»Dornenritter« – mein Weg aus der Dunkelheit

Als ich meine erste Agentur verlor, mit der ich es immerhin bis in den Publikumsverlag geschafft hatte, landete ich anschließend fast bei einer der großen. Dort sagte mir ein Agent, ich könne keine großen Geschichten schreiben. Er sagte nicht, es sei in seinen Augen so oder etwas Ähnliches. Er formulierte es wie einen unumstößlichen Fakt.

Gefangen im Kopflabyrinth

Es mag dramatisch klingen, aber das hat mich vernichtet. Das Telefonat wiederholte sich endlos in meinem Kopf. Monatelang war ich zu nichts zu gebrauchen. Wie sollte das nicht stimmen, wenn doch ein Profi es sagt? Ich nahm mir damals zwar vor, nicht aufzugeben, sondern es jetzt erst recht als Autorin zu schaffen. Leider schien die berüchtigte Self-fulfilling Prophecy in Kraft zu treten: Alles, was in meinem Leben passierte, gab dem Agenten recht. Ich hatte vorher keine Probleme gehabt, Agenturen zu finden, aber danach fand ich keine mehr, obwohl es mehrfach fast klappte.

In den nächsten Jahren schrieb ich mehrere Romane. Aber immer, wenn sie nirgends unterkamen, schwappte das Erlebnis wieder in mir hoch, bis ich schließlich selbst davon überzeugt war, der Agent habe recht gehabt. Ich hörte auf, an mich und meine Romane zu glauben. Fing an zu denken, ich könne nichts schreiben, was Menschen begeistert. Und trotzdem war da wieder bei jeder neuen Geschichte dieser Hoffnungsfunken …

Eine neue Idee – ganz anders

Die Idee zu »Dornenritter« war ganz plötzlich da – Jahre nach dem Erlebnis – und ging nicht mehr weg. Ursprünglich wollte ich den Roman gar nicht schreiben, denn er war ganz anders als alles, was ich sonst schrieb. Dark Fantasy ja – aber Gay Romance? Ich bin doch gar kein Romance-Fan! Aber die Figuren bestanden darauf, dass ich ihre Geschichte erzähle, und das tat ich.

Schon während der Arbeit am Roman merkte ich, dass diesmal etwas anders war. Ich liebe normalerweise jedes Buch, das ich schreibe. Aber dieses Buch verblüffte mich und riss mich mit wie noch keins vorher. Ich hatte keine Ahnung, dass so eine Geschichte in meinem Kopf existiert hatte und dass ich in der Lage war, sie zu schreiben. Auch wenn ich sie in der Rohfassung dermaßen versemmelte, dass ich die Hälfte neu schreiben musste, änderte das nichts. Für mich war »Dornenritter« das Beste, was ich je geschrieben hatte. Besser, als ich geglaubt hatte, überhaupt schreiben zu können.

Der Weg aus der Dunkelheit

Nachdem »Dornenritter« fertig war, habe ich mich bei o. g. Agentur nicht damit beworben. Ich habe darüber nachgedacht, aber ich habe mir nicht länger gewünscht, von ihr vertreten zu werden. Und vermutlich hätte sie mich auch nicht genommen. Ebensowenig wie irgendeine andere, denn auch für diesen Roman habe ich nur Ablehnungen geerntet. Aber diesmal war mir klar: »Dornenritter« soll veröffentlicht werden! Ich versuchte es bei Kleinverlagen. Hier erhielt ich fast ausschließlich die häufigste Antwort am Buchmarkt: gar keine Antwort. Und so beschloss ich zuletzt, den Roman selbst herauszubringen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mir Selfpublishing nicht vorstellen können. Allmählich begriff ich, dass es ein völlig zulässiger Weg ist, der sogar Vorteile bietet. Vor allem den, nicht von anderen und ihren Urteilen abhängig zu sein.

Ich stand kurz davor, den Roman zu veröffentlichen, als mich eine Mail vom SadWolf-Verlag erreichte. Darin die Zusage für »Dornenritter« nur auf Grundlage von Exposé und Leseprobe. Das kam völlig unerwartet für mich und hat mich natürlich riesig gefreut. Aber wäre die Zusage nicht gekommen, ohne dass vorher das Gesamtmanuskript angefordert wurde – was ungewöhnlich ist – hätte ich wohl geantwortet ›Danke für das Interesse, aber ich gehe jetzt ins Selfpublishing.‹ Denn für eine weitere Runde Warten hätte mir endgültig die Geduld gefehlt.

Der SadWolf-Verlag gehört zu den wenigen Verlagen in Deutschland, die ausschließlich düstere Literatur herausbringen, und somit ist er für »Dornenritter« ein Glücksgriff. Mit seinem finsteren Setting, den kaputten Figuren und der komplexen Handlung passt er perfekt ins Verlagsprogramm.

Den Gedanken an Selfpublishing habe ich aber nicht aufgegeben. Ihr werdet zu einer anderen Gelegenheit mehr davon hören.

Fazit

Wenn ich zurückblicke, denke ich: Letzten Endes kann ich einem Profi keinen Vorwurf machen, weil er nicht an mich als Autorin glaubte. Es ist sein Job, solche Einschätzungen abzugeben (er hätte sie freundlicher formulieren können und stärker daran denken können, was eine solche Aussage in empfindsamen Autorinnen-Seelen anrichten kann), und er kann richtig liegen oder sich irren. Aber für mich wäre es sinnvoller gewesen, eher wieder daran zu glauben, dass ich große Geschichten schreiben kann. Denn es fühlt sich sehr viel besser an, es zu tun.

Was ihr tun könnt

Letzten Ende entscheidet ihr, ob für euch »Dornenritter« eine große Geschichte ist. Ich weiß, es gibt unendlich viele Geschichten da draußen. Ein einzelner Roman hat es schwer, gesehen und gelesen und geliebt zu werden. Und sicher gibt es auch immer viel, was kritisiert werden kann, was vielleicht nicht gefällt. Für Kritik bin ich hoffen. Für mich sind meine »Dornenritter« jedenfalls ein absolutes Herzensbuch und zugleich die Geschichte, wie ich als Autorin den Glauben an mich selbst wiedergefunden habe. Wenn ihr mich (und den SadWolf-Verlag) unterstützt – durch den Kauf des Romans, durch Rezensionen, durch Social-Media-Bilder usw. – tragt ihr dazu bei, dass diese Geschichte groß wird und ein gutes Ende nimmt.

Eure Kaja


Keinen Beitrag mehr verpassen? Dann melde dich für meinen Newsletter an!

Ich halte deine Daten privat und teile sie nur mit Dritten, die diesen Dienst ermöglichen. Um Näheres zu erfahren, lies bitte die Datenschutzerklärung.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.