit der Überarbeitung zu tun haben, trotzdem: Was um alles in der Welt hat mich diesmal so produktiv gemacht?
Ich habe einige Gedanken dazu notiert. Für alle, die überlegen, wie sie selbst produktiver an ihren Romanen arbeiten können, ist vielleicht die eine oder andere Idee dabei.

1. Kurzen Roman schreiben

Okay, diesen Faktor sollte ich nicht außer Acht lassen: Anstelle eines epischen Riesenplots hatte ich diesmal einen einfacheren Roman geplant. Ich schätze, es war eine Erleichterung, zu wissen, dass ich keine zig Plotfäden entwirren und keinen superkomplexen Weltenbau betreiben werde. Stattdessen wollte ich mich auf die Figuren, ihre Entwicklung und ihre Beziehung zueinander konzentrieren. Zuletzt sind ca. 90.000 Wörter dabei herausgekommen – immerhin eine passable Länge für einen Fantasyroman. Wenn auch kein Vergleich zu »Dornenritter« mit über 130.000 und »Nebelritter« mit (nach Kürzungsorgie) immerhin noch über 120.000 Wörtern. Mal sehen, wieviel nach der Überarbeitung noch übrig ist.

2. Schreib-Buddy suchen

Mein wunderbarer Schreib-Buddy Tasha Winter hat den Entstehungsprozess des Romans von Anfang an begleitet, so wie ich die Entstehung ihrer Projekte begleite. Einen Schreib-Buddy zu haben ist toll und wahnsinnig motivierend. Wir tauschen uns jeden Tag über den Fortschritt aus und chatten. Das spornt an. Wenn ihr Schwierigkeiten habt, dranzubleiben, ist mein Tipp daher: Sucht euch einen Schreib-Buddy!

3. Kapitel vorher plotten

Plot und ich sind nicht die engsten Freunde, das ist bekannt. Trotzdem plotte ich vor dem Schreiben immer, und sei es auch nur grob. Bei diesem Roman habe ich die Handlung, die ich im Kopf hatte, vorher kapitelweise aufgeschrieben. So wusste ich während des Schreibens immer, was ungefähr als Nächstes passieren wird, und wohin das alles zuletzt führen soll. Offenbar hat es geholfen. Das probiere ich beim nächsten Projekt wieder! Allerdings habe ich mich kein bisschen an meine ursprünglichen Kapiteleinteilung gehalten: Statt den geplanten ca. 16 sind 36 Kapitel entstanden.

4. Druck rausnehmen

Angeblich sind Menschen, die sich wohlfühlen und entspannt sind, auch besonders produktiv. Das kann ich nur bestätigen!
Während des Schreibprozesses habe ich diesmal bewusst den Druck herausgenommen und möglichst gut auf mich geachtet (nachdem ich mich im April zu stark unter Druck gesetzt hatte, wie ihr hier nachlesen könnt. Das betrifft mehrere Punkte:

  • Ich habe den Anspruch an mich selbst wesentlich reduziert. Am liebsten möchte ich immer den perfekten Roman schreiben: mit tollem Plot, tiefgründig, spannend, sofort perfekt formuliert. Diesmal habe ich mir gesagt: Alles egal! Schreib ihn halt einfach irgendwie. Es wird schon.
    Es wurde.
  • Ich habe mir vorgenommen, meinen Roman im Selfpublishing herauszubringen. Auch wenn diese Art der Veröffentlichung sicher viele Hürden und Möglichkeiten des Scheiterns für mich bereithält, bietet sie auch wesentliche Vorteile, die das Arbeiten für mich entspannter gemacht haben. Ich wusste, für dieses Buch würde es keine Ablehnungen hageln und niemand würde mir wegen eventueller mieser Verkaufszahlen die Zusammenarbeit aufkündigen. Nur ich selbst hätte davon einen Nachteil, indem ich das investierte Geld nicht wieder herausbekomme (aber darauf habe ich mich ohnehin eingestellt).
  • Normalerweise schreibe ich ein Tagespensum von ca. 500 Wörtern. Diesmal habe ich das Tagespensum komplett abgeschafft. So habe ich mich viel freier gefühlt und lag oft weit über dem sonstigen Tagespensum. Ich glaube, dabei bleibe ich erst einmal. Allerdings, um das klarzustellen: Täglich geschrieben habe ich trotzdem, und zwar vor der Arbeit. Das mache ich immer!
  • Anstatt mich in meiner Freizeit unter Druck zu setzen, noch mehr zu schreiben, habe ich Dinge zur Entspannung gemacht: Freunde treffen, Gaming, Wandern, Brettspielrunden, Socken stricken …
  • Ich habe mich und meine Arbeitsweise akzeptiert: die chaotische Rohfassung, das nicht immer optimale Plotten, das generell langsame Schreiben. Und witzigerweise fielen die Nachteile diesmal (soweit ich bisher erkennen kann) gar nicht so sehr ins Gewicht wie sonst!
Wer entspannter ist, fühlt sich besser und ist häufig auch produktiver.

5. Pause machen

Bedingt durch eine OP hatte ich eine längere Pause von ca. zwei Wochen, in der ich nicht geschrieben habe. Hinterher war ich dann umso produktiver. Zu einer OP nur zwecks Erholung hinterher kann ich zwar niemandem raten, aber ich denke, zwei Wochen Schreibpause können auf jeden Fall sehr entspannend sein und sich später auszahlen.

6. Nicht entmutigen lassen

Obwohl ich während des Schreibens – wie üblich – mehrere Durchhänger und schlechte Phasen hatte, habe ich mich nicht entmutigen lassen, sondern einfach weitergemacht. Dabei war mir natürlich meine Erfahrung eine Hilfe, da ich schon oft in ähnlichen Situationen war. Auch wenn alles verzweifelt aussieht, man den eigenen Text nicht mag, Rückschläge einstecken muss, lohnt es sich, weiterzuarbeiten. Wenn man es jeden Tag so macht, wird man irgendwann fertig! Das ist Fakt, auch wenn es in der jeweiligen Situation vielleicht unrealistisch erscheint. Und wer weiß, vielleicht sieht der ungeliebte Text am Ende dann doch nicht so schlecht aus.

7. Motivation durch Feedback

Diesmal habe ich meine Follower*innen auf Instagram an der Entstehung des Romans teilhaben lassen und immer mal wieder winzige Leseproben gepostet. Es kamen jedes Mal Rückmeldungen von wunderbaren Menschen, die sich daran gefreut haben und mir geschrieben haben, dass sie gern den ganzen Roman lesen möchten und sich darauf freuen. Das war extrem motivierend für mich! Hier auch noch einmal ganz herzlichen Dank dafür! Gerade in den Phasen mit Durchhänger (s. o.) wurde ich dadurch ermutigt und angespornt.

8. Mehr lesen

Ich hatte mir einen neuen E-Reader angeschafft, einige E-Books gekauft und insgesamt wieder mehr gelesen. Witziges und Ernstes, gute und schlechte Bücher, darunter die schlechtesten, die ich kenne! Ich kann nicht behaupten, dass mich gute Bücher mehr inspirieren als schlechte oder ich mich durch sie mehr verbessere, aber was ich genau weiß: Je mehr Texte ich lese, desto leichter fließen mir auch meine eigenen aus den Fingern.

Was meinst du – ist eine Idee für dich dabei? Oder was tust du, um produktiv an deinen Geschichten zu arbeiten? Hinterlass mir doch einen Kommentar, wenn du magst! Ich wünsche dir eine kreative und inspirierende Zeit.


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